SG Flensburg-Handewitt : Bangen um Erfolgscoach: Macht Vranjes weiter?

Der millionenschwere französische Spitzenclub Paris St. Germain will den Trainer des Champions-League-Siegers verpflichten. Sein Vertrag in Flensburg läuft noch bis 2017.

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03. Juni 2014, 07:08 Uhr

Flensburg | Fällt in den Freudenbecher etwa noch ein großer Wermutstropfen? Der Architekt des größten Erfolges der Vereinsgeschichte der SG Flensburg-Handewitt schließt einen Abschied aus der Fördestadt nicht gänzlich aus. Trainer Ljubomir Vranjes wird seit längerem von etlichen Vereinen umworben, doch stets erteilte der Schwede Absagen. Nun liegt ihm aber ein ernsthaftes und vermutlich sehr lukratives Angebot von Paris St. Germain vor. Der 40 Jahre alte Schwede bestätigte im Interview mit unserer Zeitung, dass der mit Millionen aus Katar finanzierte Top-Club Paris St. Germain ihn gern als Nachfolger von Philippe Gardent verpflichten würde. Sportlich wäre das eine außerordentlich reizvolle Aufgabe. Ein Trainer in Paris kann aus dem Vollen schöpfen und alle denkbaren Ziele ansteuern, angesichts eines Kaders, in dem Juwelen wie Mikkel Hansen, Igor Vori, Luc Abalo, Daniel Narcisse Thierry Omeyer und Willian Accambray funkeln.

Wie er auf diese Verlockung reagieren wird, ließ Vranjes gestern offen: „Das liegt nicht in meinen Händen.“ Sein Vertrag war 2012 weitsichtig um fünf Jahre bis 2017 verlängert worden. Die SG Flensburg-Handewitt will den Erfolgstrainer, der im November 2010 nach der Entlassung von Per Carlen die sportliche Verantwortung übernahm, auf keinen Fall ziehen lassen. „Wir werden alles tun, um ihn davon zu überzeugen, dass er seinen Vertrag in Flensburg erfüllt“, sagte der Beiratsvorsitzende Boy Meesenburg. „Er hat hier ein Projekt und nach dem Sieg in der Champions League noch mehr Gründe, zu bleiben. Es eröffnen sich neue Möglichkeiten. Ich werde noch in dieser Woche mit ihm darüber sprechen.“

Auch Geschäftsführer Dierk Schmäschke verweist darauf, das Vranjes noch drei Jahre an die SG gebunden ist und dass es noch keine formelle Anfrage an die SG aus Frankreich gibt.

Angesichts der langen Restlaufzeit der Vranjes-Verpflichtung müssten die Pariser wohl tief in die Schatulle greifen, um den Schweden herauszukaufen. Ein Ersatzmann von gleicher Kompetenz, der zudem wie Vranjes in jeder Hinsicht in die Philosophie der SG Flensburg-Handewitt passt, wäre allerdings auch für viel Geld nur schwer zu finden.

Nur wenige Trainer haben einen solchen Sachverstand, so viel Gespür für Talente, so viel Geschick bei der Entwicklung junger Spieler wie Jim Gottfridsson oder Drasko Nenadic. Die Spieler schwärmen von ihm, mancher Akteur machte gar sein Engagement oder Vertragsverlängerung von ihm abhängig. Der Schwede besticht durch eine perfekte Balance zwischen Chef und Kumpel, seine Autorität ist eine natürliche, die er nie mit diszplinarischen Mitteln durchsetzen müsste.

Aus dem im Vergleich mit der übrigen europäischen Spitze bescheidenen finanzielle Möglichkeiten der SG holte Vranjes das Maximum heraus. Allerdings klang aus seinen Betrachtungen zur Lage auch immer wieder die Sehnsucht heraus, manches Problem etwas leichter lösen zu können. „Ich bekomme im nächsten Jahr wieder nur Talente“, sagte er leicht sarkastisch nach der Bundesliga-Niederlage in Hamburg auf die Frage nach den Titelchancen der SG in der kommenden Saison.

Kommt es hart auf hart, wird die Vereinsführung Vranjes kaum zwingen können, in Flensburg zu bleiben. Um so zu arbeiten, wie es der 40-Jährige in den vergangenen fast vier Jahren als Chefcoach getan hat, muss man sehr viel Leidenschaft aufbringen.

Am Gehalt, das Vranjes persönlich verdient, wird die Verbindung zwischen SG und Trainer wohl nicht scheitern. Da wird Paris St. Germain kaum punkten können. Ihn treibt vielmehr der sportliche Ehrgeiz an. „Ich will die Champions League wieder gewinnen“, sagte er, „und wenn das in Flensburg gelingen soll, müsste sich hier einiges ändern.“ Soll heißen: Vranjes erwartet, dass der Verein nun alle Chancen, die sich durch den Titelgewinn eröffnen, ausschöpft. Um im Konzert der Großen weiter vorn mitzuspielen, müssten drei weitere Neuverpflichtungen her. Und zwar keine Jungspunde, sondern gestandene Routiniers. Vor allem das Problem auf halblinks will Vranjes nachhaltig gelöst sehen. Seriös planen kann er derzeit nur mit Drasko Nenadic und dem Neuling Kasper Kisum. Die Rückkehr Lars Kaufmann ist derzeit noch im Stadium des Hoffens.

Drei Neue – eine Maximalforderung, über die zu verhandeln sein wird. Vranjes machte der SG und ihren Fans aber auch Hoffnung. Wenn ihm die Möglichkeiten geschaffen werden, seine Ziele zu erreichen, will er sein Projekt fortführen: „Als Champions-League-Sieger gibt es Riesenmöglichkeiten. Die SG muss einen Weg finden, daraus etwas Langfristiges machen. Wenn sie das schafft, gehe ich den Weg mit.“

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