Ehrung in Kiel : Ausgezeichnet: Leben im Marineturm

Die neue Dachkuppel sieht von innen beeindruckend aus.
Die neue Dachkuppel sieht von innen beeindruckend aus.

Bundesweiter Denkmalpreis für den Mürwiker Marine-Wasserturm: Drei Jahre nach dem Umbau des Gebäudes wurden Sabine und Wolfgang Groß gestern Abend in Kiel geehrt

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13. November 2013, 07:45 Uhr

Sabine Groß verliebt sich jeden Tag aufs Neue – in ihr Haus. Wer die 51-Jährige von den Vorzügen ihres ungewöhnlichen Heims, dem ehemaligen Marine-Wasserturm an der Kelmstraße, schwärmen hört, hat daran keinen Zweifel. Und erst recht nicht nach einem Rundgang durch das 36 Meter hohe Gebäude, das eine atemberaubende Aussicht auf die angrenzende Marineschule, die Förde und große Teile Flensburgs bietet. „Bei einem Spaziergang mit meinem Mann vor einigen Jahren habe ich mich sofort in den Turm verguckt“, sagt Sabine Groß. „Dann habe ich ihn davon überzeugt, den Turm zu kaufen.“

Bis es tatsächlich soweit war, verging zwar noch einige Zeit. Noch länger dauerte es, bis das Paar mit ihren Kindern vor zwei Jahren einziehen konnte. „Die Handwerksarbeiten im und am Turm dauerten rund ein Jahr“, berichtet Wolfgang Groß. Der Grund: Das denkmalgeschützte Gebäude war weitgehend marode. Doch das hielt Familie Groß nicht davon ab, mit der Renovierung weiterzumachen. „Wir haben alle möglichen denkmalbaulichen Aspekte eingehalten“, sagt Sabine Groß. „Angefangen von der Dicke der Fensterscheiben über die Farbe der Fensterrahmen bis zu den Dachziegeln.“

Zwar haben sich die beiden für ihren Einsatz und ihre Geduld mit ihrem neuen Heim selbst schon belohnt, doch nun honorierte auch das Land und sogar der Bund ihre Leistung: Gestern Abend kürte Innenminister Andreas Breitner sie in Kiel als Sieger des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege. Den 1. Platz teilt sich Familie Groß mit einem Trio, das ein denkmalgeschütztes Dielenhaus in Lübeck vor dem Verfall rettete. „Das stört uns aber gar kein bisschen, ganz im Gegenteil: Wir sind total überrascht, überhaupt zu den Geehrten zu zählen“, sagt Wolfgang Groß.

Das Paar war nie gezielt darauf aus, Preise für den umfunktionierten Wasserturm einzuheimsen. „Von dem Wettbewerb haben wir durch den städtischen Denkmalpfleger Eiko Wenzel erfahren, der uns eine Bewerbung ans Herz gelegt hat.“ Aber selbst dann hätten sie noch gezögert. „Da wir nie damit gerechnet hatten, soweit vorn zu landen, haben wir uns gefragt, ob es der Bewerbungsaufwand eigentlich wert ist“, berichtet Wolfgang Groß. Dafür mussten sie mehrere Formulare ausfüllen und diese zusammen mit Fotos einreichen. „Letztlich hat uns Herr Wenzel zum Glück doch überredet“, sagt Sabine Groß lachend.

Denn für die beiden gab es 5000 Preisgeld und für die an den Umbauarbeiten beteiligten Handwerksbetriebe – allesamt aus Flensburg oder dem Kreisgebiet – eine Ehrenurkunde. „Das Preisgeld ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich mit den Renovierungskosten“, berichtet Wolfgang Groß. Wie viel Geld sie in die Umbauarbeiten gesteckt haben, will der 53-Jährige aber nicht verraten. „Aber es war genug, sodass wir von hier nicht mehr wegziehen wollen.“



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