Tarifverhandlungen : Bahnkunden von Streiks genervt

Informationen für die Weiterreise: Axel Dannemann sucht nach Verbindungen, die ihn nach Nürnberg bringen.
Informationen für die Weiterreise: Axel Dannemann sucht nach Verbindungen, die ihn nach Nürnberg bringen.

Zwei Drittel der regionalen und ein Drittel der nationalen Verbindungen fallen bis Sonntag aus. Die Reisenden informieren sich frühzeitig über die Anschlüsse. In Flensburg haben nicht alle Menschen einen langen Atem.

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06. Mai 2015, 08:15 Uhr

Flensburg | Eigentlich wollte Patrick König entspannt von Göteborg nach Magdeburg fahren. Doch daraus wurde nichts. Neun Stunden hat er bis Flensburg gebraucht und wartet nun auf seine nächste Verbindung. Damit ist er nicht allein. Viele Reisende, vor allem aus Dänemark, kommen wegen des achten Streiks der Deutschen Bahn nur langsam ans Ziel. Der Dreh- und Angelpunkt Flensburg steht fast komplett still. Nur zwei Drittel der Regionalbahnen und ein Drittel des Fernverkehrs sind im Einsatz. Eine Geduldprobe für viele Passagiere. Und das wird sich bis Sonntag nicht ändern.

Doch nicht nur die Deutsche Bahn strapaziert die Nerven der Menschen. In Dänemark fallen Züge wegen Gleisarbeiten aus. Das hat zur Folge, dass viele Reisende auf den Bus oder das Taxi umsteigen müssen. Auch Patrick König gehört dazu. Bis Odense konnte er noch mit dem Zug fahren, danach ging nichts mehr. Um nach Deutschland zu kommen, blieben ihm nur zwei Möglichkeiten: Die Fähre von Rødby nach Puttgarden oder weiter mit dem Taxi über die Grenze nach Flensburg. König entschied sich für die letzte Variante und hoffte auf eine reibungslose Weiterfahrt. In Flensburg bekam er die Information, über Neumünster, Hamburg und Braunschweig nach Magdeburg zu fahren. „Ich möchte einfach nur ankommen“, sagt er genervt. Und das ist verständlich, nach einer bis jetzt neunstündigen Reise. Seine ursprüngliche Reiseroute sollte von Göteborg über Kopenhagen, Hamburg und Wittenberge nach Magdeburg gehen.

Vor dem fast leeren Bahnhofsgebäude stehen Sonny und Olga Taza mit einem großen Koffer. Die beiden sind gerade aus Hamburg angekommen und warten nun auf ihren Zug nach Kopenhagen. Über den Streik und die eingeschränkten Verbindungen sind die beiden nicht so verärgert wie über die schlechte Information am Abfahrtsort. „Ich habe im Reisezentrum eine Nummer gezogen und dann die Mitarbeiterin nach der nächsten Verbindung nach Kopenhagen gefragt“, erzählt Sonny Taza. Die Frau am Schalter habe ihm gesagt, dass gestern keine Züge in die dänische Hauptstadt fahren würden. Doch das sei nicht richtig gewesen. Ein anderer Bahn-Mitarbeiter habe dem Ehepaar schließlich eine Verbindung ausgedruckt. Und damit sollten die beiden bald in ihrer Heimat ankommen. „Das ist der dritte Zug, mit dem wir heute fahren werden“, sagt Olga Taza.

Der Frust über den Bahnstreik sitzt auch bei Markus Wolf tief. Der 26-jährige Flensburger muss heute für eine Dienstreise nach Bayreuth fahren – und wollte die über 700 Kilometer ursprünglich mit der Bahn zurücklegen. „Das wird aber nichts“, sagt er. Bis auf einen Zug fallen heute alle Verbindungen von Flensburg nach Bayreuth aus. „Ich werde wohl auf eine Mitfahrgelegenheit ausweichen, weiß aber noch nicht, wie ich dann zurück nach Flensburg komme.“ Denn bis gestern Abend stand noch nicht fest, welche Züge am Freitag fahren. „Und eine Mitfahrgelegenheit gibt es bislang nicht.“

Der Flensburger Bahnhof ist durch den Streik außerhalb der Stoßzeiten fast wie leer gefegt. „Viele Leute haben sich darauf eingestellt, es ist ruhiger hier“, sagt Manon Tarrach von der Bahnhofsmission. Das bestätigt auch ein Mitarbeiter der Bahn, der sich vor Ort um die Reisenden kümmert. „Über das Internet und die Smartphone-App informieren sich die Leute rechtzeitig über ihre Zugverbindungen“, erklärt er. Deshalb gebe es keine Probleme. Und wer doch auf bestimmte Züge angewiesen ist, hat keine andere Wahl, als sich ins Abenteuer zu stürzen.

Wie Axel Dannemann aus Nürnberg. Der 43-Jährige war geschäftlich in Flensburg unterwegs und ist nun auf dem Heimweg zu seiner Familie. Noch ist er entspannt, denn er weiß, dass seine Züge planmäßig fahren. Lediglich nach Hamburg muss er einen Umweg in Kauf nehmen. In Hamburg könnte es deswegen Probleme mit dem Anschlusszug geben. Und dann wird sich auch Dannemanns Gemütslage vermutlich ändern.

Bis Sonntag, 10. Mai, müssen sich Bahnreisende nach einem Ersatzfahrplan richten. Deutschlandweit fahren nur zwei Drittel der Nahverkehrs- und ein Drittel der Fernverkehrszüge. Welche Züge im Einsatz sind, erfahren Reisende unter www.bahn.de. Über die Funktion „Live Auskunft“ besteht zudem die Möglichkeit, zu überprüfen, ob die geplante Verbindung verkehrt. Alle zwei Stunden fährt ein Zug von Flensburg nach Hamburg mit Umstieg in Kiel oder Neumünster.

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