Winderatter See : Ausacker: Hotspot der Artenvielfalt

Rund um den Winderatter See und die Kielstau gedeihen über 300 Pflanzen-, 296 Schmetterlings- und mehr als 400 Pilzarten.
Rund um den Winderatter See und die Kielstau gedeihen über 300 Pflanzen-, 296 Schmetterlings- und mehr als 400 Pilzarten.

Naturschützer finden im Stiftungsland „Winderatter See – Kielstau“ ungewöhnlich viele verschiedene Pflanzen und Tiere.

shz.de von
31. März 2017, 11:45 Uhr

Ausacker | Mit knapp 200 Hektar nicht besonders groß, ist das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet und Stiftungsland „Winderatter See - Kielstau“ gleichwohl Heimat für über 300 Pflanzen- und allein 296 Großschmetterlingsarten. Hinzu kommen mehr als 400 Pilzarten, darunter deutschlandweite Erstnachweise. Der Pilzkundler (Mykologe) Matthias Lüderitz aus Eutin ist begeistert: „Das Gebiet ist ein ‚Hotspot‘ der Artenvielfalt.“

Diese Aussage und das Ergebnis vieler weiterer Untersuchungen und Projekte stellte Professor Willfried Janßen jetzt in Ausacker vor. Janßen ist Vorsitzender des Fördervereins für Natur und Umwelt, der dieses FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) seit sechs Jahren betreut. In seinem Jahresbericht ging er in der der Mitgliederversammlung auf eine Auswertung des Schmetterlingsbestandes und des Fischbesatzes ebenso ein wie auf die Vegetationserfassung an fünf Teichen. Im Juni seien 1570 junge Exemplare der bedrohten Rotbauchunke ausgesetzt worden. Bei dem Gebiet handele es sich um ein Niedermoor, das vor 9000 Jahren in einer eiszeitlichen Rinne entstand und pro Jahrtausend um einen Meter in die Höhe wuchs. Im Anschluss an seinen Bericht stellte er das Arbeitsprogramm 2017 sowie die Planungen für geführte Wanderungen vor. Einzelheiten werden demnächst auf www.winderattersee-kielstau.de bekanntgegeben.

Die Stiftung Naturschutz als Eigentümer gestattet dem Förderverein die Nutzung des durch das Gebiet führenden Naturpfades. Die Pflege und Wartung der vorhandenen Einrichtungen (Schutzhütte, Wege, Brücken, Tore, Info-Tafeln) erfolgt in Zusammenarbeit mit der Integrierten Station Geltinger Birk. Ein entsprechender Gestattungsvertrag und der Abschluss einer Vereinshaftpflicht fanden die einhellige Zustimmung der Versammlung. Als Spitze des zwölfköpfigen Vorstandes wurden neben dem Vorsitzenden dessen Vertreter Meinolf Hammerschmidt, Kassenwart Marco Jannsen und Schriftführer Gerd Schmidt wiedergewählt.

Die Versammlung endete mit einem Vortrag des Biologen Gerd Kämmer, Geschäftsführer von „Bunde Wischen“ und Naturschutzbeauftragter des Kreises, zum Thema „Die Bedeutung der Halboffenen Weidelandschaft für den Naturschutz“. Kämmer hob er die große Bedeutung von extensiver Beweidung für die Artenvielfalt hervor. Anstelle der noch vor 100  000 Jahren vorhandenen großen Grasfresser besetzten jetzt Robustrinder und Wildpferde diese ökologische Nische. Wichtig in diesem Zusammenhang seien Großflächigkeit, Ganzjahresbeweidung und angemessene Bestandsdichte sowie Verzicht auf Düngung. Zugefüttert werde nur in extremen Wintern. Bei nicht beweideten Vergleichsflächen sei schnell Artenarmut eingetreten, weil zumeist eine Art alle anderen verdrängt habe.

Die Folgen einer unbeabsichtigten Unterbrechung natürlicher Kreisläufe zeigte Kämmer auf am Beispiel der Mistkäfer: Die Hinterlassenschaften von Grasfressern hätten eine hohe Bedeutung für den Bestand dieser davon lebenden und sich darin vermehrenden Insekten. Der Kot von gegen Parasiten behandelten Tieren locke zwar Mistfliegen an, ausgeschiedene Medikamentenrückstände töteten aber die sich in ihm entwickelnden Larven ab und hätten so Auswirkungen auf die Nahrungsgrundlage von Wiesenvögeln und Fledermäusen.

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