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Flensburg-Pensa-Kongress : Austausch in schwierigen Zeiten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Honorarprofessur und Ideen für die Ausweitung der Uni-Partnerschaft sind die Ergebnisse des Austauschs mit der russischen Stadt Pensa.

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erstellt am 10.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Unter den Portraits der Professoren der Staatlichen Universität Pensa hängt jetzt auch ein Bild eines ehemaligen und langjährigen Chefarztes der Flensburger Diako. Dieser zusätzliche Titel der russischen Hochschule als „Honorarprofessor“ sei für ihn natürlich eine Ehre, sagt Professor Dr. Abderrahman Machraoui, „aber zugleich auch eine Verpflichtung, die Vorlesungen dort weiter zu halten und die medizinische Kooperation zu unterstützen.“

Letztere zwischen Diako und Burdenko-Krankenhaus ist der Ausgangspunkt der Städtepartnerschaft zwischen Pensa und Flensburg, die seit nunmehr acht Jahren besteht. Der dritte Flensburg-Pensa-Kongress, bei dem der Kardiologe Machraoui gewürdigt wurde, liegt zwar etwas zurück. Doch: „Nach dem Kongress ist vor dem Kongress“, sagt Julia Ricart Brede, Professorin für Deutsch als Fremd- und Deutsch als Zweitsprache der Europa-Universität. Auch sie zählte zur elfköpfigen Flensburger Delegation und zu den Mitorganisatoren der sechstägigen Tagung rund 700 Kilometer südostlich von Moskau. Die Uni hat 2012 in Pensa einen Kooperationsvertrag mit der russischen Hochschule unterschrieben und seither Studenten und Dozenten hin und her geschickt. Die Kooperation funktioniere sehr gut, lobt Ricart Brede. Sie beschreibt die Partnerschaft als freundschaftlich.

Es werde überlegt, die Zusammenarbeit auf weitere Fachbereiche auszuweiten. Der Lehramtsbereich sei sehr aktiv, doch gebe es Ideen, die Geschichte sowie Mode und Textil einzubeziehen, sagt die Pensa-Beauftragte der Uni, Ricart Brede. Auch mit den Ingenieurswissenschaften und der Fachhochschule wird geliebäugelt.

Im Bereich Sprache lebt der Austausch in Tandems – das heißt Germanistik-Studenten in Pensa und Flensburg, die im Semester mindestens jede zweite Woche zu bestimmten Themen via Skype oder E-Mail kommunizieren.

„Das, was diese jungen Russen heute lernen, so wird in zehn, 20 Jahren regiert, agiert“, sagt Swetlana Krätzschmar über den Austausch mit einem derzeit wenig wohl gelittenen Land. Die Stadtpräsidentin hat unter anderem einen Vortrag über „Flensburg als Modellregion in Europa“ zum Kongress in der „von Deutschen geprägten Region“ beigetragen. Sie freut sich, dass ihre Wahl-Heimat in Pensa als „Impulsgeber“ auftrete auf Bildungs- und medizinischer Ebene. „Alles, was Feindbilder verhindern kann, ist für mich immer sehr unterstützenswert“, betont Krätzschmar. „Ich bin Politikerin, aber in erster Linie bin ich Bürgerin.“ Sie habe im Vorfeld ihrer Reise unter anderem mit einer Ministerin gesprochen und Zuspruch erhalten, „dass man gerade jetzt die Kontakte nach Russland auf kommunaler und Bürgerschaft-Ebene ausbaut oder zumindest nicht abreißen lässt.“

Für die staatliche Universität, die 2012 mit der pädagogischen Hochschule Pensa fusionierte, hat die Mathematikerin, die bei Odessa geboren wurde, etwas herausgefunden, das die Partnerschaft für sie zu einer „Herzensangelegenheit“ macht. Die Uni sei aus der 1941 kriegsbedingt nach Pensa verlegten Universität von Odessa hervorgegangen.

Im Kulturpark von Pensa habe sie schließlich einen Apfelbaum für Frieden und Verständigung pflanzen dürfen, erzählt sie und kann ihre Leidenschaft als Bildungspolitikerin nicht verhehlen: „Die Menschen, die wir heute begleiten, werden das Land später gestalten.“ Gastgeber für den nächsten Kongress wird wieder Flensburg sein.

 

 

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