Interview mit SG-Geschäftsführer : „Belohnung für das Herz“: Schmäschke über Titel und Zukunft der SG Flensburg-Handewitt

SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

Dierk Schmäschke will den Neuaufbau beim frischgebackenen deutschen Handball-Meister ruhig angehen.

shz.de von
06. Juni 2018, 13:47 Uhr

Flensburg | Seine Titelsammlung ist bemerkenswert: Dierk Schmäschke hat in seiner Funktion als Geschäftsführer der Handballclubs SG Flensburg-Handewitt (1996 bis 2003 und seit 2011) und des HSV Hamburg (2004 - 2011) insgesamt zwei Meisterschaften, vier DHB-Pokalsiege, vier Supercup-Triumphe und sechs Europapokalsiege (darunter einmal die Champions League) gefeiert. Unser Redakteur Holger Petersen sprach mit dem 60-jährigen gebürtigen Nordfriesen über die jüngst errungene Meisterschaft der SG.

Herr Schmäschke, Sie sind nun der erfolgreichste Manager der SG-Geschichte. Es war für Sie als vereinsübergreifend dienstältester Bundesliga-Geschäftsführer der 16. große Titel ihrer Karriere. Wie fühlt es sich seit Sonntag an?

Da trifft vieles aufeinander. Stolz, Erleichterung, aber vor allem riesige Freude. Ich freue mich besonders für alle, die immer an die SG geglaubt und die immer die Ziele hochgehalten haben. Dieser Erfolg wird sehr, sehr lange in Erinnerung bleiben. Besonders freue ich mich für Maik Machulla und die Mannschaft.

Stolz und glücklich: SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.
Marcus Dewanger
Stolz und glücklich: SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke(r.)

Was steht aktuell auf Ihrer To-do-Liste?

Wichtig ist zunächst einmal, solche Triumphe zu genießen, denn dahinter steckt ganz viel Arbeit. Das tun wir auch. Momentan gilt es speziell für Trainer Maik Machulla und mich, eine Masse an Medienterminen abzuarbeiten. Doch parallel geht die Vorbereitung auf die neue Saison los. Gerade im Erfolg darf man nicht nachlässig werden und muss immer an die Zeit danach denken. Unsere Geschäftsstelle macht nicht nur derzeit gerade einen phantastischen Job. Mir ist sehr wichtig, dass wir die Erweiterung und Aufrüstung der Flens- Arena nun zügig vorantreiben.

Sie als Manager müssen auch die finanzielle Ausstattung des Vereins im Auge behalten. Hat die Meisterschaft in dieser Hinsicht schon Auswirkungen?

In erster Linie ist die Meisterschale eine Belohnung für das Herz und die Seele und nicht für die Kasse. Das spielt sich mehr emotional als monetär ab. Aber es ist jetzt schon zu spüren, dass der Zuspruch unserer Partner groß ist. Dass dieser Titel nun neu auf dem Briefbogen erscheint, hilft uns ganz sicherlich zukünftig in vielen Bereichen.

Wird der Etat für kommende Saison noch erhöht?

Nein. Der Etat bleibt. Wir planen seriös und sachlich und nicht mit Mondzahlen. Mit den Zahlen von Vereinen wie Paris, Veszprem, Barcelona oder Kiel können wir nicht mithalten, da muss man kreativ sein. Alle Trikotpartner haben ihre Verträge verlängert oder signalisiert, es zu tun. Und mit Danfoss werden wir einen großen Sponsor dazu bekommen. Details dazu wird es später geben. In diesem Bereich können wir jedoch immer jede Unterstützung gebrauchen. Wir sind breit und gut aufgestellt, und daher arbeiten wir auch hier sehr intensiv.

Wie hoch ist denn die Meisterprämie für die Spieler?

Das haben wir mannschaftlich intern geregelt. Trainer und Mannschaft wollten diesen Titel von Herzen und für die SG. Diese deutsche Meisterschaft ist unbezahlbar.

Ein Blick auf die neue Saison und die Konkurrenz. Was erwarten Sie?

Es wird von Jahr zu Jahr enger an der Tabellenspitze. Noch nie war die Liga oben so ausgeglichen wie in dieser Saison, deswegen ist unser Titelgewinn noch höher zu bewerten. Selbst Mannschaften aus dem vermeintlichen Verfolgerfeld Berlin, Magdeburg, Melsungen und Hannover haben ein derart hohes Niveau erreicht. Die Löwen sind stark wie immer, auch der THW wird wieder voll angreifen.

Die SG als Meister wird der Gejagte sein . . .

Es wäre völlig vermessen, jetzt von der Titelverteidigung zu sprechen. Wir stehen vor einem Umbruch mit vielen interessanten neuen Spielern, der auch gut tut und belebt, aber der Zeit braucht. Das aktuelle Meisterteam ist über viele Jahre gewachsen. Maik und ich werden den neuen Kader nicht unter Druck setzen und ihm Zeit geben – ohne darauf zu verzichten, ein hohes Niveau einzufordern.

Die SG geht ohne die drei Korsettstangen Mogensen, Heinl und Andersson in die Saison. Zwei weitere Stützen, Tobias Karlsson und Holger Glandorf, haben nur noch ein Jahr Vertrag. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Beide sind außergewöhnliche Handballer und tragende Bausteine der SG. Keine Frage: Angesichts unserer vielen jungen Spieler brauchen wir Erfahrung im Team. Beide haben signalisiert, dass sie sich vorstellen können, noch ein Jahr dranzuhängen – wenn der Körper es erlaubt. Ich bin diesbezüglich sehr optimistisch.

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