Süderbrarup : Begleitung für die letzten Stunden

In einigen Fällen nimmt Frauke Kuhl nach Ende einer Begleitung Abschied am leeren Bett.
In einigen Fällen nimmt Frauke Kuhl nach Ende einer Begleitung Abschied am leeren Bett.

Frauke Kuhl ist für Sterbende und deren Angehörige da. Ein neuer Kurs des Hospizvereins Süderbrarup beginnt am 2. Mai.

shz.de von
17. April 2018, 13:00 Uhr

Sterbebegleitung ist eine anspruchsvolle Aufgabe. „Jede Begleitung erfordert eine neue Einstellung des Helfers aufgrund der jeweiligen Andersartigkeit des Sterbenden“, betont Volker Eggeling, Vorsitzender des Hospizvereins Süderbrarup. Der Helfer muss sich zu Beginn fragen, wie er das Vertrauen des Sterbenden gewinnen kann. Es bleibt Sprache und Gestik, um einen Zugang zum Sterbenden zu finden. Und es muss geklärt werden, in welcher psychischen Phase der oder die Sterbende sich befindet, so Eggeling. „Hat er seine Situation angenommen und ist er mit sich selbst im Reinen?“, seien die Hauptfragen.

Die eigene Erfahrung hat Eggeling zum Hospizverein geführt. Er beobachtete eine Sterbebegleitung für eine Familienangehörige. Kurz nach ihrem 95. Geburtstag erlitt diese einen demenziellen Schub und wollte nur noch sterben. „Töchter, Schwiegersöhne, Enkel und Urenkel waren dieser Situation nicht mehr gewachsen und erreichten ihre psychischen und physischen Grenzen“, erinnert sich Eggeling an die belastende Situation. Die Familie bat eine ehrenamtliche Helferin des Hospizdienstes um Hilfe.

Bereits beim ersten Kontakt nahm die Sterbende den Kontakt an und erzählte von ihrem Wunsch zu sterben. Sie bat um weitere Besuche der Helferin. Die Besuchszeiten wurden immer kürzer, da die Dame zusehends an Lebenswille und Kraft verlor. Erst nach einem letzten Abendmahl wurde sie ruhiger. „Acht Wochen später verstarb sie friedlich und schmerzfrei, wohl begleitet und betreut“, beendet Eggeling seine Schilderung.

„Unsere Hauptaufgabe ist die Sterbebegleitung, aber auch die Begleitung der Trauernden“, definiert Frauke Kuhl ihre Tätigkeit, die sie seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich ausübt. Im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse des Sterbenden, so Kuhl. Einige wünschen einen Zuhörer für ihre Lebensgeschichte, andere wollen Fragen beantwortet haben. Einige wünschen Körperkontakt, andere nur die Anwesenheit eines Menschen. Aber ein Sterbebegleiter muss auch akzeptieren, nicht erwünscht zu sein.

Ein Erlebnis aus ihren Begleitungen hat Kuhl besonders berührt. Sie wurde von der Ehefrau eines Sterbenden um einen Besuch gebeten. Nach einer kurzen Kontaktaufnahme wurde sie vom Sterbenden um erneuten Besuch gebeten – aber nur, wenn sie wieder den gleichen Pullover trüge. Sie war dann zweimal bei ihm und las ihm vor. „Der alte Herr war Lehrer, Architekt sowie Regisseur, und es war ihm eine Freude, mir Tipps für ein besseres Vorlesen zu geben“, erzählt Kuhl. Vor einem dritten Besuch sei er verstorben. Aber seine Frau erzählte, dass er sich nach den Besuchen belebt sowie angeregt benommen und nach langer Zeit auch wieder gesprochen habe. „Ich habe solche gelungenen Begleitungen in all den Jahren meiner Tätigkeit immer wieder erlebt“, sagt Frauke Kuhl. Solche Rückmeldungen geben ihr Kraft für ihre selbst gewählte Aufgabe.

Um auch andere Menschen an dieses Thema heranzuführen, bietet der Hospizverein den Kurs „Sterbende begleiten lernen“ an. Er dauert etwa neun Monate und beinhaltet einen Grundkurs – auch geeignet für Menschen, die in der Pflege arbeiten – ein Praktikum und ein Vertiefungswochenende. Nach einem abschließenden Eignungsgespräch erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat und dürfen eine Sterbebegleitung innerhalb des Vereins übernehmen.

>Der nächste Kurs beginnt am Mittwoch, 2. Mai. Genauere Informationen gibt es bei Frauke Kuhl und Edina Lindner unter den Telefonnummern 04643/189374 oder 0162 6304129.

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