Flensburg : Beate Uhses verschollenes Mercedes-Coupe sucht neuen Besitzer

Schnäppchen! Der SLC der Erotik-Pionierin ist wieder aufgetaucht.
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Schnäppchen! Der SLC der Erotik-Pionierin ist wieder aufgetaucht.

Ein Düsseldorfer Autohändler bietet fast 30 Jahre verschollenes Coupe aus dem Besitz von Beate Uhse an.

shz.de von
24. Januar 2018, 06:30 Uhr

Flensburg | Es gibt auch noch gute Nachrichten über Beate Uhse. Die Firma ist zwar insolvent, die Zukunft ungewiss. Doch während das ikonische Flensburger Erotik-Unternehmen in der Versenkung zu verschwinden droht, tauchen andere mit ihm verbundene Dinge plötzlich wieder auf. Ein Autoportal bietet einen vierrädrigen Wegbegleiter der freigeistigen Flensburgerin aus der wohl erfolgreichsten Unternehmensphase an. Es ist ein Mercedes aus dem Jahr 1978. Und sein Verkäufer ist nicht minder schillernd als die 2001 verstorbene Firmengründerin. Er heißt Michael Fröhlich. Künstler, Autor, Designer, Händler, Mechaniker, Liebhaber schöner Dinge und Menschen, ein Düsseldorfer Original mit Breitenwirkung – Beate Uhse hätte ihn gemocht.

Für den 67-Jährigen ist ihr Mercedes typischer Beifang im Tagesgeschäft eines Antiquitätenhändlers, der sich „Fantastischen Fahrzeugen“, so der Name seiner Firma, verschrieben hat. Fröhlich kauft, verkauft, verleiht und vermittelt besondere Automobile weltweit. Ihn fasziniert, was wahre und scheinbare Prominenz bewegt. Hunderte von Automobilen gingen schon durch seine Hände, die meisten waren Traumwagen, einer sogar ein Alptraumwagen: der Mercedes 700 K Adolf Hitlers, den er für einen russischen Milliardär in einer Garage in Braunschweig (!) aufspürte.

Bitte nicht! Anlässlich seines 50.Geburtstags opferte Michael Fröhlich 50 Oldtimer aus dem Jahr 1950 seinem Skulpturenpark in Neandertal, wo sie seither verrosten wie dieser Jaguar. Beate Uhses Mercedes fällt zum Glück nicht unter das Anforderungsprofil.
Foto: dpa
Bitte nicht! Anlässlich seines 50.Geburtstags opferte Michael Fröhlich 50 Oldtimer aus dem Jahr 1950 seinem Skulpturenpark in Neandertal, wo sie seither verrosten wie dieser Jaguar. Beate Uhses Mercedes fällt zum Glück nicht unter das Anforderungsprofil.
 

Fröhlichs aktuelle Verkaufsliste besteht aber überwiegend aus sehr schönen, älteren bis alten Fahrzeugen mit dem gewissen Funkeln der Exklusivität und außergewöhnlichen Vorbesitzern. Dita von Teese etwa, Karl (Aldi) Albrecht, Papst Johannes II., Lady Diana Spencer, Michael Schumacher, König Hassan II. von Marokko etwa. Alles prächtiges Blech natürlich: Straßenkreuzer, Porsches, allerlei (oft royale Kuriositäten), wunderschöne Ferraris, noch viel schönere britische Sportwagen, Fröhlichs erklärte Lieblingsobjekte. Spitzenreiter der Preisliste: ein mit Swarowski-Diamanten überzogener Rolls Royce (Baujahr 1960) zum Verkaufspreis von 1,25 Millionen Euro. Mit Abstand folgt der Ford Lincoln Continental, mit dem Papst Johannes II. 1979 die USA bereiste. Der Heilige Vater bekam ihn geschenkt, Fröhlich verlangt eine halbe Million. Deutschlands Erotik-Fürstin muss sich noch weiter hinten anstellen. Fröhlich ruft gerade 38.850 Euro für das Uhse-Coupe aus dem Jahr 1978 auf.

Nachbarn erinnern sich, dass die zierliche Uhse das große Lenkrad hinter der endlos langen Motorhaube kaum überblickte.
Foto: Beate Uhse AG
Nachbarn erinnern sich, dass die zierliche Uhse das große Lenkrad hinter der endlos langen Motorhaube kaum überblickte.
 

Als Beate Uhse ihn im Mai 1978 zuließ, war ihr Unternehmen auf der Überholspur und hatte dort noch eine längere Strecke vor sich. Anwohner aus Schausende –  hier wohnte sie ab 1981 – erinnern sich noch an die freundliche, zurückhaltende Bewohnerin aus dem „Sex-Eck“-Pavillon. Das metallicblaue Pagoden-Coupe mit den beigen Ledersitzen wurde von einem flüsterleisen V8-Motor angetrieben und ist für Markenfans heute eine zum Heulen schöne Stil-Ikone der 70er Jahre. Nachbarn erinnern sich, dass die zierliche Uhse das große Lenkrad hinter der endlos langen Motorhaube kaum überblickte. Vielleicht der Grund, warum der Wagen zwischen den Inspektionen häufiger in der Karosseriebauabteilung von Klaus & Co. in Flensburg für mal kleinere, mal größere Schönheitsoperationen verschwand, wie sich Mitarbeiter heute noch erinnern. 1986 wurde das Auto an einen Recycling-Unternehmer aus dem Kreisgebiet verkauft, zwei Jahre danach verlor sich die Spur.

„Eigentlich kam ich zu dem Auto wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Fröhlich. Es meldete sich in Düsseldorf unlängst eine schwedische Jaguar-Vertretung, deren Chef im britischen Mutterhaus für Verdruss gesorgt hatte. Der Mann fuhr nämlich statt der Raubkatze aus Coventry einen Stern aus Stuttgart spazieren. Beate Uhses blau-metallischen Pagoden-Mercedes. „Man riet ihm eindringlich zum Jaguar“, so Fröhlich. Und natürlich konnte er helfen. Zufällig stand nämlich eine zauberhafte schokobraune E-Type aus den 60er Jahren in der Halle. Gegen Wertausgleich (der Jaguar ist teurer) soll jetzt getauscht werden. Der Düsseldorfer setzt große Hoffnung auf seine perfekt erhaltene Neuerwerbung. „Dass Beate Uhse jetzt wegen der Insolvenz grad’ öffentliches Thema ist, macht den Wagen nur interessanter“, glaubt er. Die Bestimmung dieses Fahrzeugs liegt für ihn auf der Hand. Es gehört in gute Hände. Seitdem Fröhlich aus Anlass seines 50. Geburtstags 50 unwiederbringliche Oldtimer aus seinem Geburtsjahr 1950 in einem eigens angelegten Skulpturenpark im Dienste der Kunst dem Rostfraß übergab, zählen allerdings nicht alle in der Oldtimer-Szene ihn noch dazu. Aber für Beate Uhses Mercedes gibt Michael Fröhlich Entwarnung. „Der gehört in ein Museum!“

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