Marine : Azubis suspendiert, Prüfung gestattet

Die  Werkstatt der Marineschule - hier arbeiten 20 Auszubildende aus dem Umland.
Die Werkstatt der Marineschule - hier arbeiten 20 Auszubildende aus dem Umland.

Zwei des Mobbings beschuldigte, frühere Auszubildende bei der Marineschule blieben solange beschäftigt, bis sie ihre Prüfung bestanden hatten.

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30. März 2009, 12:07 Uhr

Flensburg | Kleine Genugtuung für zwei des Mobbings beschuldigte, ehemalige Auszubildende bei der Marineschule in Flensburg: In einer Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht wurde letzte Woche vereinbart, dass das Beschäftigungsverhältnis der beiden bis zur erfolgreich abgelegten Prüfung zum Elektroniker am 26. Januar dieses Jahres Bestand hatte. Die Bezüge wurden nachträglich ausbezahlt.

Christoph Hamisch (20) und sein 19-jähriger Kollege gelten damit offiziell als nicht entlassen. Ursprünglich war es zu einer Suspendierung vom Dienst, eine Woche später zum fristlosen Rauswurf gekommen. Der Vorwurf: Die zivilen Auszubildenden hätten Ende vergangenen Jahres mehrere Azubis des ersten Lehrjahres massiv drangsaliert. Die 16- und 17-Jährigen sollen verbal unter Druck gesetzt worden sein, überdies mit Geschirrhandtüchern geschlagen und in Spinde gesperrt.

Nachdem Marine und Wehrbereichsverwaltung über den Ausbildungsbeauftragten Kenntnis von den Vorgängen erhalten hatten, waren umgehend arbeitsrechtliche Untersuchungen in Gang gesetzt worden. Der Vater eines der Beschuldigten hatte daraufhin die "Verhörmethoden" der Marine scharf kritisiert.
Beschäftigung außerhalb Flensburgs fortgesetzt
Es gibt auch mehrere Anzeigen von Eltern der mutmaßlichen Mobbing-Opfer. Die zivilrechtlichen Verfahren sind jedoch noch nicht abgeschlossen. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Vorwürfe zutreffend sind", äußerte sich ein Sprecher des Marineamtes in Rostock. Man wolle die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Ermittlungen nun abwarten. Gleichwohl habe man den jungen Menschen zugestehen wollen, dass sie ihre Ausbildung beenden. Die Beschäftigung wurde, so der Marinesprecher, nach Bekanntwerden der Vorfälle in einer anderen Werkstatt außerhalb Flensburgs fortgesetzt.

Er legte Wert auf die Feststellung, dass man die seinerzeit ausgesprochene fristlose Kündigung "offiziell" nicht zurückgenommen habe. Gleichwohl hätte "eine Anfechtung der fristlosen Entlassung seitens der Gegenpartei aus formellen Gründen eventuell Aussicht auf Erfolg". Dieses Prozedere allerdings, sagte der Pressestabsoffizier, sei langwierig und kostenintensiv. Um das zu umgehen, habe man sich schließlich auf einen Vergleich geeinigt.

Randnotiz: Es wurde seitens der Marine darauf verzichtet, den beiden beschuldigten Azubis die Gesellenbriefe in einem formalen Akt zu überreichen. Christoph Hamisch: "Man hat sie uns einfach in einem Stehcafé in der Flensburger Innenstadt in die Hand gedrückt."


Die Werkstatt
Die Ausbildungswerkstatt der Marine in Flensburg mit einem zivilen Meister und zwei Gesellen gibt es seit 1984. Sie ist seit 2006 organisatorisch der Marineschule in Mürwik unterstellt und war zuvor in Olpenitz ansässig. In der dreieinhalbjährigen Lehrzeit qualifizieren sich die zivilen Auszubildenden zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Die Ausbildung endet mit der Prüfung vor der IHK.

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