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Künftige Bahnstruktur in und um Flensburg : Bahnhof Weiche: Millionen für sieben Minuten Ersparnis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Bahn-Gutachten lässt Raum für weitere Diskussionen zu Standorten und Strukturen. Einen Königsweg gibt es nicht.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 07:23 Uhr

165 Seiten, 51 Abbildungen, 45 Tabellen: Das Bahn-Gutachten ist ein üppiges Werk geworden und wird am Freitag im Europaraum des Rathauses der Öffentlichkeit vorgestellt. Es beantwortet viele Fragen zur künftigen Bahnstruktur in und um Flensburg, wirft aber auch neue auf und nennt keinen Königsweg.

Politik und Teile der Öffentlichkeit beschäftigen sich seit Jahren mit einer Optimierung der Flensburger Bahnsituation. Als ewiger Mangel wird dabei die Entfernung zwischen Bahnhof und Innenstadt empfunden; daher rührt die Idee, die vorhandenen, aber brach liegenden Gleise der Hafenbahn zu reaktivieren und einen Zug direkt zum Zob fahren zu lassen. Der müsste aber von Weiche kommen, eine direkte Verbindung Bahnhof - Zob existiert nicht.

Aber die Zürcher Berater SMA (Gertz, Gutsche, Rümenapp) sehen durchaus Chancen zur Verbesserung, sowohl mit Blick auf die Anbindung Flensburgs an nähere und fernere Ziele als auch hinsichtlich der inneren Struktur. So verbannen sie weder einen Fernbahnhof in Weiche noch einen Bahnhof am Zob oder die Reaktivierung der Linie nach Niebüll in das Reich der Illusionen. Es ist und bleibt alles eine Frage der politischen Beschlüsse und vor allem der Finanzierung.

Da die Kosten des Gutachtens – immerhin 120.000 Euro – zum Teil von dänischer Seite mitfinanziert wurden, wurde auch in den Norden geschaut. Frage: Könnte man die Fernzüge auf der Route Hamburg – Aarhus nicht deutlich beschleunigen, wenn sie nicht mehr die Ehrenrunde durch die Südstadt zum Bahnhof drehen müssten, sondern stattdessen nur in Weiche halten? Ergebnis: Dadurch würden sie sieben Minuten sparen. Konsequenz: Diese sieben Minuten rechtfertigen nicht eine Millionenausgabe für einen neuen Fernbahnhof.

Dieser, wenn man ihn dann haben möchte, müsste in ein ganzes Bündel weiterer Maßnahmen eingewebt werden, nicht zuletzt ein besseres Angebot im Fernverkehr. Und dafür ist bekanntlich die Bahn zuständig.

Ein Fernbahnhof in Weiche wäre allerdings die Bedingung für einen Nahverkehrsbahnhof am Zob, den die Stadt immer noch nicht offiziell zu den Akten gelegt hat. Denn nur von Weiche aus käme man zum Zob, während es keine direkte Verbindung vom heutigen Bahnhof dorthin gibt.

Den heutigen Bahnhof stellen die Gutachter nicht wirklich zur Disposition. Ihn braucht man in jedem Fall für die Züge aus und nach Kiel. Die Linie Kiel – Flensburg verlängern die Schweizer Gutachter über Flensburg und Weiche hinaus gen Westen bis nach Niebüll. Denn auch das ist eine wichtige Aussage: Die Reaktivierung der Strecke nach Niebüll birgt durchaus Chancen. Und verursacht Kosten, die allerdings nur schwer zu schätzen sind: 34 bis 90 Millionen, sagen Gertz, Gutsche, Rümenapp. Noch vager sind die Kostenangaben für den Bau eines neuen Fernbahnhofs in Weiche oder die Ertüchtigung des heutigen Bahnhofs, die Reaktivierung der Hafenbahngleise und ein Bahnhof am Zob: Je nach Szenerio 6 bis 71 Millionen seien zu berappen.

Verabschieden kann man sich voraussichtlich von der Idee eines nagelneuen Fernbahnhofs in Pattburg, Harrislee oder in der Nähe des Citti-Parks; letzterer war von Oberbürgermeister Simon Faber bei einem Fototermin mit der dänischen Presse ins Licht der Öffentlichkeit geraten. Im Abschnitt Empfehlungen konzentrieren sich die Gutachter allerdings auf den Standort Weiche, weil er mit Blick auf Fahrgastpotenziale der beste sei.

Eine wichtige Empfehlung betrifft die Bauarbeiten am Fehmarnbelt-Tunnel – wenn er denn kommt. Die Bahn werde in dieser Zeit die Fernzüge Hamburg-Kopenhagen über die Jütland-Route umleiten. Das heißt, dass in dieser Zeit Fernzüge im Zwei-Stunden-Takt Flensburg anlaufen. Ziel müsse es sein, in dieser Zeit eine Nachfrage zu etablieren, die auch nach Fertigstellung des Tunnels einen Fernverkehr Hamburg-Flensburg - Kolding / Aarhus im Zwei-Stunden-Rhythmus rechtfertigt.

 

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