Fördeschnack : Baden ohne Spaß

Carlo Jolly.
Carlo Jolly.

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13. April 2008, 06:02 Uhr

Wo geht der politisch korrekte und in Haushaltsfragen verantwortungsvolle Kreispolitiker eigentlich am liebsten baden? Fährt er ins Hallenbad nach Schleswig oder Kappeln, wo dem Spaß gewisse Grenzen gesetzt sind, oder wagt er sich mit seinen Kindern oder Enkeln in die Glücksburger Therme - und tut dort etwas für die Besucherstatistik jenes Familienbades, in dem die Freude vor allem durch stattliche Eintrittspreise und Parkgebühren getrübt werden kann?
Solche Fragen muss man jetzt einmal stellen dürfen, da die Flensburger Ratsversammlung sich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ein schickes neues Hallenbad für den Campus bestellt hat. Das erste Auffällige daran: Für alle, die an diesem Bad Spaß zu haben scheinen, ist es ein Sportbad - mit der einzigen 50-Meter-Bahn nördlich des Kanals, mit verschiebbarer Wendebrücke, elektronischer Zeitmessung, Sprungturm und Fan-Tribüne. Das dürfte Vereinsschwimmer und Sportstudenten ebenso ansprechen wie spaßversessene Kinder und Jugendliche oder schwimmwillige Senioren. Für all diejenigen, die an diesen Badplänen keinen oder wenig Spaß zu haben scheinen, entsteht hier offenbar etwas völlig anderes: eine Mischung zwischen Spaßbad und schwimmendem Orgientempel im griechisch-römischen Stil mit Dampfsaunen, Whirlpool, Felsendusche und allerlei subtropischem Gedöns, das man bequem über eine Rutsche ins Lustbad erreichen kann.
Entstehen in Flensburg also zwei verschiedene Hallenbäder? Wohl kaum. Tatsache ist: Für ein reines Sportbad für Bahnenzieher und Asketen findet sich im 21. Jahrhundert überhaupt kein Investor. Aus diesem Grund wird man wohl auch keinen Standort in der Republik finden, an dem ein solches Bad in den vergangenen zehn Jahren gebaut worden wäre. Was sorgenvolle Kreispolitiker zwischen Glücksburg und Süderstapel vielleicht nicht wahr haben wollen, die sich für den Bäderkrieg gegen Flensburg rüsten: Ein Bad ohne Spaßangebote im 21. Jahrhundert zu bauen, wäre ungefähr dasselbe wie im Kinoplex kein Eis oder Popcorn zu verkaufen - oder in der Tankstelle nur noch Benzin und Diesel. Wer auf dem Campus künftig nicht nur schwimmen will, sondern auch Pommes kauft, sich massieren lässt oder sogar die Rutsche benutzt, kommt sicher auf die Schwarze Liste des Schleswiger Hauptausschusses. Es hat wohl selten eine Diskussion gegeben, die unehrlicher geführt wurde als die um das neue Flensburger Hallenbad.
Festzuhalten bleibt seriöserweise: 1. Die Stadt braucht dringend ein neues Bad - oder sie müsste das alte teuer sanieren, ohne zu einem wirklich zukunftsträchtigen Ergebnis zu kommen. 2. Davon wird gewiss die gesamte Region profitieren, allem voran Campus, Sportvereine und Tourismus. 3. Alle Preise, die die Betreiber bislang genannt haben - und an die wir sie ab der Eröffnung erinnern werden, deuten auf einen von vielen bezahlbaren Spaß hin.
Warum fahren Flensburger Schüler heute eigentlich meistens nach Leck zum Spaß-Baden und nicht nach Glücksburg? Ist das näher? Ist es dort auf der Rutsche lustiger? Und gibt es eigentlich ein Baden ohne Spaß? Und wenn es das geben sollte: Dürfen Kreispolitiker von Stadtpolitikern verlangen, ihre Kinder dazu zu verdonnern?

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