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Unruhe am Strandfrieden : Baumsterben in Fahrensodde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Hausbesitzerin ließ geschützte Bäume absägen. Die Stadt leitet Bußgeldverfahren ein. Ein Ferienhaus auf dem Grundstück brannte wenig später ab.

Flensburg | Am Strandfrieden sorgen erneut Baumfällaktionen für Unruhe. Im Sommer machten Teams mit Kettensägen das ehemals städtische Grundstück Strandfrieden 1 (ehemals Jugendaufbauwerk) baumfrei, Ende August fielen erneut jede Menge Bäume, verschwand dichtes Gebüsch aus dem Hang. Die neue Besitzerin eines alten Ferienhauses hatte vom städtischen Grünamt die Erlaubnis erhalten, fünf große Exemplare auf ihrem Hanggrundstück zu fällen. Weil bei der Gelegenheit noch ein paar Bäume mehr als genehmigt umgelegt wurden, läuft jetzt bei der Stadt ein Bußgeldverfahren gegen die Eigentümerin. Auch die Kripo ermittelt – allerdings nicht wegen der Bäume. Wenige Tage nach den Fällungen brannte das Ferienhaus bis auf die Grundmauern ab. Brandursache ungeklärt.

Es war alles legal, jedenfalls fast alles. Nach Angaben der Stadt hatte ein Gutachten ergeben, dass fünf große Schatten spendende Bäume im Hang nicht mehr standsicher waren. Zwei Eschen, zwei Buchen, eine Eiche – mit Stammumfängen zwischen 150 und 250 Zentimetern – waren laut gutachterlicher Aussage unheilbar krank. Faulstellen im Fuß- und Stammbereich, dazu Hebungen im Wurzelbereich machten sie zu Gefahrenbäumen – sagte ein Experte. Der war übrigens von der Grundstückseigentümerin beauftragt worden – ein nach Auskunft der Verwaltung gängiges Verfahren. Die Stadt erteilte daraufhin anstandslos die Fällgenehmigungen.

Was die Verwaltung nicht genehmigt hatte, war das Vorgehen gegen eine nicht näher bekannte Zahl von kleineren Bäumen, die kurzerhand gleich mit abgesägt wurden. Hier, so Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf, griff zwar nicht die Baumschutzsatzung, wohl aber der für das Ferienhausgebiet Strandfrieden geltende B-Plan 35, der für diese Bäume ein Erhaltungsgebot beinhaltet. Aktuell läuft in der Verwaltung ein Bußgeldverfahren, weil die Motorsägen reichlich früh angeschmissen wurden. An einem sonnigen Freitag, Ende August, ging es nämlich schon los. Den ganzen Tag heulten die Sägen. Rechtmäßig hätte aber erst ab 1. Oktober gefällt werden dürfen. Geprüft wird in diesem Zusammenhang weiterhin, ob zusätzlich der Verstoß gegen den B-Plan geahndet werden kann, der die kleineren Bäume unter Schutz gestellt hatte. Viel Gelegenheit, den nunmehr freien Blick auf die Flensburger Förde zu genießen, hatte die Eigentümerin nach der Aktion nicht. Vier Wochen nach Baumfällungen ging der Bau in Flammen auf. Nach Angaben der Polizei wird nach der Brandursache immer noch gesucht. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

Auch auf dem ehemaligen JAW-Grundstück, auf dem nach dem Verkauf an einen Privatmann zwei Privathäuser entstehen sollen, waren Bäume im Weg. Eine große Kastanie, eine stattliche Buche und eine Reihe kleinerer Bäume. Sie konnten überwiegend frei von den Bestimmungen der Baumschutzsatzung gefällt werden, weil die im Hinblick auf neu genehmigte Bauten gelockert worden ist, so Teschendorf auf Anfrage. Eine größere Buche außerhalb des Grundstücks habe fallen müssen, weil sie eine Pumpstation des Technischen Betriebszentrums gefährdet habe.

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erstellt am 09.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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