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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 00:34 Uhr

Altstadt : Bauen auf engstem Raum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Hinterhof des früheren „Roxy“ an der Norderstraße werden 17 Wohnungen über vier Ebenen zum 1. Oktober bezogen

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 10:05 Uhr

Es ist kein riesiges, auch kein spektakuläres Bauvorhaben. Aber eines, das auf seine besondere Art beispielhaft für Flensburg ist. Das Grundstück Norderstraße 45 ist im kollektiven Gedächtnis der Generation 35 plus fest und dauerhaft als Roxy Music Hall oder kurz Roxy verortet. Die Älteren aus dieser Generation kennen es auch noch als Kino, die Jüngeren nur als Disco. Wer den Mainstream meiden wollte, ging ins Roxy. Bis die Anlieger und Stadt die Nase voll hatten und den Stecker zogen.

Das ist lange her. Danach stand das Roxy lange leer und verfiel; zum Glück baute der letzte Pächter ein Nachfolge-Roxy im Gewerbegebiet Süd. Dann wurde das Original platt gemacht, auch das ist mittlerweile lange her. Unklarheiten mit den Besitzverhältnissen verhinderten eine frühere Bebauung, so dass es erst im Frühjahr 2013 losgehen konnte. Architekt Axel Waltje (Asmussen & Partner) entwarf einen zweiteiligen Neubaukomplex im hinten Bereich des Grundstücks, Bauherr ist das Unternehmen Höft.

Das uralte Fachwerkhaus Norderstraße 43, das zunächst abgerissen werden sollte, wird jetzt doch saniert; es soll künftig vorn gewerblich und hinten für Wohnen genutzt werden, sagte Höft.

Besonders wird dieses Bauvorhaben durch seine Lage am dicht bewachsenen Hang. Bauen auf engstem Raum in schwer zugänglichem Gelände war hier angesagt. Das hier den westlichen Fördehang hinab rauschende Grundwasser stellte die Tiefbauer vor enorme Herausforderungen. Keineswegs durfte es einfach gestoppt und umgeleitet werden, weil es Teil des Untergrunds der Bebauung weiter unten in Richtung Förde ist.

Die Bebauung versteckter kleiner Grundstücke in der Innenstadt, ja sogar der Altstadt gehört zum Flensburger Plan der Nachverdichtung. Statt immer nur die grüne Wiese am Stadtrand zu bebauen, wollen Stadtplaner und Politiker vermehrt freie Flächen in der inneren Stadt nutzen. Die 17 Wohnungen am Hang sind ruhig, hell und haben nach Westen hin auch viel Grün. Jede Wohnung hat Balkon oder Terrasse, die größte erstreckt sich sogar über zwei Ebenen. Bei einer Begehung mit Vertretern aus dem Rathaus zeigten sich die Politiker fast schon begeistert über den hohen Anteil an Sozialwohnungen: 13 der 17 sind öffentlich gefördert. Hier ist die Miete bei 5,10 Euro pro Quadratmeter gedeckelt, die frei finanzierten kosten 8,50 Euro. Dazu kommen jeweils 2,50 Euro an Nebenkosten. Die Wohnungen seien in kürzester Zeit vermietet gewesen, sagte Hanna Höft.

„Der Bau von Sozialwohnungen ist wegen des Zinsniveaus extrem schwierig geworden“, sagte Hermann Höft zu den Politikern. Es funktioniere nur durch eine Mischkalkulation. „Und es gehört auch etwas Idealismus dazu.“ Höft, der sich auch die Sanierung und den Umbau des schwierigen Kaysershof-Komplexes ans Bein gebunden hat, betonte aber auch, dass Flensburg unbedingt neue Einfamilienhaus-Gebiete brauche. „Die Gartenstadt Weiche ist fast voll, Tarup-Südost ist viel zu wenig.“ Biete man diese Form des Wohnens nicht an, würden die Menschen in Nachbargemeinden abwandern.

Frank Rolfes, Wohnungsbau-Koordinator im Rathaus, bestätigte das größtenteils. „Es gibt einen gewissen Engpass.“ Auch die finanziellen Ressourcen der Stadt würden eine schnellere Erschließung größerer Gebiete verhindern. „Doch in der letzten Wahlperiode gab es auch erheblichen politischen Widerstand gegen Einfamilienhäuser“, erinnerte Rolfes.

 

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