Mittelangeln : Bau-Boom und Nachwuchs-Mangel

Setzt auf Vernetzung und macht sich für die Interessen seiner Branche stark: Obermeister Hans-Henning Hansen.
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Setzt auf Vernetzung und macht sich für die Interessen seiner Branche stark: Obermeister Hans-Henning Hansen.

Poliere, Techniker und Ingenieure gesucht : Der Obermeister der Bau-Innung wirbt für sichere Arbeitsplätze mit Zukunft.

shz.de von
19. Januar 2018, 13:51 Uhr

Die Konjunktur läuft. Auch im Norden hat das Baugewerbe zurzeit so gut zu tun, dass nicht mehr alle Aufträge angenommen werden können. Herrscht da jetzt Sektlaune? „Keineswegs“, warnt Hans-Henning Hansen, Obermeister der Bau-Innung aus Mittelangeln, mit Blick auf die kommenden Jahre. Der Fachkräftemangel werde sich weiter verschärfen, die Deckungsbeiträge im Baugewerbe seien weiterhin dünn und ließen kaum Spielraum zur Bildung von Rücklagen. Die Situation bei den Azubis sei nicht nur schwierig wegen der geringen Zahl an Bewerbungen, viele Jugendliche hätten auch deutliche Bildungsdefizite.

Aussagen von Hans-Henning Hansen haben Gewicht. Er sei mit Mörtel groß geworden, erklärt er mit einem Lächeln. Großvater Henning Molzen hat 1932 das Bauunternehmen in Satrup aufgebaut. Schwiegersohn Heinrich Hansen übergab 1996 den Betrieb an Hans-Henning Hansen.

Der hat eine fundierte Ausbildung hinter sich. Bei Clausen in Steinbergkirche hat er Zimmermann gelernt, danach die Fachhochschule in Eckernförde besucht und auf der Bauschule Architektur studiert. Eine Schule, die vor zehn Jahren in Eckernförde geschlossen wurde. „Ein schwerer politischer Fehler“, kritisiert Hansen, denn die Architekturstudenten und Bau-Ingenieure seien ganz schwer in den Norden zu bekommen. Der wirtschaftliche Sog aus dem südlichen Ballungsraum lasse den im Norden angesiedelten Betrieben und Behörden kaum Chancen.

Kontinuierlich hat Hans-Henning Hansen den Familienbetrieb weiter entwickelt, hat sich nicht spezialisiert, sondern bietet ein breites Angebot vom Tiefbau über Betonbau bis zur Schlosserei und Bio-Tischlerei. Auch Reparaturarbeiten werden ausgeführt.

Vor 15 Jahren hat Hansen die Aufgabe des Obermeister der Bau-Innung übernommen und repräsentiert damit etwa 100 Betriebe in der Stadt Flensburg und dem Bereich des ehemaligen Kreises Flensburg-Land. Das Umsatzvolumen beträgt etwa 250 Millionen Euro, mit etwa 1000 Mitarbeitern. Das Baugewerbe ist eine starke wirtschaftliche Kraft in der Region. „Diese Kraft muss erhalten bleiben“, fordert Hansen. Eine wichtige Baustelle ist der Fachkräftemangel. Es fehlen Poliere, Techniker und Ingenieure. „Wir tun sehr viel für die Nachwuchsgewinnung“, unterstreicht der Obermeister. Neben der guten Vergütung und hohen sozialen Leistungen ist jedem Azubi nach bestandener Prüfung ein Arbeitsplatz so gut wie sicher.

Wenn andere von überschäumender Baukonjunktur sprechen, äußert sich der Obermeister verhalten. Viele private Bauherrn sind vorsichtig, weil die Konjunktur die Preise hat steigen lassen. „Außenstehende meinen, die Baufirmen machen jetzt richtig fette Gewinne“, sagt Hansen. Doch auch die Kosten steigen: Das Material, die betriebliche Ausstattung und die Personalkosten drücken die Margen der Unternehmer. „Wenn eine Delle kommt, müssen wir uns warm anziehen“, prognostiziert er und fordert, die Altbaurenovierung stärker zu fördern.

Massiv wird die Bürokratie gerügt. Die Flensburger Stadtverwaltung wird von den Bauunternehmen heftig kritisiert. Lange Bearbeitungsdauer, wenig Personal und Auflagen hemmen die Bautätigkeit. Dass es anders geht, macht Hansen am Bauamt in Schleswig deutlich. „Will der Staat eine gut funktionierende Wirtschaft, muss Bürokratie abgebaut werden.“

Aber auch die eigene Zunft nimmt Hansen in die Pflicht: So müsse man in Zukunft viel vernetzter vorgehen, ein Gesamt-Leistungsbild anbieten, was zu einer Konzentration und zu Zusammenschlüssen von er Gewerken führen werde.

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