Grosssolt/Oeversee : Banken schließen SB-Terminals

Großsolts Bürgermeister Sönke Wollesen (l.) und Gemeindevertreter Allan Logen vor dem Eingang des Markttreffs mit der SB-Filiale der Banken.
Großsolts Bürgermeister Sönke Wollesen (l.) und Gemeindevertreter Allan Logen vor dem Eingang des Markttreffs mit der SB-Filiale der Banken.

Die Automaten der Nospa und der VR-Bank in Großsolt und Oeversee werden abgeschafft.

shz.de von
29. Juni 2018, 12:15 Uhr

Großsolt | „Der ländliche Raum blutet weiter aus, unsere Banken lassen unsere Dörfer im Stich!“ Jens Johannsen, Großsolter Gemeindevertreter, ist empört. Im Eingangsbereich des Markttreffs stehen drei Automaten, die Geldauszahlung, Überweisungen und andere Bank-Dienstleistungen bieten. Die VR-Bank Flensburg-Schleswig hatte 2017 angekündigt, ihre gemeinsam mit der Nord-Ostsee Sparkasse aufgestellten Terminals über die Schließung des Lebensmittelladens im Markttreff hinaus bis zum Ende dieses Monats zu betreiben. Sie stellte sogar eine Erhaltung des Standortes in Aussicht, wenn der Laden wieder geöffnet werden sollte. „Weil wir Pächter gefunden haben, traten wir an die VR-Bank mit der Bitte heran, uns weiterhin zu versorgen.“ Diese schickte nun aber eine schriftliche Absage.

Auf Drängen der Gemeinde gab es ein Gespräch mit den verantwortlichen Bankmitarbeitern in Satrup. Politiker wurden um Unterstützung gebeten, sie fragten nach. Es nützte nichts. Die Großsolter Filiale schließt heute. Dies teilt ein kürzlich aufgehängtes Schild den Kunden mit.

Auch im benachbarten Oeversee installierten Nospa und VR-Bank nach dem Abzug ihres Personals Selbstbedienungsgeräte. Erst Mitte Juni kam das Gerücht auf, dass diese zum Monatsende abgeschaltet werden. Horst Rudolph von der Amtsverwaltung Oeversee erhielt keine verbindliche Aussage. Es fehle noch ein Gremienbeschluss, hieß es bei den Banken. Dieser liegt inzwischen vor. Damit endet auch in Oeversee die Bankversorgung. „Der Umgang der beiden Banken mit uns als Gemeinde und als Kunden ist nicht fair“, sagt Oeversees Bürgermeister Ralf Bölck.

„Die Nutzung der Geräte war kontinuierlich rückläufig. Ein Erhalt der Standorte war aus diesem Grund leider betriebswirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, äußerten Nospa und VR-Bank in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung. Sie verweisen bezüglich des Bargeldes auf „Geräte in erreichbarer Nähe“ in Tarp, Jarplund, Wanderup und Satrup. „Die Kurzfristigkeit der Information über die Schließung der Standorte stellt eine Ausnahme dar und ließ sich aufgrund interner Abstimmungsprozesse leider nicht vermeiden“, heißt es in der Erklärung weiter.

Auch wenn die endgültige Entscheidung erst vor wenigen Tagen fiel, so wurde sie doch von den Geldhäusern über einen längeren Zeitraum vorbereitet. Insofern hätten die Menschen vor Ort früher informiert werden können, meint der Großsolter Gemeindevertreter Allan Loges. Wichtiger noch ist ihm aber der folgende Punkt: „Wir investieren eigene und öffentliche Mittel, um den ländlichen Raum für Jung und Alt lebenswert zu gestalten. Und dann nehmen uns die Banken einen zentralen dörflichen Anlaufpunkt weg. Mit dem Aus von zwei SB-Filialen lösen sie doch nicht ihre wirtschaftlichen Probleme.“

Die Stimmung in Großsolt gegenüber den Geldinstituten ist momentan nicht gut. „Sind unsere Banken trotz ihrer Herkunft und unserer genossenschaftlichen Teilhabe nicht mehr an uns interessiert?“ , fragt ein Kunde. Ein Großsolter kündigte sofort seine Genossenschaftsanteile bei der VR-Bank. Den Wechsel zu einer Internet-Direktbank erwägen jetzt Bürger, die ihrem Geldinstitut ihr Leben lang treu waren. Andere sind noch ratlos, wie sie zukünftig ihre Bankgeschäfte erledigen sollen.

In Oeversee ruhen die Hoffnungen auf einer Bargeldauszahlung beim Einkauf im benachbarten Geschäft. Sicher ist, dass der Weg für Oeverseer und Großsolter zum Bezahlen einer Rechnung deutlich länger wird.

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