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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 16:26 Uhr

Bahn fährt Porsche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Für den Transport von Menschen und Gütern mit der Bahn braucht es nicht nur Gleise und Züge, Schaffner und Lokführer. Selbst ein so entlegener Bahnhof wie Flensburg benötigt ein Stellwerk, um die vielen Regionalzüge sicher hierher zu leiten. Ein häufig unterschätztes Bauteil des Stellwerks, von dem die meisten Bahnkunden noch nie gehört haben, ist der Gleichrichter. Ohne Gleichrichter funktioniert das Stellwerk nicht, jedenfalls nicht das Flensburger. Ist der Gleichrichter kaputt, wie zum Beispiel am Mittwoch dieser Woche, bleiben die Züge in Schleswig, Sörup oder Pattburg stehen, je nachdem woher sie kommen. Nur der ICE konnte schon mal üben, wie man an Flensburg vorbei Richtung Norden fährt – auch ohne Stellwerk beziehungsweise Gleichrichter. Allerdings konnte er nicht, wie es für die Zukunft erträumt wird, am künftigen Fernbahnhof Flensburg-Weiche halten; die Fahrgäste mussten in Pattburg aussteigen und dort auf den Bus warten. Die Ärmsten! Denn der Pattburger Bahnhof ist ungefähr so auf- und anregend wie das Buswartehäuschen zwischen Schnarup-Thumby und Esgrus-Schauby – er hat noch nicht mal einen Hotdog- geschweige denn einen Punsch- oder Gløgg-Stand.

Doch zurück zum Gleichrichter. Der verwandelt Wechselstrom in Gleichstrom, den man offenbar im Flensburger Stellwerk benötigt. Am Mittwoch nun gab dieser Gleichrichter seinen Geist auf, und weil dies wohl nur äußerst selten passiert – Gleichrichter haben eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung –, bevorratet die Bahn in Flensburg keine Ersatz-Gleichrichter. Es musste also ein neues Teil herbei geschafft werden. Blöd nur, dass die Firma, die Gleichrichter baut, im fernen Stuttgart zu Hause ist.

Und jetzt bewies die Bahn, dass Flensburg aus Sicht der Bahn-Zentrale und vieler großer Hauptbahnhöfe vielleicht etwas „ab vom Schuss“ liegt, wie man hier oben zu sagen pflegt, dass Flensburg damit aber noch lange nicht der Bahn schnurzpiepegal ist. Denn wer jetzt erwartet hat, dass die Bahn den neuen Gleichrichter natürlich mit der Bahn nach Flensburg transportiert, also mit der Güterbahn, die dann vermutlich ein paar Tage bis Flensburg braucht, der sah sich schwer getäuscht. Die Bahn bemühte das in Deutschland fast schnellste verfügbare Transportmittel, das zufällig auch in Stuttgart produziert wird: den Porsche. Kein Scherz, sondern Tatsache: Wie Passagiere berichteten, wurde am Mittwoch per Zug-Funk durchgegeben, dass der neue Gleichrichter bereits auf dem Weg nach Flensburg sei, und zwar in einem Porsche. Also kann er nicht besonders groß gewesen sein. Gegen Abend war er hier und wurde eingebaut.

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