Flensburger Geschichte : Bauen auf schwierigem Gelände

Außen vor statt mittendrin:Im 19. Jahrhundert lag das Gebäude am Munketoft 3 (Schiffsingenieurschule, heute Uni) noch am Stadtrand — direkt neben dem Großen Mühlenteich.
Außen vor statt mittendrin:Im 19. Jahrhundert lag das Gebäude am Munketoft 3 (Schiffsingenieurschule, heute Uni) noch am Stadtrand — direkt neben dem Großen Mühlenteich.

Auf den alten Mühlenteichflächen: Neubaupläne für das Gebiet zwischen Post und Bahnhof werden vorgestellt

shz.de von
24. Januar 2018, 10:39 Uhr

Sind die Pläne für Neubauten am Hang zur Schleswiger Straße realistisch oder drohen sie unter einem Erdrutsch begraben zu werden, wie es die Besitzer der Villen oben am Hang befürchten? Am Dienstag, 30. Januar, werden die Pläne während einer öffentlichen Bürgerinformation vorgestellt (siehe Info-Text).

Im Vorfeld der Planung war die Befürchtung laut geworden, das Parkhaus werde in den Hang eingegraben, die Arbeiten könnten einen Hangrutsch auslösen und damit die Villen oben an der Schleswiger Straße gefährden (wir berichteten).

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass das Gelände zwischen Bahnhof und Munketoft, von der Schleswiger Straße bis zum östlichen Hang unterhalb des Campus – einst die Fläche des großen Mühlenteiches – immer hochproblematisch war.

Unter Fachleuten gibt es zwei Überlegungen, wie der Mühlenteich, der einst bis zum Kloster zum Heiligen Geist reichte, entstanden ist. So gibt es eine Überlegung, das Eis der Gletschermassen habe das Tal der Förde ausgehobelt – bis zur Backensmühle. Der zweite Gedanke: Die gigantischen Wassermassen der abschmelzenden Gletschermassen spülten ein gewaltiges Loch in den Boden – den Mühlenteich. Die Beschreibung, die Christian Voigt in seinem Werk „Flensburg ein Heimatbuch“ gibt, vermittelt einen Eindruck von der Kompliziertheit des Sees: Der Boden des Mühlenteiches mit seinen Schlammablagerungen soll neun Meter unter dem Wasserstand der Förde gelegen haben. Die Ablagerungen hatten Sandwich-Charakter: Ganz unten Kies, darüber drei Meter Kalkablagerungen, darüber Ton mit Muscheln, Sand, wieder eine Kalkschicht und schließlich eine große Lage Torf.

Gespeist wurde der See von etlichen Quellen der Umgebung. So zeigt ein altes Foto einen Ausflügler, der östlich des Bahnhofsgebäudes neben dem armdicken Wasserstrahl einer sprudelnden Quelle posiert. In einem Seitenflügel des Bahnhofsgebäudes fließt durch ein extra im Fundament angelegtes Kanalrohr ununterbrochen Wasser von der Backensmühle in Richtung alte Güterabfertigung und damit zur Förde.

Eine Engstelle zwischen den Ufern gab die Möglichkeit vor, die Altstadt (Nikolai) und das Johannisviertel miteinander zu verbinden: der Weg „Munketoft“ entstand und zerteilte den See in Großen und Kleinen Mühlenteich (Bereich Deutsches Haus).

Als der Bahnhof in der Innenstadt keinen Platz mehr für eine Erweiterung fand, kamen die Bahn und die Stadt auf die Idee, die Wasserflächen zu opfern. Unterhalb der Backensmühle sollte der neue Bahnhof liegen, und die Stadt hatte offenbar die Hoffnung, wie in anderen Städten würde ein pulsierendes Bahnhofsviertel entstehen. Doch mit der Verwirklichung der Pläne lernten die Experten die Tücke der Teiche kennen.

Das Zuschütten drohte eine echte Herausforderung zu werden. Monatelang wurden Massen von Kies – rund 2,6 Millionen Kubikmeter – ins Wasser geschüttet. Der matschige Untergrund erwies sich als ein schwieriger Gegner. Unter der Last der Sandmassen brach der Grund und der Boden des Mühlenteiches erhob sich als dunkle, morastige und stinkende Masse über die Wasseroberfläche. Wenn die Erde in Schollen abriss und unterging, versank auch schon mal eine Feldbahn.

Als die Teiche zugeschüttet waren, bot die Fläche keine Standfestigkeit. Für den neuen Bahnhof mussten 1600 Eisenbetonpfähle in den Untergrund gerammt werden, für das Deutsche Haus 650 Pfähle aus Eiche. Kritisch ist das Gelände bis heute: Das zeigte sich bei der Erweiterung des Klosters, beim Neubau an der Ecke Munketoft/Bahnhofstraße und beim Neigen des Feuerwehr-Schlauchturms, der abgerissen werden musste.

Planung im Bereich Hauptpost / Bahnhofstrasse Bürgerversammlung 

 Die Stadt Flensburg lädt zur öffentlichen Bürgerinformation am Dienstag, 30. Januar, um 18 Uhr im Technischen Rathaus, Schützenkuhle 26, im Paul-Ziegler-Zimmer ein. Das Grundstück der Hauptpost wird derzeit von der Post einschließlich dazugehöriger Dienstleistungseinrichtungen und einer größeren Abstellfläche für Dienstfahrzeuge genutzt. Es bestehen Entwicklungsabsichten eines Vorhabenträgers zur Realisierung von Gewerbe- oder Wohnnutzungen mit kleinteiligem Einzelhandel und einem Hotel mit einer öffentlich zugänglichen Parkpalette. Die Fläche wird derzeit im Landschafts- wie auch im Flächennutzungsplan als Gemeinbedarfsfläche, die hinteren Teilbereiche im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche dargestellt. Aufgrund des Baumbestandes im angrenzenden Hang zur Schleswiger Straße ist zur Umsetzung dieses Vorhabens ein Bebauungsplan  erforderlich. Vorgestellt und diskutiert werden sollen die allgemeinen Ziele und Zwecke sowie die voraussichtlichen Auswirkungen der Planung und sich wesentlich unterscheidende Lösungen. Allen Anwesenden wird Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung gegeben. Die Leitung der Bürgerversammlung erfolgt durch Frank Hamann vom Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung. Der Eingang (barrierefrei) erfolgt vom Hof aus, in dem einige Parkplätze zur Verfügung stehen. Die Pläne können bereits ab 17.45 Uhr eingesehen werden.

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