Verwaltungsposse : Ballastkai: Flensburger Schiffe müssen weichen

Plötzlich fehl am Platz: Inge Gram, Lars Lieberich und Ole von Hacht stören mit ihren Schiffen Libelle (l.) und Kimik das 'geänderte Umfeld' am Ballastkai. Foto: Marcus Dewanger
Plötzlich fehl am Platz: Inge Gram, Lars Lieberich und Ole von Hacht stören mit ihren Schiffen Libelle (l.) und Kimik das "geänderte Umfeld" am Ballastkai. Foto: Marcus Dewanger

Die Flensburger Verwaltung entscheidet, dass ausgerechnet Schiffe das maritime Ambiente im Hafen stören.

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18. April 2013, 09:57 Uhr

Flensburg | Auf ihrer Ostseite präsentiert sich die Stadt als elegante Hafencity. Hier ist in den letzten Jahren viel Platz für Menschen geschaffen worden, die maritimes Ambiente mögen. Dieses Ambiente wird zum Leidwesen der Stadtverwaltung zunehmend durch herumliegende Schiffe beeinträchtigt. Deshalb wurde Hafenkapitän Frank Petry angewiesen, den im Bereich Fischperle/Klarschiff liegenden Wasserfahrzeugen auf der Westseite neue Liegeplätze zuzuweisen.

Betroffen sind der unter Denkmalschutz stehende grönländische Versorger "Kimik", das Fischereischiff "Seehund", der Schlepper "Jonathan" und eine Flensburger Kostbarkeit - das kleine Butterschiff "Libelle", die 1934 von der Flensburger Schiffbau Gesellschaft gebaut wurde. Die Eigner sind durch die Bank entsetzt über diese Zwangsversetzung. Lars Lieberich, Inge Gram und Ole von Hacht verstehen die Welt nicht mehr. "Warum sollen wir hier bitteschön alle weg?", fragt Inge Gram, die auf dem historischen Butterschiff regelmäßig kleine Gesellschaften beköstigt.

Wem nützt die Zwangs-Rochade?

Die Flensburger Verwaltung macht da wenig Umschweife. "Auf Grund des geänderten Umfeldes am Ballastkai sollen diese Plätze nicht mehr an reparaturbedürftige Schiffe vergeben werden", sagt Verwaltungssprecher Thomas Kuchel auf Anfrage. Dass die einzig markante Veränderung am Ballastkai - das bald fertig gestellte Luxus-Wohnhaus "Klarschiff" - etwas damit zu tun haben könne, verneint er. Es habe seitens der Klarschiff-Eigentümer keine Einflussnahme gegeben. Es sei davon auszugehen, dass es durch Reparaturarbeiten an den Schiffen zu Staub- und Lärmbelästigungen kommt. Dauer-Liegeplätze auf dieser Hafenseite werde es daher künftig nicht mehr geben.

Das will den betroffenen Skippern nicht so recht einleuchten. "Dann verholen wir uns eben für Reparaturarbeiten ans Westufer", schlägt Ole von Hacht vor. Der angehende Kapitän auf großer Fahrt hat die "Libelle" von seinem Vater geerbt. Gemeinsam mit dessen Lebenspartnerin Inge Gram versucht er , das Konzept des vor einem Jahr an Bord verstorbenen Achim von Hacht fortzuführen, den Erhalt des historischen Schiffes über die Vermietung und Beköstigung im Schiffssalon sicher zu stellen.

Das Westufer freut sich auf die "Libelle"

Die Gesellschaften aber kommen nicht nur wegen Inge Grams italienischer Küche, sondern auch wegen der schönen und sonnigen Aussicht auf Flensburgs historische Häuserzeile. "Es läuft sehr gut", sagt Inge Gram, die in der Innenstadt ein Restaurant betreibt. "Wir haben bis Weihnachten Vorbestellungen aus ganz Deutschland." Das Argument, von den Schiffen ginge eine Belästigung für die neue Nutzung am Ballastkai aus, kann keiner der betroffenen Skipper nachvollziehen. "Das ist vorgeschoben", glaubt Lars Lieberich, der Kapitän der Kimik. "Wir haben uns seit Jahren mit der Fischperle hervorragend arrangiert, und wir sind flexibel genug, für lärmintensive Arbeiten ans andere Ufer zu wechseln. Also - wem nützt diese Rochade?"

Der Historische Hafen Flensburg bereitet sich derweil auf die Aufnahme der "Libelle" vor. Der Schlepper "Jonathan" hat dem Druck schon nachgegeben, für die "Kimik" ist im historischen Ensemble kein Platz. "Wir freuen uns auf die Libelle", sagt Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens. Und auf genau diese Umarmung hat Ole von Hacht überhaupt keine Lust. Er fürchtet im Historischen Hafen seine Freiheit zu verlieren, unter teuren Anpassungsdruck zu geraten. "Wir wollen das Schiff in diesem Zustand erhalten. Das ist schon teuer genug. Für den Umbau in ein Museumsschiff haben wir nicht das Geld."

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