Bahndamm-Gleise: Altes Thema wieder in Fahrt

Rüstemeier
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CDU-Ratsherr Arne Rüstemeier hält Brücken über dem Hafendamm für überflüssig

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16. Februar 2012, 05:47 Uhr

Flensburg | Es ist eine Diskussion, die mit fester Regelmäßigkeit im Zwei- bis Drei-Jahresrhythmus über Flensburg hereinbricht: Braucht die Stadt den Bahndamm zwischen Deutschem Haus und Hafenspitze noch? CDU-Ratsherr Arne Rüstemeier hatte die Debatte in der zweiten Januar-Woche eröffnet, als er vor der Planung des Fuß- und Radwegs an der Heinrichstraßen-Brücke verlangte: Zunächst müsse geprüft werden, ob Trasse und Bahndamm noch gebraucht würden, so der junge CDU-Politiker. Andernfalls sei für den Fuß- und Radweg kein teurer Tunnel notwendig.

Also, braucht Flensburg den Bahndamm noch? Für SPD-Partei- und Fraktionschef Helmut Trost ist das keine Frage: "Auch wenn die Bahntrassen nur noch selten zum Beispiel beim Dampf-Rundum genutzt werden, müssen sie gesichert bleiben", findet er. Andernfalls verbaue man sich mögliche Zukunftschancen. Und Stephan Kienaß, SPD-Mitglied im Planungsausschuss, gibt zu bedenken: "Über 28 000 Fahrzeuge rauschen täglich am Johannisviertel vorbei über die Straße Süderhofenden". Wenn der Damm falle, seien die dort lebenden Menschen diesem Verkehrslärm ungeschützt ausgesetzt.

Auch SSW-Planungspolitiker Edgar Möller glaubt, dass man sich "zumindest die Möglichkeit des Umladens vom Wasser auf die Schiene" nicht komplett nehmen solle. Nahverkehr bis zum Zob, eine theoretisch mögliche Wiederbelebung der Strecke nach Niebüll: Die Diskussion um den Damm hat viele Dimensionen. Selbst wenn die Schienen nicht mehr gebraucht würden, habe der Damm seine Daseinsberechtigung, und zwar nicht nur für den Lärmschutz: Mit dem Rude-Forum sei einmal ein Rad- und Wanderweg vom Wilhelminental bis zur Hafenspitze diskutiert worden, erinnert sich Möller.

Auch von Harro Teichmann, der für die WiF um Planungsausschuss sitzt, ist Ähnliches zu hören: "Was erstmal weg ist, wird nicht wiederkommen." Der Güterverkehr auf der Schiene werde schon aus ökologischen Gründen wieder zunehmen, glaubt er. Deshalb hält er die Mitteilung vom Dienstagabend aus dem Planungsausschuss, dass die Bahntrasse am Ostufer vom Schienenverkehr entwidmet werden könne, auch für keine gute Nachricht: "Man sollte sich die Option offenhalten, dass mehr auf die Bahn verlagert wird."

Und was sagt Arne Rüstemeier, der die aktuelle Diskussion angestoßen hat? "Wir haben uns dafür ausgesprochen, dass Infrastruktur im Hafenbereich erhalten bleibt", sagt er. Dies bezieht er aber vor allem auf die Trassen. Die Gleise hält er nicht mehr überall für notwendig. An der Hafenspitze könnten sogar die beiden Dämme wegfallen - und beide Stahlbrücken über dem Hafendamm. Ob Wirtschaftshafen und Innenstadt in Zukunft ganz ohne Gleise auskommen können, will die CDU-Fraktion noch in einer größeren Veranstaltung vor der Sommerpause diskutieren.

Zu bedenken ist bei alledem, dass Damm, Gleise und Brücken immer noch der Bahn gehören. Edgar Möller fällt dazu dies ein: "Wir wären ja schon froh, wenn wir die Brücken mal streichen dürften."

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