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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 21:27 Uhr

Bereit für das große Abenteuer

vom

253 Offizieranwärter, darunter 51 Frauen und 44 Seiteneinsteiger, wurden gestern auf dem Platz der Marineschule Mürwik vereidigt

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

flensburg | Brütende Hitze auf dem Platz vor der Marineschule, auf dem gesamten Areal sind Tetrapaks mit Wasser verteilt, die Gorch Forck liegt seit Mittwochabend an der Pier der Schule. Bald heißt es "Still gestanden!": 253 Offizieranwärter der Crew VII/2013, aufgestellt in Reih und Glied. Das Wachbataillon des Verteidigungsministers aus Berlin marschiert zum holländischen Ehrenmarsch ein. Kapitän zur See Carsten Stawitzki, Kommandeur der Marineschule, eröffnet die Zeremonie und begrüßt die Kadetten, den Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft und die zahlreichen Besucher, darunter zum Teil weit angereiste Verwandte der Offizieranwärter.

Viele junge Kadetten verlieren am heißesten tag des Jahres den Kampf gegen die Hitze und kollabieren. Die Sanitäter stehen schon zur Stelle und tragen die jungen Menschen zu einem schattigen Plätzchen. Dann hat Thomas Kossendey, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, das Wort: "Sie leisten Eid auf die Bundesrepublik Deutschland, das Recht und die Freiheit von 82 Millionen Bürgern auf der Basis der Grundrechte zu schützen." Deutschland komme gerade in Hinblick auf die internationalen Einsätze im Rahmen der Bündnisse eine bedeutende Rolle zu. Verstärkt weist der Staatssekretär auf die Risiken der Einsätze hin und zieht das prägende Zitat des ehemaligen Verteidigungsministers Peter Struck hinzu: "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt."

In Gesprächen mit Kadetten wurde die Rolle der Familien als tragendes Element betont. Diese Unterstützung sei besonders wichtig, wenn "die See mal stürmisch und rau ist", sagte Kossendey. Mittlerweile müssen weitere Kadetten der Hitze Tribut zollen: die Aufregung, die Temperaturen, die schweren Uniformen und das fast bewegungslose Stehen sind eine besondere Herausforderung für die jungen Frauen und Männer.

Nach Ende der Rede Kossendeys spielt das Marinemusikkorps Nordsee aus Wilhelmshaven das Schleswig-Holstein-Lied, die Besucher stehen auf, die Truppenfahne wird präsentiert. Jetzt ist der Moment gekommen, auf den die Kadetten sehr lange gewartet haben. Souverän und abgeklärt wiederholen die Offizieranwärter die entscheidenden Worte: "Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe." Zur Krönung des feierlichen Zeremoniells wird die Nationalhymne gesungen.

Die Erleichterung ist förmlich mit Händen zu greifen. Sophia Grabow, 19, fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Von der Familie umringt, lässt sie Umarmungen und ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Mittlerweile geht es ihr wieder besser; in der Hitze hatte auch sie Kreislaufprobleme bekommen. "Ich war gar nicht aufgeregt, bin dann nur leider umgefallen, trotz Wasser und Traubenzucker", erzählt Sophia. Sie ist auf dem Nato-Stützpunkt "Shape" in Belgien aufgewachsen, wo ihr Vater als Offizier stationiert war, und besuchte dort eine internationale Schule, durch die sie, neben den Erzählungen des Vaters, auf den Geschmack einer Ausbildung bei der Bundeswehr gekommen sei. Nun kann das Abenteuer losgehen - demnächst auf der "Gorch Fock", die für eine prächtige Kulisse bei dem schweißtreibenden Zeremoniell sorgte.

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