zur Navigation springen

Beweglichkeit ist Trumpf : Beratungsstelle „Frau und Beruf“ wird weiter gefördert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer sichert der Beratungsstelle Frau und Beruf ein weiteres Jahr Förderung zu. Vielen Frauen bereiten Teilzeit-Tätigkeiten Probleme, denn die Unternehmen sind nicht so flexibel.

Flensburg | Die Beratungsstelle Frau und Beruf kann ein weiteres Jahr den Frauen in Flensburg, Schleswig-Flensburg und Nordfriesland zur Seite stehen. Das sicherte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer den Mitarbeiterinnen Katharina Petersen und Meike Hansen gestern persönlich zu. Der Minister besuchte die Beraterinnen in Flensburg und löste damit ein Versprechen ein, dass er den Frauen vor einem Jahr gegeben hatte.

In dem Gespräch berichteten Petersen und Hansen von den Schwierigkeiten, die ihre Klientinnen haben. Gerade die Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen wollten, das aber nur in Teilzeit, hätten arge Probleme, einen Arbeitgeber zu finden. Hansen pflichtete ihr bei: „Die Chancengleichheit ist noch überhaupt nicht hergestellt.“ Im ländlichen Raum herrschten nach wie vor tradierte Modelle vor. Frauen hätten Mühe, sich zu entwickeln. Susanne Uhl vom Deutschen Gewerkschaftsbund bemerkte: „Einerseits klagen Arbeitgeber über Fachkräftemangel, andererseits führen sie eine immer rigidere Unternehmenspolitik.“

Nichts Neues für den Minister. Der forderte vor allem die kleinen Betriebe zu mehr Beweglichkeit auf: Die Unternehmen seien bei weitem nicht so flexibel, wie es immer klinge. „Sie müssen flexibler sein, bei individuellen Verträgen.“ Die Frage sei nun, wie man Dynamik in die Situation bekomme. Das Land will mit einer Fachkräfteinitiative zur Entwicklung beitragen und schickt Berater in die Betriebe. Hansen sieht bei den Firmen Informationsbedarf: Viele wüssten zu wenig, etwa warum die Umwandlung eines Minijobs in einen Midijob auch für sie Vorteile hätte.

Wie flexibel Arbeitnehmer über die Jahre sein müssen, beweisen Petersen und Hansen selbst, die seit 20 Jahren mit Ein-Jahres-Verträgen bei Frau und Beruf arbeiten. Die Verlängerung der Projektverträge um ein Jahr sei üblich, da Frau und Beruf nicht institutionell, sondern projektbezogen gefördert werde, sagte Meyer, der die Arbeit des Teams lobte: „Es ist sehr beeindruckend, was hier in Flensburg, aber vor allem in der Fläche geleistet wird.“

Frau und Beruf besteht seit 26 Jahren. Die landesweite Einrichtung hatte 2014 den größten Einschnitt hinnehmen müssen. Unter anderem wurden die Standorte Husum und Flensburg zusammengelegt. Wo bis Mitte 2014 vier Beraterinnen 120 Stunden arbeiteten sind heute drei Beraterinnen 100 Stunden tätig. Die Beratungsstelle erhält landesweit knapp eine Million Euro von Europäischem Sozialfonds (ESF) und dem Land, wie Martin Ringat vom Referat Arbeitsmarktförderung des Ministeriums sagt. Von der Summe erhält die Region Flensburg, Schleswig, Husum 202  484 Euro – verbunden mit der Pflicht, selbst zehn Prozent, rund 20  000 Euro dazuzugeben.

Minister Reinhard Meyer ermutigt: Fachlich laufe es mit Frau und Beruf in die richtige Richtung. Der Schwerpunkt der Förderung sei ein anderer geworden. Heute würden 70 Prozent der Fördermittel für die individuelle Beratung genutzt (bisher 40 Prozent).

Damit will das Land die „stille Reserve“ der arbeitsfähigen Frauen erschließen. Viel Potenzial haben Hansen zufolge auch die Flüchtlingsfrauen. „Die meisten kommen mit guter Qualifikation her, lernen aber das Sozialsystem nicht kennen und arbeiten nach fünf Jahren immer noch als Hilfskräfte.“ Die Bundesagentur hat das bei den Frauen noch nicht ganz im Blick, gesteht Birte Lehmpfuhl. Die Beauftragte für Chancengleichheit fordert: „Eine Berufsorientierung für erwachsene Migrantinnen ist nötig“, und erntet damit Zustimmung beim Wirtschaftsminister.

Das Land will 2016 den Erfolg der ESF-Programme prüfen. Nimmt Frau und Beruf auch diese Hürde, könnte der nächste Vertrag bis zum Ende der europäischen Förderperiode im Jahr 2020 laufen. Wenn da nicht die stets einjährige Zuweisung des Landes wäre.

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 28.Okt.2015 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen