Christiansenpark in Flensburg : Baumsterben für Hospiz-Neubau?

Bald besser sichtbar: Der freie Blick auf den Pavillon werde durch die Fällungen besser in das Parkensemble eingebunden, meint der Förderkreis.
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Bald besser sichtbar: Der freie Blick auf den Pavillon werde durch die Fällungen besser in das Parkensemble eingebunden, meint der Förderkreis.

Naturschutz und Verschönerungsverein kritisieren Erweiterungspläne der Einrichtung im Christiansenpark

shz.de von
06. März 2018, 08:26 Uhr

Müssen für den geplanten Erweiterungsbau des Katharinen-Hospiz’ am Park im Christiansenpark geschützte Bäume fallen? Das letzte Wort darüber scheint noch nicht gesprochen; Hospiz und Naturverbände sind unterschiedlicher Auffassung.

Nach den Befürchtungen der Gegner des Bauvorhabens sollen 20 bis 25 alte Bäume weichen. Das entspreche aber nicht den Tatsachen, sagt Claudia Toporski, Leiterin und Geschäftsführung der Einrichtung. Vielmehr werde der (eingeschossige und L-förmige) Neubau um die Bäume herum geplant. Dass kranke Kastanien gefällt werden, bedauert sie umso mehr, als dass Kinder der Trauergruppe im Herbst die Kastanien gern sammelten. Die bisherige Planung berücksichtige die Landschaft, resümiert Hospiz-Geschäftsführer Thomas Schwedhelm.

„Eine Förderung für insgesamt zwölf Betten in einem Neubau wurde vom Sozialministerium zugesagt“, heißt es in der Beschlussvorlage von 2017. Die Erweiterung sei nötig, um Lücken in der „Hospiz- und Palliativbetreuung in der Region“ zu schließen.

Im Zuge eines Beteiligungsverfahrens positionierten sich der Verschönerungsverein und die Kreisgruppe des BUND zu den Plänen. „Der BUND lehnt eine Teilüberbauung ab“, schreiben die Umwelt- und Naturschützer. Der Christiansenpark sei zweifelsfrei die wertvollste Grünanlage in Flensburg – wegen ihres Alters, der kulturellen Bedeutung, der Lage, des Altbaumbestandes. Die Autoren berufen sich auf eine Einschätzung des Naturschutzbeirats vor zwei Jahren, der „keinerlei Eignung“ für städtebauliche Planungen attestiert.

Der Beirat für Naturschutz und der Verschönerungsverein argumentieren gegen die Erweiterungspläne in eine Teilfläche des Parks hinein. Seiner Ablehnung stellt der Verschönerungsverein seine „große Hochachtung vor der Leistung“ des Hospiz in der Palliativarbeit voran. Dennoch könne es sich nicht auf eine Sonderstellung berufen – kein Bauvorhaben würde „eine Teilzerstörung des Naturdenkmals Christiansenpark“ rechtfertigen. „Der Gemeinwohl-Charakter wird als Argument für die Teilzerstörung von geschützter Natur missbraucht!“ Der Blick auf die Details lasse zudem erkennen, dass die Argumentation widersprüchlich, unvollständig und das Vorhaben keinesfalls alternativlos sei, fasst Cordelia Feuerhake vom Verschönerungsverein zusammen. Bei Gründung des Hospiz’ sei die Nähe zu den Krankenhäusern wichtig gewesen, vor dem Hintergrund der Klinikplanung am Peelwatt jedoch nicht mehr gegeben. Die vorgesehene Bettenzahl werde mittelfristig auch nicht ausreichen. Der Verein zeigt sich zudem verwundert darüber, wie einfach der hohe Schutzstatus als Naturdenkmal des Parks gekippt wurde.

Das befremdet auch den BUND. Er erkennt keinen Grund, das öffentliche Interesse an der Erweiterung höher zu bewerten, und vermutet sogar Verharmlosung der vorgesehenen Eingriffe. Die „beabsichtigte Beseitigung über 200 Jahre alter Bäume“ sei nicht mal mittelfristig ersetzbar, schreibt die Kreisgruppe und fühlt sich an den Fall des Gintofter Wäldchens erinnert: „Für ein Einzelvorhaben wird ein öffentliches Gut geopfert.“

Jürgen Uwe Maßheimer, Vorsitzender des Beirats für Naturschutz der Stadt, empfiehlt, neue Standorte zu erwägen. „Wir untersuchen, ob es Alternativstandorte gibt“, bestätigt Simone Lange den Untersuchungsauftrag, der im Hintergrund läuft. Die Brisanz würde gesehen, betont die Oberbürgermeisterin. Wenn es nicht woanders sein könne, sollen die Eingriffe so minimal wie möglich gehalten werden.

„Wir wollen an diesem Standort festhalten“, betont Hospiz-Geschäftsführer Thomas Schwedhelm. „Unsere Arbeit gehört mitten in die Gesellschaft hinein und nicht an den Rand.“ Claudia Toporski fügt hinzu, dass man seit 26 Jahren hier vor Ort bestehe und es nicht nur darum gehe, im Grünen zu sein, sondern auch erreichbar, etwa mit Blick auf den ambulanten Bereich und Schul-Projekte. Man wolle „natur- und bürgerverträglich“ vorgehen, stellt Schwedhelm klar, und sei gesprächsbereit. Und er verweist darauf, dass hier ein nicht genutztes, „stiefmütterlich“ behandeltes Stück in Verlängerung des eigenen Grundstücks einer Nutzung zugeführt werde.

Der Förderkreis Christiansenpark unterstütze dies. Durch die Erweiterung werde ein Nebenbau abgerissen, wodurch das ehemalige Landhaus (heutiges Hospiz) besser zur Geltung komme, hofft Hans-Friedrich Kroll. Und auch der Gartenpavillon, der unlängst restauriert, danach mutwillig beschädigt wurde, würde im Zuge der Erweiterung sichtbarer und besser eingebunden.

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