Bau-Chaos: Der große Frust am Ochsenmarkt

Noch ist nicht viel davon zu erkennen, aber Ende Februar soll die Neugestaltung des Ochsenmarkts abgeschlossen sein. Foto: Dommasch
Noch ist nicht viel davon zu erkennen, aber Ende Februar soll die Neugestaltung des Ochsenmarkts abgeschlossen sein. Foto: Dommasch

Eine Baustelle für die Ewigkeit? Noch immer sind Kunden und Unternehmer am Einkaufszentrum Ochsenmarkt sauer - auf die Stadt und die hier tätige Baufirma. Der Zeitplan für die Sanierung ist längst aus den Fugen geraten. Das Chaos regiert.

shz.de von
12. Februar 2009, 06:30 Uhr

Flensburg | "Ich spiel hier bald verrückt." Horst Kolb vom gleichnamigen Fruchthaus ist außer Rand und Band. Nicht genug, dass er seit einem halben Jahr eine Baustelle vor der Tür hat, deren hervorragendstes Merkmal der Stillstand sei. "Am Freitag haben die mir ein Loch direkt vor den Eingang gebuddelt. Einfach so."

Gedacht war dies als vorbereitende Maßnahme zur Verlegung eines Stromkabels. Doch die Stadtwerke rückten erst gestern an. Die Abstimmung - sie lässt zu wünschen übrig. Und die Konsequenz? Kolb nimmt drastische Worte in den Mund: "Wir werden hier systematisch ruiniert." Auch Schlachtermeister Klaus-Peter Thordsen schimpft wie ein Rohrspatz: "Hier ein Loch - da ein Loch. Es wird immer schlimmer." Ein Blick auf die Baustelle offenbart das Dilemma: Das Nahversorgungszentrum gleicht einem Hindernis-Parcours. Und die Kunden bleiben weg. Thordsen macht an manchen Tagen nur die Hälfte des üblichen Umsatzes. Sein Minus auf den Einnahmenseite liegt im sechsstelligen Bereich.

Die Zukunft stellt sich nicht rosiger dar als die Gegenwart. Thordsen sieht sein Fachgeschäft zwischen der Fleischertheke des Sky-Marktes am Ende der Friesischen Straße und dem Frischfleisch-Sortiment des Netto-Marktes, der an der Mathildenstraße neu entsteht, förmlich untergehen. Die Felle schwimmen dem Schlachter davon. "Wettbewerbsverzerrung", so sein Vorwurf. "Die Stadt hat ihre Versprechen nicht eingehalten." In der Tat war es erklärtes Ziel, das Einkaufszentrum Ochsenmarkt vor der Eröffnung der Discounterzeile auf dem DAA-Gelände fertig zu stellen.

Die Stadt zieht sich auf den Standpunkt zurück, dass es einen von ihr unverschuldeten Beginn der Arbeiten gegeben habe. Nach der Umschaltung der Fernwärme und Verlegung eines Umspannkabels soll, so heißt es aus dem Technischen Betriebzentrum, die Maßnahme spätestens Ende des Monats abgeschlossen sein. Zu den Klagen von Klaus-Peter Thordsen sagt ein Sprecher: "In den Verträgen hat es keine Regelungen zum Sortiment umliegender Geschäfte, wie Sky, Plus oder Netto gegeben."

Die Geschäftsleute sind sich in ihrer Einschätzung einig, dass die im März 2008 gestartete Initiative einem Bauunternehmen übertragen wurde, das sich von Anfang an nicht an den vorgegebenen Zeitplan gehalten hat. Die Tiefbaufirma Davids aus Medelby dementiert dies. "Wir haben viel Pech mit dem Wetter gehabt", sagt Bauleiter Dirk Hillebrenner. Außerdem gelte es zu bedenken, "dass es bei den Arbeiten viele kleine Zahnräder gibt, die ineinander greifen müssen". Man sei im Übrigen bemüht gewesen, möglichst viel Parkraum schnell zur Verfügung zu stellen. "Und arbeiten unter Verkehr ist unheimlich schwierig."

Kritik geht auch an die Stadtwerke, die einmal mehr Baugruben ausgehoben und Sandhügel aufgeworfen hätten. Und durch den endlich erfolgten Anschluss der neuen Fernwärmerohre an das große Netz könne die Ampel an der Marienallee von Fußgängern und Schülern kaum noch bedient werden. Dieser Zustand sei für Kunden und Anwohner eine Zumutung. Eine Kundin: "Wir werden hier doch von den Verantwortlichen diskriminiert!"


Einkaufszentrum mit hoher Akzeptanz
Das Einkaufs- und Dienstleistungszentrum am Ochsenmarkt findet bei den Bewohnern der Westlichen Höhe hohe Akzeptanz. Die kleinteiligen Gebäude bieten Unternehmern die Ansiedlung von Geschäften, die den Kunden ein überschaubares Warenangebot präsentieren. Die fast nachbarschaftliche Verbindung zwischen Unternehmen und Kunden hat Zuwendung und Vertrauen aufgebaut. Der Stadtteil Westliche Höhe hat 8000 Einwohner. Über 40 Prozent der Menschen sind über 50 Jahre alt.

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