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Orkantief Xaver ist da : Bahn stellt Linie Flensburg - Neumünster ein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kein Weihnachtsmarkt, keine Schule, keine Uni, keine FH – und die Bahn stellt die Neumünster-Linie ein. Die Stadt alarmiert die Hilfsdienste, und der Katastrophenstab tagt in der regionalen Einsatzleitstelle.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 00:35 Uhr

In Flensburg überlässt man nach den Erfahrungen des 28. Oktober, als in Klues ein Mensch von einem Baum erschlagen wurde, lieber nichts dem Zufall.

Die Flensburger Werft hat seit dem späten Vormittag den kompletten Betrieb für heute und morgen eingestellt - erste Teile des provisorisch geschlossenen Helgendaches lösen sich bereits wieder. Im Regionalverkehr in Schleswig-Holstein kommt es mittlerweile auf allen Strecken auf Grund verminderter Geschwindigkeiten der Züge zu deutlich längeren Fahrzeiten und Zugausfällen. Auf der Strecke Neumünster – Flensburg wurde der Zugverkehr wegen beschädigter Oberleitung eingestellt. Auf der Strecke Kiel - Flensburg kommt zu Verspätungen und Zugausfällen. Seit 17 Uhr ist offenbar auch hier die Verbindung nach Flensburg gekappt.

Berufsfeuerwehr und Freiwillige Wehren stehen seit dem Morgen bereit.  Um 12 Uhr rückte der Führungsstab in die Regionale Einsatzleitstelle in Harrislee ein, um 13.30 Uhr wurden die Hilfsorganisationen alarmiert.  Alle Dienste - Freiwillige Wehren, Berufsfeuerwehr, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz und Teile der Bundeswehr rücken jetzt in ihre Quartiere ein. "Wir gehen auf Nummer sicher", sagt Clemens Teschendorf als Sprecher des Stabs. "Orkantief Christian hatte uns im Oktober ein wenig überrascht. Das soll kein zweites Mal geschehen." Im Katastrophenstab geht man davon aus, dass der Sturm zum Abend hin noch zulegen wird. Nach Informationen des dänischen Wetterdienstes seien im Bereich Flensburg ab 17 Uhr Nachmittag Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern in der Stunde zu erwarten. Das sei deutlich mehr als die höchste Stufe der 12-teiliigen Beaufortskala, die bei 133 km/h endet. Um 15.30 Uhr aber sei die Lage noch sehr entspannt gewesen, meinte Teschendorf.
 

An der Uni ist das Dach des Hauptgebäudes mit 50 Zentimeter langen Schrauben in die Unterkonstruktion verschraubt worden. Damit sei das Haus sturmsicher bis Stärke zwölf wie alle anderen Gebäude, sagt Uni-Sprecherin Kathrin Fischer. Dennoch sperrte die Uni-Hausmeisterei das komplette Hauptgebäude am Vormittag mit Zäunen ab.

Andere sind ganz auf sich selbst gestellt. Die Fielmann-Tanne auf dem Südermarkt beispielsweise. Finja Fröhlich, als Leiterin von Flensburg Fjord Tourismus für den Weihnachtsmarkt zuständig, sieht keine Möglichkeit, den zehn Meter hohen Baum zu sichern. „Umkippen wird die Tanne eher nicht“, sagt sie. „Das Fundament wurde damals für einen noch größeren Baum und Windstärke 12 berechnet.“ Sicherheitshalber wird der Baum weiträumig abgesperrt. Das ist kein Problem, weil für Donnerstag und Freitag der Weihnachtsmarkt abgesagt ist. „Die Buden können nur bis Windstärke sechs betrieben werden“, sagt Fröhlich. Selbst im geschlossenen Zustand genießen die Stände nicht das volle Vertrauen in die Standsicherheit. „Es sind im wahrsten Sinn des Wortes nur fliegende Bauten.“  Zwei junge Damen eines Sicherheitsdienstes bewachen den mit Flatterband abgesperrten Weihnachtsmarkt bis 18 Uhr. Morgen ab 15 Uhr soll der Weihnachtsmarkt wieder öffnen. Die Betreiber mussten Gasflaschen und brennbare Substanzen aus den Hütten entfernen. Die Weihnachtsbäume am Nordermarkt und der Norderstraße wurden gelegt und gesichert.

Zum Weihnachtsbummel dürfte ohnehin den wenigsten zumute sein. IHK und DGB strichen für heute und morgen alle Veranstaltungen. Auch die für heute geplante Ratsversammlung findet nicht statt. Die Uni und alle öffentlichen Schulen schließen heute und morgen komplett, an der Fachhochschule werden alle Lehrveranstaltungen, Sonderveranstaltungen und Prüfungen ausgesetzt - und zwar nicht nur heute, sondern auch morgen, die VHS sagte für heute ihre Kurse ab 13 Uhr ab: „Auch die städtischen Kitas können ab Mittag schließen, wenn es so schlimm wird, wie befürchtet“, sagte Rathaus-Sprecher Teschendorf gestern Nachmittag.  Tatsache ist aber, dass viele Flensburger Kindergärten am heutigen Donnerstag faktisch gar nicht geöffnet haben. Deshalb um 13.15 UHr die Mitteilung der Stadt: Die städtischen Kindertagestätten bleiben morgen, Freitag, komplett geschlossen. Dasselbe gelte für die Kitas des Evangelischen Kita-Werkes und des ADS-Grenzfriedensbunds in Flensburg. Eltern von Kindern in Kitas anderer Träger, mögen sich im Einzelfall bitte direkt bei den entsprechenden Einrichtungen erkundigen, hieß es weiter.

Auch für die Dachdeckerbetriebe könnte Sturm „Xaver“ erhebliche Auswirkungen haben: „Uns droht der absolute Ausnahmezustand“, sagte Heiko Oehlert, Obermeister der Dachdecker-Innung. Die Handwerker haben gerade erst die gröbsten Schäden beseitigt, die Sturm „Christian“ vor rund einem Monat verursacht hat. „Mit Planen und Folien notabgedeckte Dächer werden dem Sturm nicht standhalten können, auch wenn er schwächer ist als Christian“, berichtete Oehlert. „Aber die Dachdecker können nicht alle Dächer so kurzfristig sturmfest machen.“ Immerhin hätten die Betriebe in der Region mehr Dachziegel auf Lager als vor dem letzten Sturm.

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