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Theater in Flensburg : Beklemmendes Tanz-Drama

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Junge Tänzer thematisieren den Widerstand von Frauen in der NS-Zeit

Ein Halbkreis aus 18 mannshohen Tafeln mit den Geschichten von 18 Frauen, die im Dritten Reich Widerstand geleistet haben. Im Hintergrund, eingefasst vom hölzernen Ständerwerk der Campelle, junge Männer, alle in schwarz gekleidet. Sie pressen sich an die Wand, klemmen ihre Arme und Beine zwischen die hellen Balken, jeder Muskel gespannt. Im Raum ein Kreis aus Kerzen.

Mit diesem Bühnenbild beginnt das Choreodrama „Du, weißt du wie der Regen weint?“. Bereits vor zwei Jahren war die Regisseurin Stela Korljan zu Gast in der Campelle. Damals hatte sie sich des Themas Missbrauch angenommen. Im aktuellen Stück ist es die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „erinnern um zu lernen – gedenken um zu vergeben“ über Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus stellt Korljan den Lesungen, Vorträgen und Filmen ein fast wort- und textloses Stück zur Seite.

Kurz nach dem Prolog ist der kleine Raum gefüllt mit rund 30 schwarz gekleideten jungen Männern und Frauen, Mitgliedern eines Ensembles der Hamburger Schauspielschule „Artrium“. Nur fast genauso viele Menschen finden Platz im Zuschauerraum. Die Ausstellungstafeln werden – ins Stück integriert – herausgehoben, und die mal in wildem Strudel rotierenden, mal zuckend am Boden liegenden, mal verdrehten Körper der Tänzerinnen und Tänzer erfüllen den Raum. Einige Szenen sind eindeutig: Zum Beispiel, als mehrere Frauen, die sich angespannt an den Händen halten, Sekunden später erschlaffend zusammensacken und ihre Körper achtlos zu einem Menschenberg gestapelt werden. Sofort verständlich sind auch die Szenen, in denen die Männer die Frauen mustern, ausgucken, missbrauchen und anschließend ‚wegwerfen‘.

Das Zusammenspiel von Licht, Rhythmus, Bewegung, Bild-Projektion und Musik spielt eine große Rolle. Unterstützt wird die hervorgerufene Beklemmung durch die fast ununterbrochene körperliche Spannung der Tänzerinnen und Tänzer, sichtbar werdend zwischen Verkrampfung, Zittern und Erstarrung. Auch Kostüm und Requisite sind sparsam: Ein Mantel als zusätzlich übergezogenes Kleidungsstück reicht aus, um die Söhne und Männer zu Tätern zu machen.

Weitere Aufführungen: Sonntag, 5. Februar, 19 Uhr (Campelle); Sonntag, 19. Februar, 19 Uhr, St. Nikolai.

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erstellt am 05.Feb.2017 | 07:20 Uhr

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