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Süderbrarup : Aus Leidenschaft für Dampfmaschinen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Manfred Hauschild baut seit seinem Ruhestand maßstabsgetreue Modelle und engagiert sich auch im „Dampfclub“.

Manfred Hauschild (79) aus Süderbrarup ist ein Liebhaber alter Antriebsaggregate. Dazu gehören Dampfmaschinen, historische Verbrennungs- und Stirlingmotoren. Außerdem baut er sie als Modelle nach – maßstabsgetreu und funktionsfähig. „Als ich in den Ruhestand ging, suchte ich etwas, mit dem ich mich sinnvoll beschäftigen konnte“, erinnert sich der ehemalige Heizungsbauer. Dann habe ihn sein Sohn auf die Idee gebracht, kleine Dampfmaschinen zu bauen. Beim Besuch diverser Ausstellungen habe er Blut geleckt und erst einfache Modelle gebaut. Die Werkzeuge und die Fähigkeit, sie zu gebrauchen, habe er durch seinen Beruf bereits mitgebracht, so Hauschild weiter.

Seine Vorlagen fand er bei Besuchen von Museen wie dem Deutschen Museum in München. Nach dem Fotografieren und Vermessen der Originalmaschine entstand das Modell einer großen Einzylinder-Dampfmaschine. Um das große Schwungrad herstellen zu können, musste er auf eine Werkstatt zurückgreifen. Beim Nachbau des ersten Benz-Benzinmotors mit Oberflächenvergasung musste er das Antriebsrad sogar in Seiffen im Erzgebirge gießen lassen.

„Der Rest ist reine Handarbeit“, verrät Hauschild. Nur spezielle Zahnräder kaufe er von außerhalb ein. Seine Produktionszeiten liegen wie früher bei den Uhrmachern in der Winterperiode. „Im Oktober fängt man an, und im April sind die Modelle fertig“, erklärt er seinen Zeitplan. Das Bauen sei wie eine Sucht. „Wenn man mit einem Teil fertig ist, denkt man schon an das nächste, das noch besser und schöner werden soll“, gesteht er. Zurzeit beschäftigt er sich mit dem Bau eines Stirlingmotors.

Seine Basis und seinen Rückhalt findet Hauschild im Verein Technikgeschichte – auch „Dampfklub“ genannt. Die Mitglieder nutzen in Schleswig auf dem Hesterberg eine Halle und eine Werkstatt, in der sie Schätze der Antriebstechnik pflegen und sanieren. Besondere Kleinode sind unter anderem ein Zettelmeyer-Radlader, eine Dampfwalze des gleichen Herstellers, ein Körting-Motor, mehrere Lokomobilen (eine Dampfmaschinenanlage, bei der alle zum Betrieb der Anlage erforderlichen Baugruppen auf einer gemeinsamen beweglichen Plattform montiert sind) und eine alte Dreschmaschine mit Bandantrieb.

„Unsere Statuten verpflichten uns zur Förderung der Volksbildung“, klärt Schriftführer Jürgen Wodka über den Zweck des Vereins auf. „Wir befassen uns mit historischen Techniken und Begriffen, graben dabei viele Dinge aus und kümmern uns darum“, umreißt der ehemalige Tüv-Sachverständige Hans Wiesner das Aufgabengebiet. „Wir klären unter anderem, wie etwas funktioniert hat und wie viel es kostete“, ergänzt Willy Carstens, ehemaliger Dorfschmied. Darauf wolle man die Jugend aufmerksam machen. Deshalb lasse man sich gerne zu Ausstellungen einladen, auf denen man mit Schautafeln die Zusammenhänge erkläre, so Carstens.

Dort kann auch Hauschild seine Modelle vorführen, die dann aber aus Sicherheitsgründen mit Druckluft und nicht mit Dampf betrieben werden. Oder die Vereinsmitglieder feuern wie jüngst in Loit ihre Dampfwalze an und lassen sie rauchumwölkt über das Ausstellungsgebiet rollen. „Wir brauchen aber dringend neue ehrenamtliche Mitarbeiter“, gesteht Vereinsvorsitzender Heinrich Clausen. Diese sollten Spaß am Feilen und Bohren aber auch am Lesen in alten Beschreibungen und Plänen haben. Interessierte können sich unverbindlich während der Vereinsstunden am Donnerstag von 14 bis 16.30 Uhr auf dem Hesterberg 45 bis 54, Halle neun informieren.

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