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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 02:46 Uhr

Bad belastet städtischen Haushalt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Fördelandtherme kostet Glücksburg jedes Jahr viel Geld und ist doch zugleich auch Publikumsmagnet der Stadt

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 07:13 Uhr

Für die Stadt ist die Fördelandtherme Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, weil das Sport- und Spaßbad viele Menschen nach Glücksburg zieht. Ein Fluch, weil das obligatorische Defizit den Haushalt jedes Jahr aufs Neue schröpft. 2012 belief sich der Jahresfehlbetrag samt Abschreibungen auf 338 000 Euro. 2011 waren es noch 193 000 Euro. Die Stadt muss das Defizit ihrer 100-prozentigen Gesellschaft ausgleichen. Eine abschließende Erklärung hat der bisherige Geschäftsführer John Witt für den Anstieg nicht parat. Doch hätte sich der Kreis Schleswig-Flensburg 2011 für rund 2,7 Millionen Euro aus der Generalbürgschaft für das Bad herausgekauft, so dass die Stadt das Defizit nun allein tragen muss. Und die Energie sei damals deutlich günstiger gewesen als heute.

Für ein ursprünglich 35 000 Euro kostendes Energiegutachten blätterte die Stadt 2012 rund 25 000 Euro hin. Knapp 11 000 Euro übernimmt die Aktiv-Region. Am Ende wird das Gutachten an die 39 000 Euro kosten. Das Energiegutachten sei noch zu Zeiten des Betreibers Uwe Deyle in Auftrag gegeben worden.

Witt berichtet von Sparmaßnahmen. Das im April geschlossene Tauchbecken werde in der Abrechnung 2013 für 50 000 bis 60 000 Euro Ersparnis sorgen. Die Verringerung der Grundlast bescherte der Stadt bereits eine Rückzahlung für 2012 über 18 000 Euro von den Stadtwerken Flensburg, dem Energieversorger der Therme. Seit Juli ist die Firma Siemens mit den Messungen von Energieverbrauch und Geräteleistung beschäftigt. Auch das Energiemanagement ist eine Folge des Gutachtens. Ergebnisse werden 2014 vorliegen.

Witt ist zuversichtlich: „Insgesamt haben wir einen positiven Trend.“ Der Umsatz sei von 1, 67 Millionen im Jahr 2011 auf 1, 96 Millionen Euro gestiegen. Positiv sieht die Entwicklung auch bei den Besucherzahlen aus. Bis auf das Jahr 2010, in dem Flensburg sein Campusbad eröffnet hat, verzeichnete die Therme jährlich ein Besucherplus. Waren es im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2008 an die 170 000 Besucher, nutzten 2009 bereits knapp 180 000 Gäste die Freizeit- und Sportbecken mit Sauna. 2010 verringerte sich entgegen zweistelliger Prognosen die Besucherzahl um weniger als ein Prozent. 2011 verzeichnete das Glücksburger Bad wieder einen Zuwachs von 8,5 Prozent, 2012 waren es erneut drei Prozent.

Das gute Wetter beschert dem Haus bis zu diesem Herbst allerdings 12 000 Besucher weniger, was für eine Stagnation sorgen dürfte, vermutet Witt, der seit Juni des Jahres Annika Menssen als Stellvertreterin an seiner Seite hat. Trotz steter kleiner Zuwächse, sind die ursprünglich angepeilten 200 000 Besucher noch nicht erreicht.

Im November nun ist ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben worden. Seitdem arbeitet Glücksburgs Tourismusvermarkter GLC an einem Optimierungskonzept für die Therme. Inzwischen berichtete Martin Weigel, Vorstandsvorsitzender der Glücksburg Consulting AG, dem Aufsichtsrat. Doch der will erst 2014 dazu Stellung nehmen, wie Timo Petersen, Aufsichtsratsvorsitzender der Therme, erklärt. John Witt nennt den Sparzwang als einen der Gründe, die Abläufe und wirtschaftliche Situation von GLC prüfen zu lassen. Doch nach sechs Jahren Betrieb sei das in Firmen allgemein üblich. Dieses Gutachten kostet die Fördelandtherme-GmbH weitere 30 000 Euro.

Um Kosten zu senken, könnten Therme und Campusbad Flensburg zusammenarbeiten, wie Politik und Geschäftsführung laut überlegen, sich mit konkreten Plänen jedoch noch zurückhalten. Witt scheidet heute aus seinen Ämtern aus. Ihm folgt Kristina Franke.

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