Schleswig : Beruf gefunden – es läuft richtig gut

Nach vielen Versuchen hat Bianca Clausen jetzt ihre berufliche Heimat gefunden.
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Nach vielen Versuchen hat Bianca Clausen jetzt ihre berufliche Heimat gefunden.

Ein Coaching half Bianca Clausen in ihren Beruf als Orthopädie-Schuhmacherin – als Gesellin ist sie heute eine feste Größe für die Firma.

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16. April 2018, 13:30 Uhr

„Wenn es nach mir geht, können wir gern über das Thema Meisterschule reden.“ Bianca Clausen lächelt unsicher bei diesen Worten ihres Chefs. Horst Clausen – „nicht verwandt und nicht verschwägert“ – knufft ihr lächelnd in die Seite. Die beiden Orthopädie-Schuhmacher sind ein eingespieltes Team. Das ist zu sehen. Dennoch: Vor Kurzem erst hat die 28-Jährige die Gesellenprüfung bestanden. Jetzt schon an die nächste Prüfung denken? Nein, lieber noch nicht.

Horst Clausen lässt es gut sein. Aber eines sagt er doch noch: „Das Potenzial sehe ich.“ Bei so viel Erfolg im Job ist kaum zu glauben, dass Bianca Clausen es schwer hatte, in der Arbeitswelt anzukommen (wir berichteten). Sie schlug sich durch, jobbte in der Gastronomie und als Aufsicht in einer Spielhalle. Eine Ausbildung als Kosmetikerin wollte sie beginnen, im Frisörberuf versuchte sie sich. „Es passte einfach nicht.“ Schließlich half ihr ein individuelles systemisches Coaching – 2014 war das noch ein völlig neues Angebot von Kreis und Bequa (Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mbH). Die zurückhaltende junge Frau machte einen Test zur Berufsfindung und war von dem Ergebnis verblüfft: Orthopädie-Schuhmacherin. „Wir haben uns angesehen und waren etwas ratlos“, berichtet Oke Christiansen von der Bequa und lacht. „Das ist ja auch kein Allerweltsberuf“ – aber einer mit Zukunft. Das fand Christiansen schon nach kurzer Recherche heraus. Schuhwerk, das medizinischen Ansprüchen genügt, wird immer gebraucht.

Er knüpfte Kontakte zu möglichen Ausbildungsbetrieben für Bianca und wurde beim Schleswiger Unternehmen Schuh-Schlüter – einem Familienbetrieb in dritter Generation – fündig. Inhaber Horst Clausen räumt ein, zunächst skeptisch gewesen zu sein: „Wenn mich jemand anruft und jemanden empfiehlt, frage ich mich erst einmal, warum derjenige nicht selbst zum Hörer greift oder vorbeikommt.“ Aber dann habe ihm seine Frau – „Ohne meine Frau geht nichts“ – ins Gewissen geredet. Eine Auszubildende sei gut. Schließlich brauche man Unterstützung in der Werkstatt.

Und diese Unterstützung bekamen sie. Im Sommer 2014 begann Bianca Clausen ihre dreieinhalbjährige Ausbildung und „von Zeugnis zu Zeugnis konntest Du die Entwicklung sehen“, lobt ihr Chef. Handwerklich gut, teamfähig, zuverlässig, pünktlich – und zunehmend selbstbewusster. Habe sie vor dem ersten Blockunterricht in Travemünde noch Sorgen gehabt und eigentlich „nur noch nach Hause gewollt“, freute sie sich bald auf die Kollegen und den Unterricht – und natürlich die Arbeit in der Werkstatt. Nur kurz vor der Prüfung sei ihr doch noch mal mulmig geworden. Auch Lehrmeister Clausen und seine Frau zitterten sich wartend durch die zweieinhalb Prüfungstage, bis die erlösende Nachricht kam: „Bestanden“. Und nicht nur irgendwie, sondern richtig gut und mit einem dicken Lob der Prüfungskommission für ihr Meisterstück, einen Lähmungsstiefel: „Manche haben Glück. Sie nicht, Sie können es einfach.“

In Schleswig knallte der Sektkorken. Die Clausens bereiteten den neuen Arbeitsvertrag vor. „Und seit Januar arbeitet nun die Gesellin Bianca Clausen bei uns“, freut sich der offensichtlich stolze Lehrherr und die Orthopädie-Schuhmacherin selbst lächelt glücklich.

Auch für Nils Wienke, Leiter des Fachdienstes Berufliche Eingliederung, sind solche Erfolge ein Grund zur Freude. 244 ehemalige Hilfe-Empfänger haben Kreis und Bequa seit 2014 mit ihrer individuellen Betreuung in stabile Arbeitsverhältnisse gebracht. Und es sollen mehr werden. Die Kontaktaufnahme für Interessierte ist einfach: Ein Blick ins Internet reicht: www.jobkieker.de

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