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Ausstellung: Malteser 150 Jahre in Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Franziskus-Hospital wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Morgen wird der zweite Teil einer Ausstellung zur Geschichte des Krankenhauses eröffnet. Interessierte sind eingeladen, um 17 Uhr im Foyer des Krankenhauses dabei zu sein.

Nach der Gründung des St. Franziskus-Hospitals in den Kriegswirren des Jahres 1864 und der Niederlassung in der Marienstraße entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Wunsch nach einem Neubau. Als die Räumlichkeiten in der Marienstraße nicht mehr den hygienischen Anforderungen genügten, konnte 1894 ein Grundstück an der Dorotheenstraße, dem heutigen Standort des St. Franziskus-Hospitals, erworben werden. Der Spatenstich erfolgte jedoch erst 1901. Am 4. Oktober 1902 konnte Malteser-Kommissar Bertram Freiherr von Hobe-Gelting der Oberin der Aachener Franziskanerinnen in Flensburg, Sr. Capistrana, das neugebaute Krankenhaus übergeben. 1912 verfügte das Krankenhaus über 90 Betten für 960 stationäre Patienten.


Der Pflegesatz stieg von 75 auf 750 Millionen Mark


Durch die beiden Weltkriege und die Inflationszeit folgten sehr schwierige Jahre für das St. Franziskus-Hospital. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges kehrte das St. Franziskus-Hospital im 50. Jubiläumsjahr zur Verwundetenversorgung zurück. Flensborg Avis schrieb über die Zeit des 1. Weltkrieges: „Damals war das St. Franziskus-Hospital ungefähr das einzige Krankenhaus in Südjytland, welches in Tätigkeit war, und Kranke von ganz Nordschleswig mussten hierher. Ein großer Teil der Kranken waren Schwerverwundete und viele Amputationen mussten vorgenommen werden.“ 1920 standen 165 Betten für 2021 Patienten zur Verfügung.

Die Besetzung Flensburgs nach dem Krieg, Lebensmittelknappheit und Inflation brachten außerordentliche Schwierigkeiten mit sich. Im Zuge der Inflation kam es 1923 zu einer sprunghaften Steigerung der Pflegesätze: Für die 1. Klasse waren 1921 noch 75 Mark und dann ab dem 1. Januar 1923 zunächst 3000 Mark, am 1. Juli bereits 65.000 Mark und am 1. Oktober dann 750 Mio. Mark zu zahlen.

Trotz bestehender Schulden erforderte die Entwicklungen in der Medizin und die hohe Inanspruchnahme einen weiteren Ausbau des Krankenhauses, der 1929 Platz für 80 weitere Patienten sowie die Einrichtung von Tagesräumen und Schwesternzimmern ermöglichte. Darüber hinaus fanden eine Großküche, Bäckerei, Wäscherei, Plätterei, eine großzügige Kapelle und ein modernisierter OP-Bereich Platz im Neubau. Der Krankenhausbetrieb wurde so auf den modernsten Stand gebracht. 1930 verfügte das Krankenhaus bereits über 240 Betten für ca. 3000 Patienten.

1939 genehmigte der Regierungspräsident Schleswig-Holsteins die Eröffnung einer Krankenpflegeschule, die zunächst nur für die Ausbildung von Ordensschwestern zu staatlich geprüften Krankenschwestern gedacht war und nach Beendigung des 2. Weltkriegs dann auch weltlichen Personen zugänglich gemacht wurde.

Direkt zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde das St. Franziskus-Hospital durch die Wehrmachts-Kommission als Kriegslazarett ausgewählt. Während Ärzte der Wehrmacht die medizinische Verwundetenbetreuung übernahmen, leiteten die Ordensschwestern weiterhin die Pflege. Später wurden durch die Heeresleitung 50 Betten für die Zivilbevölkerung bereitgestellt. Die Belegung stieg in diesen Jahren um ein Vielfaches, sodass die Verwundeten in Tages-, Neben- und Luftschutzräumen, teilweise auch auf den Fluren in Doppelbetten untergebracht werden mussten, bis eine Weiterverlegung in Hilfslazarette erfolgen konnte.


Die Notbetten blieben nach dem Krieg belegt


1943 wurde die Infektionsabteilung bei einem Fliegerangriff zerstört. Durch das Näherrücken der Ost- und der Westfront, sowie die Rückführung Verwundeter aus dänischen Lazaretten wurde zudem das Aufstellen von weiteren Notbetten erforderlich. Im OP, der im letzten Kriegsjahr in den Bunker verlegt werden musste, wurde rund um die Uhr in mehreren Schichten gearbeitet. 1945 standen 420 Betten für ca. 8300 Patienten zur Verfügung.

Der nach Beendigung des Krieges eintretende Flüchtlingsstrom nach Flensburg stellte das Krankenhaus dann vor weitere kaum zu lösende Herausforderungen, denn auch nach Kriegsende beanspruchten ehemalige Soldaten und kranke Vertriebene überwiegend aus den deutschen Ostgebieten das Krankenhaus und die Notbetten blieben noch lange Zeit belegt. Lebensmittel, Medikamente und Krankenpflegematerial standen nicht ausreichend zur Verfügung. Nur langsam konnte sich das Krankenhaus von den entbehrungsreichen Jahren erholen. So verringerte sich bis 1950 die Bettenzahl sukzessiv auf 300 und die Patientenzahl auf 5500 Patienten.

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erstellt am 12.Mai.2014 | 11:54 Uhr

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