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Alternativlösung für Sporthallen : Baumärkte als Notquartiere?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt sucht „mit Hochdruck“ nach Alternativen, um gesperrte Turnhallen wieder freizugeben. Der Schul- und Vereinssport ist eingeschränkt.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Sie sind optimale Notquartiere für die zahlreichen Flüchtlinge, die in Flensburg stranden und am nächsten Tag weiterreisen. Seit dem 9. September stehen in den Sporthallen der Gemeinschaftsschule West und der Hannah-Arendt-Schule Feldbetten, auf denen täglich mehr als 100 Menschen übernachten. Für den Notfall gesperrt ist auch die Fördehalle. Aber auch wenn es nach einer guten Lösung aussieht, wissen Stadt, Schulen und Sportvereine: So kann es längerfristig nicht bleiben. Denn nicht nur der Schulsport, auch das Sportprogramm ist seit der Sperrung der Hallen eingeschränkt oder findet zum Teil gar nicht statt.

Die Stadt ist schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einer Alternative und arbeitet „mit Hochdruck daran, schnell eine Lösung zu präsentieren“, erklärt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Es gebe bereits ein Objekt, in dem Flüchtlinge untergebracht werden können. Näheres dazu will die Stadt aber erst in den nächsten Tagen sagen.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen die ehemaligen Baumärkte im Gespräch sein. Das Lampen-Bauhaus an der Schleswiger Straße oder das Max-Bahr-Haus an der Bleiche seien demnach für die Unterbringung der Geflohenen geeignet. Aber auch andere große Hallen sollen auf der Liste stehen – wie etwa das alte Transit-Transport-Gebäude. Nicht geeignet wegen ihrer Größe und ihres Zustandes sind dagegen die alte Bahnpost und das alte Hallenbad, heißt es.

Ob die ehemaligen Baumärkte wirklich in Frage kommen, wollte Stadtsprecher Clemens Teschendorf weder bestätigen noch dementieren. Das Ziel der Stadt sei es erstmal, bis zum Ende der Herbstferien einen Lösungsvorschlag anzubieten, damit die Sporthallen ab dem 2. November von Schulen und Vereinen wieder normal genutzt werden können.

Dass der Betrieb bald wieder normal läuft, hoffen auch die Sportvereine, die ihr Programm seit dem 9. September teilweise stark umdisponieren mussten. Petra Obermark, Stützpunkt-Trainerin Synchronschwimmen beim TSB Flensburg, erzählt, dass der Verein durch die Hallensperrungen Probleme bekommen hat. Das wirke sich dadurch aus, dass einige Sportgruppen zusammengelegt wurden und sich nun den Platz in einer Halle teilen müssen. Das sei aufgrund der Altersunterschiede aber nicht immer einfach. Zurzeit finden die Sportangebote in der Petrischule, der Paulus-Paulsen-Schule sowie der SBV-Halle statt. Die Mitglieder haben Obermark zufolge nach einigen Wochen nun kein Verständnis mehr für die Situation – auch wenn der Verein daran appelliert, an die Flüchtlinge zu denken. „Wir haben einige Kündigungen erhalten und die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle sind beschimpft worden“, sagt sie. Problematisch sei nicht nur, dass Sportangebote verlegt werden oder ausfallen. Die Kosten für Miete oder Sportlehrer bleiben bestehen. Das gleiche gelte für die Mitgliedsbeiträge, die bezahlt werden, obwohl die Leute keinen Sport treiben können. „Der Schuh drückt“, fasst Obermark die Situation zusammen. Von der Stadt habe man keine Rückmeldung bekommen, wie lange das noch weitergeht.

Beim Polizei-Sportverein (PSV) ist die Lage entspannter. Auch dort müssen Gruppen zusammengelegt werden, die Sportler kommen in kleinere Hallen und sind weniger flexibel, was die Trainingszeiten betrifft. So wird etwa Floorball da gespielt, wo sonst die Fußballer durch die Halle rennen. Die Fußballer bleiben dann etwas länger draußen, „solange das Wetter noch mitspielt“, sagt Jaan Süchting, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Kündigungen und Beschwerden wie beim TSB habe es beim PSV nicht gegeben. Dort seien alle auf der Seite der Geflohenen und wollen ihnen helfen, wo es geht. „Wir haben sogar einmal den Platz ,freigegeben‘, als dieser für Flüchtlinge gebraucht wurde“, erzählt Süchting.

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