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Sanierung im November : Bahnhofstreppe: Es bewegt sich etwas

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach zwei Jahren Streit einigen sich Bahn und Stadt auf die Teilung der Kosten – die Arbeiten sollen Anfang November beginnen.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 08:35 Uhr

Bröckelnder Putz. Bröselnde Ziegel. Verrostende Absperrgitter und eine bunt wuchernde Vielfalt von Unkraut. Die Flensburger Bahnhofstreppe ist derzeit ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie sich die Natur anschickt, von Menschenhand Geschaffenes für sich zurückzuerobern. Und wie sollte die Natur auch davon ausgehen, dass es eigentlich ganz anders geplant ist? Sage und schreibe zwei Jahre ist es nun schon her, seit die vom Erbauer einst in großzügigen 25 Metern Breite ausgelegten sechs Stufen der Ziegeltreppe bis auf einen kleinen Teil abgesperrt werden mussten, weil sie marode sind. Passiert ist bis heute – nichts.

Doch nun scheint endlich Bewegung in die Sache zu kommen, bereits zum Beginn des kommenden Monats soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, sagt Sabine Leposa vom Technischen Betriebszentrum (TBZ) Flensburg.

Zuvor hatten die Stadt Flensburg und die Deutsche Bahn ausgiebig darum gestritten, wer nun eigentlich für die Erneuerung zuständig ist – oder ist es eine Instandhaltung? Genau um diese Begrifflichkeiten nämlich drehte sich der Zwist. „Im Vertrag von 1927/28, den wir gefunden haben und den die Stadt auch in ihren Archiven hat, ist klar geregelt, dass die Stadt für die Instandhaltung der Bahnhofstreppe zuständig ist“, sagt Deutsche-Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Und nichts anderes ist für ihn ursprünglich erforderlich gewesen. „Wir haben die Stadt ja überhaupt erst informiert, dass die Treppe instand gesetzt werden muss. Der Bauhof war draußen und hat sich das angeguckt. Danach war lange Stille und dann hat die Stadt gesagt, damit haben sie nichts zu tun.“

Anders klingt es von Seiten des TBZ. Die Bahn habe bei den Verhandlungen „einen sehr langen Atem“ gehabt. „Es gab Termine, man hat sich getroffen. Erst hieß es, die Bahn würde sich nicht beteiligen, dann doch“, erinnert sich Leposa. „Die Bahn hat sich geziert.“

Bei den kommenden Arbeiten wird nun laut TBZ allerdings ein komplett neues Fundament gelegt. Und von den alten Ziegeln wird keiner für die Neukonstruktion verwendet. „Deshalb ist es auch keine Instandhaltungsmaßnahme, wie die Bahn es behauptet. Es entsteht quasi eine neue Treppe“, betont Leposa. Und für den Neubau einer Bahnhofstreppe sei eindeutig die Bahn zuständig.

„Eine Investition in einen Ersatzbau ist im Vertrag nicht geregelt“, kontert Meyer-Lovis. Man werde von Seiten der Bahn einen neuen Vertrag mit der Stadt schließen und klare Regeln für die Zukunft aufstellen. „Wenn sich die Stadt rechtzeitig um ihre Instandhaltungspflicht gekümmert hätte, wäre es ja gar nicht erst zur Sperrung der Treppe gekommen.“

Wie auch immer – vor vier Wochen kam es zur Einigung mit der Bahn. „Von den geschätzten Kosten in Höhe von 36 000 Euro tragen Bahn und Stadt jeweils 18 000 Euro“, berichtet Leposa und sieht dies als ein Entgegenkommen der Stadt. „Wir haben unabhängig von Vertrag und Recht unser Okay zur Beteiligung an den Kosten gegeben“, formuliert es Meyer-Lovis. „Im Sinne unserer Fahrgäste zahlt die Bahn die Hälfte.“ Man sei rechtlich nicht zur Zahlung verpflichtet. „Aber ich finde, dass man auf den Vertragspartner zugehen muss.“

Heute soll das Ergebnis der Ausschreibung über die Vergabe der Bauarbeiten veröffentlicht werden. Anfang November sollen dann die Bauarbeiten beginnen. Innerhalb von vier Wochen könne das Fundament für die Treppe fertig sein, wenn das Wetter es zulasse, sagt Sabine Leposa. „Wenn es zu kalt wird, müssen wir allerdings warten.“ Für die Bahnreisenden bleibe aber auch weiterhin jeweils ein kleiner Teil der Treppe benutzbar. Anders sind sie es über die vergangenen zwei Jahre ohnehin nicht gewohnt.


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