Demographische Entwicklung : Bei der Pflege verdoppelt sich der Bedarf

Praxis der Pflegeassistenten (von links): Jasmin Grela misst bei Jacqueline Gosch den Blutdruck, Janina Pakebusch und Fachlehrer Andy Reichenbach schauen zu. Foto: sh:z
Praxis der Pflegeassistenten (von links): Jasmin Grela misst bei Jacqueline Gosch den Blutdruck, Janina Pakebusch und Fachlehrer Andy Reichenbach schauen zu. Foto: sh:z

Chance für Absolventen mit Hauptschulabschluss: Ausbildung von Fachkräften für Pflegeassistenz seit 14 Jahren an der Hannah-Arendt-Schule.

Avatar_shz von
20. Februar 2013, 06:35 Uhr

Flensburg | Da die Gesellschaft immer älter wird, werden immer mehr Pflegefachkräfte gebraucht, um die personellen Notstände zu beheben. Arbeitsagenturchef Markus Biercher muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: "Auf Grund der demographischen Entwicklung wird es in den nächsten Jahren auch in Flensburg und Umgebung zu einem erhöhten Bedarf an Fachkräften in der Pflege kommen. Die Zahl der 80-Jährigen und Älteren wird sich bis 2050 verdoppeln", so seine Prognose. Bundesweit werde mit vier Millionen Pflegebedürftigen gerechnet, die - bei unveränderten Rahmenbedingungen - dreimal mehr Heimplätze benötigten als heute.

30 Prozent des Altenpflegepersonals in Norddeutschland sei älter als 45 Jahre. Ein Großteil des Personals stehe in den nächsten Jahren vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben. In Schleswig-Holstein werde sich bis 2020 die Anzahl der Beschäftigten in der Altenpflege um 47 Prozent erhöhen.

Ein Blick in die Statistik der Arbeitsagentur Flensburg zeigt: 267 freie Stellen im Bereich Gesundheit und Soziales gemeldet, davon 97 in Heimen. In Flensburg und dem nahen Umland sind es allein 53 freie Stellen im Bereich Gesundheit und Soziales. Allerdings sind im Bereich der Altenpflege im Flensburger Arbeitsagenturbezirk derzeit 296 Personen arbeitslos gemeldet, in Flensburg sind es allein 60. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Heim- und Sozialwesen sank in Flensburg von Juni 2011 auf Juni 2012 um 5,7 Prozent auf 2387. Der Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beträgt 6,5 Prozent. Im Kreis Schleswig-Flensburg stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 2,4 Prozent auf 4723. Der Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beträgt 10 Prozent.

Als Einstieg in diesen also allein aufgrund der großen demographischen Veränderungen stark wachsenden Arbeitsbereich bietet die Flensburger Hannah- Arendt-Schule die Ausbildung zur Fachkraft für Pflegeassistenz an, wie Lehrerin Stefanie Reichenbach berichtet: "Ganz viele Hauptschüler hätten die Chance, jetzt im Sommer anzufangen. Wir machen aber die Erfahrung, dass zu wenige über die Ausbildung Bescheid wissen."

Fachkräfte für Pflegeassistenz übernähmen die grundpflegerische Versorgung von kranken Menschen, Senioren oder Menschen mit Behinderung. Auch die hauswirtschaftliche und soziale Betreuung dieser pflegebedürftigen Menschen und deren Familienangehörigen gehöre zu ihren Aufgaben.

An der Hannah-Arendt-Schule als Regionalem Berufsbildungszentrum würden diese Fachkräfte für Pflegeassistenz bereits seit 14 Jahren ausgebildet. In der Ausbildung werden zusätzlich zu pflegerischen und hauswirtschaftlichen Inhalten allgemeinbildende Fächer unterrichtet. Damit sei es möglich, bei einer Durchschnittsnote von mindestens 3,0 nach den drei Ausbildungsjahren den mittleren Bildungsabschluss zu erwerben. Die Ausbildungszeit beinhalte insgesamt 40 Wochen Einsatz in Seniorenpflegeheimen, in Einrichtungen zur Betreuung und Pflege von Menschen mit Behinderung und in Krankenhäusern. Auch bei ambulanten Alten- und Krankenpflegediensten kann ein Praktikum abgeleistet werden.

Das seit 2010 bestehende Pflegezentrum biete den Auszubildenden in den zum Beispiel mit Pflegebetten ausgestatteten Übungsräumen optimale Bedingungen, um sie auf die Praktikums einsätze vorzubereiten. Zur Stärkung der Klassengemeinschaft absolvierten die Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr ein Team-Training zur Stärkung der Sozialkompetenz, dessen Ziel auch die Vorbereitung auf die Arbeit im Team während der Praxiseinsätze sei.

Im zweiten Ausbildungsjahr findet an der internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg in Quern regelmäßig eine Integrations-Akademie statt, in der Menschen mit Behinderung gemeinsam mit den Auszubildenden unter Anleitung an unterschiedlichen Werkstattprojekten arbeiten.

Interessierte können sich bis zum 28. Februar für diese Ausbildung anmelden bei: Hannah- Arendt- Schule RBZ Flensburg, Friesische Lücke 17, 24937 Flensburg, Telefon 0461-851600

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen