Stadtentwicklung Flensburg : Bau-Boom: Stadt drückt aufs Tempo

Hier sind schon mal 120 neue Wohnungen: Das Bauprojekt „Auf der Canceley“ des Arbeiter-Bauvereins an der Kanzleistraße.
Hier sind schon mal 120 neue Wohnungen: Das Bauprojekt „Auf der Canceley“ des Arbeiter-Bauvereins an der Kanzleistraße.

Bis Anfang der 2020er-Jahre sollen 5000 zusätzliche Wohnungen in Flensburg entstehen, am liebsten citynah und in Baulücken.

shz.de von
18. Juni 2015, 08:00 Uhr

Mit den örtlichen Baugenossenschaften, lokalen Investoren, aber auch den vielen kleinen privaten Häuslebauern und Modernisierern soll der Wohnungsbau in der wachsenden Stadt Flensburg künftig deutlich mehr Fahrt aufnehmen. Eine erste Erfolgsmeldung konnten Oberbürgermeister Simon Faber und seine Planer aus dem Rathaus gestern schon verkünden: „Wir haben von 2012 bis 2014 in der Stadt 945 neue Wohnungen realisiert“, erklärte Frank Rolfes, der im Rathaus den Schwerpunkt „Urbanes Wohnen“ verantwortet. Er soll also dabei helfen, dass die Stadt künftig nicht mehr so sehr an ihren Rändern mit Neubaugebieten wächst, sondern vielmehr in den Alt- und Innenstadtvierteln, wo die Stadt auch Baulücken schließen und so manchen in die Jahre gekommenen Altbau wach küssen oder umbauen will. „Mit Nachverdichtung lassen sich erhebliche Wohnraumvolumina schaffen“, hofft der Oberbürgermeister. Und sein Chefplaner Peter Schroeders präzisierte: „Wir wollen den Zuzug bedienen, aber auch Themen des demografischen Wandels wie die Stadt der kurzen Wege und die Barrierefreiheit.“

Dabei hofft die Stadt, das Tempo ab diesem Jahr glatt verdoppeln zu können. Zwischen 2015 und 2017 hat sich die Stadt 2000 zusätzliche Wohnungen vorgenommen, zwischen 2018 und 2022 noch einmal 1900. So dass Flensburg den erwarteten Zuzug bis Anfang der 2020er Jahre mit rund 5000 neuen Wohnungen befriedigt haben will (gerechnet seit 2012/2013).

Ein Beispiel: An der Kanzleistraße stellt der Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB) gerade sein größtes Bauprojekt seit den 70er Jahren fertig, vier Häuser mit 120 hochwertigen Wohnungen, das dritte ist bezugsfertig, das vierte kurz davor – und ein fünftes Haus folgt. Dazu sollen 84 öffentlich geförderte Studentenwohnungen am unteren Sandberg kommen, die ab 2016 gebaut werden sollen. So befördert allein der FAB Flensburg den Bau-Boom der kommenden Jahre mit rund 240 Wohnungen. Oder der SBV: Allein in Fruerlund, Flensburgs größter Baustelle der vergangenen Jahre, seien rund 300 Wohnungen modernisiert worden und 200 neu entstanden – und mit 78 Studenten-Appartements am Munketoft hat die Genossenschaft auch den ersten Schritt für das neue Bahnhofsviertel gemacht. Um 600 Wohnungen könnte das Gebiet zwischen Hauptbahnhof, Munketoft und Helenenallee einmal wachsen. Oder in Mürwik: Allein an der Fördestraße sind mit Alter Gärtnerei, „Hansigarten“ an der Mündung Solitüder Straße und den Stadthäusern am Plack rund 350 neuen Wohnungen in Bau oder in Planung. Der Planungsausschussvorsitzende Axel Kohrt machte klar, dass diese sogenannte Nachverdichtung in den Stadtteilen selten konfliktfrei möglich sei: „Es ist immer eine Veränderung für Menschen, die da wohnen.“ Dennoch lautet das Ziel der Stadtplaner: Ohne großen Flächenverbrauch 5000 neue Wohnungen bis Anfang/Mitte der 20er Jahre bauen. In Weiche gibt es zum Beispiel nach Abschluss des Gartenstadt-Projekts noch Möglichkeiten für Wohnungsbauentwicklung „An der Friedenskirche“ und der „Langen Reihe“. In der Neustadt gebe es rund um Walzenmühle und Meiereistraße noch „sehr große Potenzialflächen“, berichtete Landschaftsplanerin Claudia Takla-Zehrfeld.

Bereits am Dienstagabend hatte der Hauptausschuss noch einmal beraten, ob und zu welchen Konditionen die Stadt ein Wohnungsbau-Kontingent an das Umland abgeben soll. Auf 300 Wohnungen einigten sich die Politiker. Diese würden zwar nicht kostenlos abgegeben. Der Tausch setze einen regionalen Interessenausgleich voraus, sagten Faber und Schröders. Details wollten sie nicht nennen.

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