zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 18:09 Uhr

Husby : Ausgezeichneter Ort zum Naturerleben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hof Neuseegaard bei Husby erhält Zertifikat als Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit – als zweite Stätte im Kreis.

Husby | Im Wildblumengarten summen die Bienen, in der Ferne blöken die Schafe und Hofhund Merle rekelt sich in der Sonne. Doch die Idylle auf Hof Neuseegaard bei Husby täuscht. Hier geht es ums Ganze, um das Wohl der Welt. „Viele Menschen verstehen die Zusammenhänge zwischen ihrem Verhalten und dem Klimawandel nicht“, sagt Gudrun Perschke-Mallach. Die 56-Jährige setzt sich zusammen mit ihrem Mann mit Leib und Seele für die Umweltbildung ein. Jetzt wurde ihr „Naturlernort Hof Neuseegaard“ vom Umweltministerium als „Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit“ zertifiziert. Die Einrichtung ist damit nach „Artefact“ in Glücksburg erst die zweite im Kreis, die dieses Zertifikat erhält.

Gudrun Perschke-Mallach, Mutter von vier Kindern, hat ihr Leben dem Einsatz für einen nachhaltigen Lebensstil gewidmet. 15 Jahre lebte sie in einem Forsthaus in einem Wald in Ostfriesland. „Damals ist meine Liebe zur Natur ganz stark gewachsen“, berichtet sie. Dann ging die Familie nach Flensburg. Die Ergotherapeutin ließ sich zur Waldpädagogin weiterbilden. Im April 2015 schließlich bezog die Familie den Hof Neuseegaard am Winderatter See. Dort bietet sie seither Naturerlebnis-Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene an wie „Bird and Breakfast“, eine Vogelentdeckungstour rund um den See, Kräuterwanderungen mit selbstgemachtem Mittagessen, ein Obstblütenfest im Frühjahr, „Der Wald im Sommer“, „Ein Naturparadies vor der Haustür“ und im Rahmen des Natur-Genuss-Festivals der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Veranstaltungen „wie Landschaft schmeckt“ und ein „Apfelfest auf der Streuobstwiese“. Außerdem leitet sie Jahreszeiten-Natur-Gruppen für Kinder und Fortbildungen für Tagesmütter und Erzieher sowie ein Sommerferienprogramm mit Unternehmungen wie „Ronja Räubertochter“ und die „Helden des Waldes“.

„In einem Übungsraum Bewegungslandschaften aufzubauen, bringt viel weniger, als mit Kindern draußen in der Natur zu sein. Einmal durch den Wald zu gehen, bietet unheimlich viele Möglichkeiten für Bewegung“, weiß Perschke-Mallach aus ihrer Arbeit als Ergotherapeutin. Wichtig sei auch, dass die Teilnehmer etwas Natur in die Hand bekämen und sich dabei auch über etwas freuen könnten, etwa wenn sie zum ersten Mal ein Küken halten würden. „Es reicht nicht mehr Umweltpädagogin zu sein, die den Menschen Eichen und Buchen zeigt. Ich muss Zusammenhänge über Kreisläufe in der Natur vermitteln und Empathie für Mitgeschöpfe wecken.“

Mit ihrem Ansatz will sie ein generelles Umdenken in der Gesellschaft erreichen. „Du bist mit deinem Handeln verantwortlich für das, was geschieht – auch in anderen Teilen der Erde“, sagt sie. „Was wir vermitteln wollen, ist Gestaltungskompetenz.“ Das selbstständige Handeln und Denken werde angeregt. Der Ansatz: Die Teilnehmer bekommen möglichst wenig vorgesetzt, sondern müssen selbst aktiv werden. Essen beispielsweise wird nicht fertig zubereitet, sondern sie müssen in die Natur gehen und Zutaten dafür wie Kräuter selbst finden. Kinder erleben im Laufe des Jahres, welche Früchte wo reifen, und lernen Tier- und Pflanzenarten kennen, die rund um den Winderatter See leben, darunter auch bedrohte Arten wie Rotbauchunke und Laubfrosch.

„Der Hof ist genau das, was wir immer gesucht haben“, sagt Perschke-Mallach. Der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb mit Garten, einer benachbarten Streuobstwiese und angrenzenden Naturflächen sei ein idealer Natur-, Lern- und Erlebnisort für Kinder und Erwachsene jeden Alters. Hier könnten sie ihre Ideen von nachhaltiger Umweltbildung mit Kindern und Erwachsenen umsetzen. „Als wir den Hof übernahmen, war er etwas heruntergekommen.“ Gudrun Perschke-Mallach legte als erstes einen Wildblumengarten mit Teich und Kräuterspirale an. Heute leben dort auch Schafe, Rinder, Pferde, Bienen und Hühnern. „Das ist ein ganz großer Schatz, den wir hier gefunden haben“, sagt sie.

Auf das Zertifikat ist Gudrun Perschke-Mallach stolz. „Ausgezeichnet wurde die hohe Qualität der Bildungsarbeit und das große Engagement, mit dem die Leiterin der Einrichtung Gudrun Perschke-Mallach Themen, wie ,Gesunde Ernährung, ökologische Landwirtschaft Konsumverhalten, biologische Vielfalt Weise Kindern und Erwachsenen vermittelt“, heißt es in der Begründung für die Vergabe des Zertifikats. „Das war immer mein Wunsch“, freut sich die engagierte Umweltschützerin. „Darauf haben wir hingearbeitet. Das ist das, was wir leben, was wir an unsere Kinder weitergegeben haben“, sagt sie. Und: „Ich glaube, dass diese Bewegung wächst, dass mehr auf den Zug aufspringen.“

> Alle Veranstaltungen, das pädagogische Konzept und das umweltpädagogische Programm für Kindergärten und Schulen finden sich auf www.hofneuseegaard.de

zur Startseite

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 14:58 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen