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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 23:06 Uhr

Falscher Alarm : Bei Edeka piept’s

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sicherungsetiketten von C&A sorgen seit fünf Jahren für Unruhe im Supermarkt in der Neustadt.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 14:30 Uhr

Flensburg | Piep! Piep! Piiiep! Sami Senol hat die Faxen langsam dicke. Nicht nur er: Die Kassiererinnen sind genervt und viele Kunden aufgeschreckt. Der Inhaber des Edeka-Marktes hat eine gestörte Beziehung zu dem Modehaus C  &  A an der Angelburger Straße. Denn dort gekaufte Kleidung löst an der Kassenschleuse seines Geschäfts regelmäßig Alarm aus.

Einen schrillen Alarm. Und einen falschen dazu. Denn der mutmaßliche Dieb hat seine Ware in aller Regel ordnungsgemäß bezahlt und auch bei Edeka nichts klammheimlich verschwinden lassen. „Wer in dem Supermarkt gesicherte Ware einstecken will, ohne dafür den Gegenwert zu entrichten, lässt sich andere Sachen einfallen“, weiß der 51-Jährige, ohne ins Detail gehen zu wollen. Aus nachvollziehbaren Gründen.

„Seit fünf Jahren geht das jetzt schon“, schimpft Senol. Trotz mehrfacher Beschwerden und Versicherungen, den unzuverlässigen Sicherungstyp nicht mehr zu verwenden ist dem Übel offenbar nicht beizukommen. Entstanden war das Übel durch die Einführung eines komplett neuen Waren-Sicherungssystems bei dem weltweit agierenden Bekleidungsunternehmen. Und dieses System basiert möglicherweise auf den selben Frequenzen, wie sie auch bei Edeka in der Neustadt installiert worden sind.

Und so gibt es an der Kasse des Öfteren turbulente Szenen. Denn nicht jeder Kunde reagiert ruhig und souverän, wenn er vom Marktleiter angesprochen wird. „Nur fünf Prozent derer, die den Alarm auslösen, haben bei uns tatsächlich etwas gestohlen“, schätzt Sami Senol. Die anderen sind unbescholtene C  &  A-Kunden – und peinlich berührt.

Sie haben nur einen „Fehler“ gemacht: Sie haben ihre Kleidung durch die Waschmaschine gejagt. Mit großer Wahrscheinlichkeit nämlich wird durch einen Waschgang die Diebstahlsicherung wieder aktiv. Das jedenfalls vermutet Indra Häfner, Unternehmenssprecherin bei C  &  A.

Unter Umständen können die oft in die Waschanleitung eingenähten Sicherungsetiketten auch durch Reibung wieder aufgeladen werden. Eine erschöpfende Antwort ist das nicht. Deshalb will man dem Phänomen in den nächsten Tagen näher auf den Grund gehen. „Wir hören von dem Malheur allerdings nur in Einzelfällen“, versucht Indra Häfner zu beschwichtigen.

Einzelfälle? Sami Senol beklagt, dass es in seinem Markt etwa 30 Mal in der Woche piept. Eine unangenehme Angelegenheit für alle Beteiligten. „Wir versuchen dann, den oftmals schockierten Kunden zu beruhigen und ihm zu erklären, dass er nichts zu befürchten habe und unschuldig sei.“

Nicht immer gelingt es, das Corpus delicti schnell zu entdecken. Für den Betroffenen ist es nicht zu ertasten. Das Etikett befindet sich meistens an der Innenseite von Jacke wie Hose, bei Jeans in der Regel in der Kleingeldtasche. Mit einem Handscanner lässt es sich aber problemlos orten „Wenn der Kunde es wünscht, entfernen wir den Störenfried an Ort und Stelle“, sagt Senol. „Wir schneiden ihn dann komplett heraus.“ Nicht jeder aber lässt diese Prozedur über sich ergehen.

„Ich kann verstehen, wie unangenehm unseren Kunden das unter den Augen der Öffentlichkeit ist“, sagt Senol. „Was ich nicht verstehe, ist die Ignoranz von C&A. Das muss endlich aufhören.“

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