Großadelbylund : Baustopp: Chaos an der Küsterlücke

Frustriert, genervt: Die Bauherren Ralf Friedrich, Kay Peters und Jan Engelhardt (v.l.).
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Frustriert, genervt: Die Bauherren Ralf Friedrich, Kay Peters und Jan Engelhardt (v.l.).

Das neue Baugebiet an der Küsterlücke stagniert: Der Bauträger ist pleite, Hausbesitzer sind genervt, Schutt stört das Bild. Die Stadt bemüht sich um eine Lösung.

shz.de von
02. November 2009, 01:42 Uhr

Flensburg | Besucher der Küsterlücke werden von einem wilden Abfallhaufen mit Bauresten begrüßt: Plane, ein Stück Rohr, Bauschutt, Müllsäcke, ein improvisierter Verschlag. Dahinter jedoch drei baufrische, farbige Häuser mit Pultdächern, kleine Gärten daneben, nagelneue Holzterrassen. Hier wohnen Menschen, und die sind sauer. Sauer auf ihren Bauträger, die Firma HB Bauplan, die vor rund sechs Wochen in die Insolvenz ging und Chaos an der Küsterlücke hinterließ. Sauer aber auch auf die Stadt Flensburg, von der sich die Hausbesitzer allein gelassen fühlen.

Hier, im Flurstück Großadelbylund im Osten der Stadt, ging eine gute Idee gründlich in die Hose. Zwischen Holländerhof und Adelbyer Kirchenweg wollte die Stadt ein kleines schnuckeliges Baugebiet mit kleinen, billigen Einfamilienhäusern entwickeln. Das Angebot stieß bei vielen potenziellen Bauherren auf großes Interesse, die ersten Grundstücke wurden schnell verkauft. Zehn Häuser - ein Cluster, wie es im Fachjargon heißt - sind fertig, im zweiten Cluster entstanden drei Häuser. Dann war Schluss. Keine Gemeinschaftsflächen, keine Außenanlagen, keine Carports. Der Bauträger war pleite.
Familien zogen im Winter in halbfertige Häuser
Ursache der Misere ist das komplizierte Vertragsverhältnis mit drei Partnern: Stadt, Bauträger und Bauherren. Der Rahmenvertrag zwischen Stadt und Bauträger regelt das Gesamtprojekt. Dazu gibt es Werksverträge zwischen dem Bauträger und den einzelnen Bauherren, die die Grundstücke von der Stadt erwarben, durch den Rahmenvertrag aber an den Bauträger gebunden waren. Mittlerweile hat die Stadt den Rahmenvertrag im Einvernehmen mit dem Insolvenzverwalter aufgelöst.

"Es gab wochenlange Bauverzögerungen bei jedem einzelnen Haus", sagen unisono Kay Peters, Ralf Friedrich und Jan Engelhardt. Vor Baubeginn musste Bauschutt, der im Baugrund lagerte, auf Kosten der Bauherren entsorgt werden. Später wurden falsche Fenster eingebaut, es gab und gibt Probleme mit der Entwässerung. "Immer wieder wurden sämtliche Arbeiten aus fadenscheinigen Gründen eingestellt", so Peters. Im feuchten Februar versank die Baustelle im Matsch, Familien zogen in halbfertige Häuser ohne Isolierung, dafür mit Gerüsten. All das wurde in sehr aussagekräftigen Fotos festgehalten: Der Albtraum eines jeden kleinen Häuslebauers wurde hier wahr.

Die Stadt gibt sich zerknirscht. "Wir haben da vielfältige Probleme", sagt ein Mitarbeiter der Kommunalen Immobilen. "Unser Interesse ist es, dass sich der zweite Cluster ordentlich weiter entwickelt", sagte Fachbereichsleiter Peter Schroeders. Will sagen: Sieben weitere Häuser sollen gebaut werden - entweder von einem neuen Bauträger oder von Bauherren in Eigenregie, allerdings nach den formalen Vorgaben des Bebauungsplans. "Wir wollen die Gemeinschaftsanlagen und die Car-Ports erstellen", so Schroeders, "die müssen aus unserer Sicht aber noch bezahlt werden." Das sehen die drei "Küsterlücker" ganz anders: "Wir haben ohnehin schon mehr bezahlt als wir ursprünglich sollten", betonen Peters, Engelhardt und Friedrich.

Mit im Boot ist noch die Kieler Architektin Jepsen, die für den Entwurf der Häuser steht, der grundsätzlich - auch von den Hausbesitzern - für gut befunden wird.

Die "Kleinsthäuser in Großadelbylund", wie das Projekt ursprünglich hieß, sollten auch zu Kleinstpreisen gebaut werden. Da war von der magischen Obergrenze 100 000 Euro die Rede. Tatsächlich soll das günstigste aller Häuser 116 000 Euro gekostet haben. Womöglich hat dieser Preisdruck, den der Bauträger einhalten musste, einen nicht unerheblichen Teil zu der Gesamtmisere beigetragen.

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