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Hafenumbau in Flensburg : Bagger im alten Rotlicht-Viertel

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im „Kayser’s Hof“ haben die aufwendigen Abbruch- und Sanierungsarbeiten begonnen. Die Fertigstellung ist für Frühsommer 2016 geplant.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2014 | 07:14 Uhr

Flensburg | Es ist derzeit die größte, komplizierteste und mit Sicherheit spannendste Baustelle der Stadt. Und fast jeder Flensburger verbindet irgendeine persönliche Erinnerung mit dem Karree zwischen Herrenstall, Oluf-Samsons-Gang und Schiffbrücke. Spektakulär ist schon der Blick von der Wasserseite: Da steht, gestützt von mächtigen Stahlträgern, als Rest eines ramponierten Hauses aus der Gründerzeit einsam und allein eine Fassade. Bauleiter Ole Craß: „Das Sichern und Halten der Fassade kostet allein 50.000 Euro.“

Seit Wochen laufen im „Kayser’s Hof“ an der Schiffbrücke die Abbruch- und Sicherungsarbeiten. Gleichzeitig untersucht ein Bodengutachter die Verhältnisse im Untergrund, denn hier wird nicht nur ein Hotel nach oben, sondern auch eine Tiefgarage nach unten gebaut. Ole Craß: „Ab 60 Zentimeter Tiefe steht das Wasser.“ Der Diplom-Geologe Klaus Lipka aus Kiel hat mit Hilfe mehrerer Bohrungen dem Untergrund auf den Zahn gefühlt, in dem über einer Torfschicht die Reste früherer Siedlungsaktivitäten zu finden sind. Eine Fernwärme- und eine Abwasserleitung müssen um das Grundstück herum verlegt werden, das für die Tiefbauarbeiten mit Hilfe einer Spundwand trocken gelegt werden muss.

Im Innenhof beherrschen die Abbruchbagger die Szenerie. Das Haupthaus Schiffbrücke 32 (früher „Sunny“) wurde entkernt. Schiffbrücke 33 ist weg, von der Nummer 34 steht die Fassade noch. 35 ist ein altes Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert, das erhalten bleibt. „Da wird ein Veranstaltungsraum untergebracht“, sagt Hanna Höft-Pfeifer, die für die Investorengruppe das Bauprojekt betreut. Das nächste Haus muss entgegen erster Planungen nun doch bis auf das Erdgeschoss abgerissen und originalgetreu wieder aufgebaut werden. „Das Haus fing an, sich zu bewegen“, sagt Ole Craß zur Erklärung.

Mit einem Kuhfuß hebeln zwei Arbeiter auf dem Schrägdach der Lärmschutzwand zum Oluf die Dachlatten ab. Dies dürfte der jüngste Teil des gesamten Komplexes sein, er wurde keine 20 Jahre alt. Wenig später werden der Rockpalast Speicher und das Crypton in die Annalen des Flensburger Nachtlebens verabschiedet – zum Schmerz vieler Szenegänger. Ein verblichenes Schild „Disco Harlekin“ erinnert an ein weniger bekanntes Kapitel der Küstenszene. Die in den 90er-Jahren erbauten und nie genutzten Stadthäuser am Herrenstall bleiben erhalten und werden ausgebaut. Craß: „Da ist das Baubüro drin – das beste, das wir je hatten.“ Auch der größte Teil der Gaststätte „Columbus“ bleibt in seiner Struktur erhalten; sogar ein einsamer Barhocker hat die Entrümpelung überlebt und wartet auf neuen Einsatz.

Architekt und Bauunternehmen haben ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen im Frühsommer 2016 fertig sein“, so Hanna Höft-Pfeifer. Alle Beteiligten hoffen jetzt auf einen milden Winter. Ziel sei es, alle Teile des Komplexes – Hotel, Wohnungen, Stadthäuser – zeitgleich fertig zu stellen. Einen Namen hat das neue Hotel noch nicht. Betreiber wird der Sylter Hotelier Jan-Hendrik Rose („Alte Strandvogtei“ Rantum, „Hotel Strand“ List) sein.

 

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