Flensburger Hafen : Barkasse „Solitüde“ wie aus dem Ei gepellt

Vorher: Die Barkasse dümpelte jahrelang in einem erbärmlichen Zustand im Flensburger Hafen.
Vorher: Die Barkasse dümpelte jahrelang in einem erbärmlichen Zustand im Flensburger Hafen.

Verein zur Erhaltung des Schiffes freut sich über die gelungene Restaurierung.

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04. Juli 2018, 06:15 Uhr

Flensburg | Rudolf Green ist glücklich. Der Vorsitzende des Vereins zum Erhalt der Solitüde blickt mit Stolz auf ein Schiff, das aussieht, als wäre es soeben einem Ausstellungsraum entstiegen. Es wirkt wie neu.

Die 1943 in Hamburg-Neuenfelde gebaute Barkasse hat schlechte Tage gesehen. Unmittelbar nach Ankunft in Flensburg vor 70 Jahren wurde sie auf ihren immer noch aktuellen Namen getauft und diente fortan als Arbeitsschiff zur Hafenunterhaltung: zur Beförderung von Material und Arbeitern, zum Verschieben von Pontons oder als Schlepper.

2006 musste das Schiff nach einem Getriebeschaden aus dem gewerbsmäßigen Betrieb genommen werden – kümmerlich lag es mehrere Jahre auf der Pier an Land. Der damalige Geschäftsführer Frank Bartik entschloss sich mit Unterstützung des Ex-Stadtwerke-Chefs Matthias Wolfskeil, den maritimen Schatz, der für sie zum Stadtbild Flensburgs gehörte, vor der Verschrottung zu bewahren. Der Verein zur Bewahrung der „Solitüde“ wurde gegründet.

Es ging dabei nicht nur um eine Restaurierung, sondern auch darum, laufenden Kosten wie Versicherung, Liegekosten, Kraftstoff und Wartungsarbeiten zu decken. Neue Auflagen des Schifffahrtamtes waren zu erfüllen. „Die Unterhaltung ist sehr teuer“, sagt Green. Firmen wie das Audi-Zentrum Flensburg (AZF), Orion oder der Flensburger Yacht-Service griffen den 17 Mitgliedern des Vereins, die selbst viel in Eigenleistung vollbrachten, unter die Arme.

Jetzt hat die „Solitüde“ mehrere Wochen in der Werft gelegen und nicht nur eine neue Außenhaut bekommen. Der Rammschutz musste ausgebaut, entrostet, poliert und lackiert werden, das Oberdeck wurde darüber hinaus saniert. Die Nospa hat die Arbeiten mit 5000 Euro etwa zur Hälfte unterstützt. Das Geld stammt aus den Zweckerträgen des Lossparens. Regionaldirektor Thomas Wiese: „Dadurch kann jeder Einzelne von uns dazu beitragen, unsere Region noch lebenswerter zu gestalten. Von fünf Euro monatlich werden vier gespart, ein Euro geht in die Lotterie.“

Das neue Schmuckstück kann im Historischen Hafen gleich neben der Viking bewundert werden. Es soll bei Hafenfesten und bei Ausfahrten als Werbeträger des Flensburger Hafens eingesetzt werden. „Wir hoffen“, sagt Rudolf Green, „dass unsere Solitüde jetzt fit ist für das nächste Jahrzehnt.“

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