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Flüchtlingsdorf am Friedensweg : Bäume weg – und der Abstand stimmt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt stellt die gesetzlich erforderliche 30-Meter-Abgrenzung durch Abholzung wieder her.

Flensburg | Es war im Oktober, als die Stadt ihre Planungen für Flensburgs größte Flüchtlingsunterkunft am Friedensweg (maximal 550 Plätze) gleich zweimal öffentlich vorstellte – zunächst im überfüllten ETSV-Sportheim, danach zusammen mit den Exe-Plänen in der Bürgerhalle des Rathauses. Dass für die Fläche auf der Wiese neben Getränkehändler Behn auch noch rund 1000 Quadratmeter Kieferwald dahinter gerodet werden sollten, wurde nicht verraten.

Für Hans Baselli und seine Nachbarn an der Nikolaiallee waren die Kiefern jahrelang auch Schallschutz vor dem Verkehr und den Industriebetrieben an der nahen Lilienthalstraße. Dass die Stadt parallel zum Bau der Holzhäuser bereits im Dezember bei der Unteren Forstbehörde die Abholzung beantragte, war auch bei den Anwohnern nicht bekannt – bis Ende Februar die schätzungsweise 40 hohen Kiefern der Kettensäge zum Opfer fielen.

Für Julia Thiele von der Unteren Forstbehörde indes ist das Verfahren rechtlich nicht zu beanstanden: Grundsätzlich sei es so, dass nach Paragraf 24 des Landeswaldgesetzes bei Baumaßnahmen ein Abstand von 30 Metern zum Wald eingehalten werden müsse: „In diesem Fall war es so, dass der Abstand nicht eingehalten werden konnte“, sagt Thiele. Deshalb habe die Stadt entschieden, die Genehmigung für die Abholzung zu beantragen – um so den Sicherheitsabstand von 30 Metern zum Wald wiederherzustellen. Die sogenannte „Umwandlungsgenehmigung“ dazu habe die Forstbehörde im Dezember gegeben. So eine Genehmigung werde immer dann erteilt, wenn kein überwiegend öffentliches Interesse für den Walderhalt erkennbar sei. Bei einem Naturwald zum Beispiel hätte die Behörde wohl anders entschieden – so wie im Frühjahr 2009 an der Schönen Aussicht, als ein privater Unternehmer seinen Rohbau wieder abreißen musste, weil der die Baugrenzen für sein Wohnhaus um fünf Meter überschritten hatte.

Für die Abholzung zwischen Nikolaiallee und Friedensweg müsse die Stadt durch eine Erstaufforstung in doppelter Größe Ersatz schaffen. Vorgabe: im selben Naturraum. Eine solche Fläche sei in Freienwill gefunden und bereits angepflanzt worden.

Nachbar Baselli befriedigen die Antworten nicht: „Man müsste klären, wie die Vergabe gelaufen ist“, findet er. Selbst wohne er keine 30 Meter von dem Kiefernwäldchen entfernt – und am östlichen Rand der Flüchtlingssiedlung seien die Nadelbäume keine zehn Meter von den Neubauten entfernt: „Einige Äste ragen schon fast aufs Dach“, wundert er sich.

Stadtsprecher Clemens Teschendorf erklärte auf Anfrage, man hätte entweder die Gebäude am Friedensweg versetzen oder eben die Bäume roden müssen. Antrag und Genehmigung ergäben sich aus dem Landeswaldgesetz. Wichtig sei die Nachpflanzung. Warum die Bäume vom Nachbargrundstück den 30-Meter-Abstand nicht einhalten müssten? Teschendorf antwortet mit einer Gegenfrage: „Handelt es sich um Einzelbäume oder um einen geschlossenen Wald?“ Wenn es nur Einzelbäume seien, greift das Landeswaldgesetz nicht, sagt Teschendorf. Obwohl die Bäume erst nach den Neubauten gefällt wurden, sei dies bereits in der ursprünglichen Planung vorgesehen gewesen.

Hans Baselli, der sich selbst in der Flüchtlingshilfe am Bahnhof engagiert hatte, hätte für das Waldstück ganz andere Vorschläge gehabt: „Man hätte für die Flüchtlingsfamilien zum Beispiel einen naturnahen Spielplatz errichten können.“

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erstellt am 17.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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