Stadtplanung in Flensburg : Baggern in der Torflinsen-Suppe

Es gibt viel zu tun: Ten Brinke-Bauleiter Wim Brinks (l.) und Projektchef Uwe Kammholz packen es an. Im September 2018 soll das Versorgungszentrum fertig sein.
Es gibt viel zu tun: Ten Brinke-Bauleiter Wim Brinks (l.) und Projektchef Uwe Kammholz packen es an. Im September 2018 soll das Versorgungszentrum fertig sein.

Nahversorgungszentrum an der Hochfelder Landstraße: Erdbauarbeiten sind im vollen Gange / Eröffnung im September

shz.de von
21. November 2017, 06:22 Uhr

Noch ist alles Matsch und drumherum liegen große Erdhaufen. In den Bauhütten ist es gefühlt kälter als draußen, aber das wird sich ändern. Der Baustrom kommt am Freitag. In zehn Monaten soll hier an der Hochfelder Landstraße Flensburgs jüngstes und für die nächste Zeit wohl auch letztes Nahversorgungszentrum eröffnet werden. Der erste Spatenstich war kein Spatenstich – die Raupen und Bagger legten einfach los. Im Spätsommer nächstes Jahr, verspricht Uwe Kammholz, ist alles fertig.

Was da in Tarup-Hochfeld entsteht, ist ein – zumindest an dieser Stelle – umstrittenes Einkaufszentrum. Der neue Marktplatz stärkt die neuen Stadtteile und positioniert sich an der künftigen Trasse der Landesstraße 21 mit dem zu erwartenden Durchgangsverkehr. Das alles zu Lasten des älteren Ortskerns mit seinen meist auch älteren Menschen, denen am 1. April 2010 mit dem kleinen Nahversorger Edeka das Zentrum abhanden kam. Es gab aus der Bevölkerung heraus etliche Anregungen für andere Standorte – neben der Schule Adelby, neben der Kirche oder an der Richard-Wagner-Straße , wo jetzt der Holländerhof baut – aber die Stadt zierte sich. Sie sah die Mindestdistanz zu den großen Stadtteilzentren – in diesem Fall Twedter Plack – unterschritten. Zuletzt versuchte der gebürtige Taruper Unternemer Martin Aye (Carebyphone) die leer stehende Immobilie am Norderlück zu aktivieren, fand aber keinen Betreiber und will jetzt zum Leidwesen der unmittelbaren Nachbarn ihren Reihenhäusern den neuen Flensburger Klassiker vor die Terassen setzen: Vollgeschosse – in diesem Fall 3 – plus Satteldach.

Das mit der zu geringen Verkaufsfläche wundert Uwe Kammholz nicht. Für die europaweit im Immobiliensektor tätige niederländische Ten Brinke-Gruppe ist er im gesamten norddeutschen Bereich tätig. Er weiß aus hunderten Vergleichsfällen: „Für so kleine Märkte finden sich keine Betreiber mehr.

Bleibt also das Hochfeld. Auf reichlich zwei ha Fläche entstehen ein Rewe-Verbrauchermarkt (1800 m²), ein Penny-Discounter (1000 m²), ein Rossmann-Drogeriemarkt 750 m²), einen Cigo-Shop mit Postagentur, 200 SUV-taugliche Stellplätze nebst Grünanlage – das ist schon mal sicher. Kammholz hat aber noch einige Kleinflächen für Gastronomie und Dienstleister anzubieten. Das finanzielle Bauvolumen für den parallel zur Bahnlinie verlaufenden Gebäuderiegel mit viel Glas liegt bei 12 Millionen Euro

Zuvor muss jedoch erst einmal reichlich Erdmasse bewegt werden – auch in der Höhe, denn die Lärmschutzwälle zur Naschbarschaft werden aufgestockt. Bauleiter Wim Brinks und sein Team beschäftigen sich im Moment mit den Innereien der Endmoräne, die ihnen die letzte Eiszeit hinterlassen hat. „Die Steine sind nicht das Schlimmste“, sagt Kammholz. „Die Torflinsen im Boden sind sehr viel schlimmer. Auf Torf kann man nicht bauen. Die müssen entfernt werden.“ Sicher habe man im Vorfeld gewusst, auf welchen Baugrund man sich in Flensburgs Osten im Grundsatz einlässt. Kammholz und Brinks wären aber sehr froh, wenn die Torffunde im überschaubaren Rahmen blieben.

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