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Arnis : Aus für Traditionswerft Otto Eberhardt besiegelt

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Mitarbeiter werden zum Oktober gekündigt. Investor plant 35 Wohnungen.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:08 Uhr

Arnis | Nach über 100 Jahren kommt das Aus für die seit 1909 in Arnis bestehende Werft Otto Eberhardt - für dessen Enkel mehr als bitter. Einst war Deutschlands kleinste Stadt eine Werften-Hochburg - doch der Niedergang ist unabwendbar. Damit ihre Werft nicht zu einer Industrie-Brache verkommt, haben Betriebsleiter Manfred Eberhardt, von Hause aus Kaufmann, und sein Bruder, der Schiffsbaumeister Alfred Eberhardt, die Reißleine gezogen, nach einer anderen Nutzung Ausschau gehalten. In Nicolai Steinert von der D. Steinert Bau-GmbH aus Heikendorf haben sie einen Investor für eine alternative Nachnutzung gefunden. Bis zu 35 Wohnungen werden geplant.

Die erste Hürde ist bereits genommen. Nachdem die Arnisser Stadtvertretung im Februar die Änderung des Bebauungsplanes "Sondergebiet Werft" und damit Umwidmung in ein allgemeines Wohngebiet beschlossen hatte, fand jetzt die frühzeitige Bürgerbeteiligung sowie eine Einwohnerversammlung statt. Investor Steinert, der Architekt Thomas Hahn aus Kiel, Bauamtsleiter Erich Reuter von der Kappelner Verwaltung sowie der Arnisser Bürgermeister Bernd Kugler legten Verfahren und Pläne für das knapp 8000 Quadratmeter große Areal dar. Angedacht ist die Schaffung von maximal 35 Wohneinheiten in einer Größenordnung zwischen 45 und 120 Quadratmetern. Der Architekt kann sich vorstellen, dass die große Bootshalle umfunktioniert wird in ein auf der Sliplanlage liegendes Schiff mit Wohnungen - überspannt von freigelegtem, rund 20 Meter hohem Tragwerk. Das stieß bei den Einwohnern, die in großer Zahl gekommen waren, auf geteilte Meinung - der "kleckernden" Möwen wegen, die sich auf den Stangen breit machen werden. "Industrie raus, Wohnbebauung rein" - das mindere die Emissionen, erklärte der Architekt und wies darauf hin, dass das Bauleitverfahren und damit die Schaffung von Baurecht einen Zeitraum von neun bis zwölf Monaten in Anspruch nehmen werde. Zu einer zusätzlichen Verkehrsbelastung der Langen Straße werde es nicht kommen, weil auf dem Areal ausreichend Parkplätze vorgesehen seien. Der Fußweg an der Schlei soll erhalten bleiben.

In der Diskussion zeigte sich, dass sich die Einwohner weitestgehend mit den Planungen anfreunden können. Allerdings wurde sich gesorgt, dass nur "reiche Hamburger" die geplanten Wohnungen erstehen werden, nur am Wochenende kommen und ansonsten "tote Hose" herrschen könnte. Gesagt wurde aber auch, dass die Planung "klasse" sei, wobei man sich wünschte, dass in einem gewissen Umfang auch "nicht störendes"Gewerbe möglich sein müsse. Dazu Architekt Hahn: "In Arnis zu leben, hat viel für sich." Und er fügte hinzu, dass er es sich durchaus vorstellen könnte, mit seinem Büro auf dem Noch-Werftgelände ansässig zu werden.

Seit Jahren ist die Auftragslage der Traditionswerft stark rückläufig. Das Aus für den Marinestützpunkt Olpenitz hat dazu geführt, dass keine Boote der Marine mehr in ihre Werft zur Überholung kommen. Ebenfalls stark rückläufig war und ist die Situation bei der Frachtschifffahrt und Angelkuttern. Öffentliche Aufträge, sagen sie, werden nur noch an ISO-zertifizierte Betriebe vergeben: "Wir können nicht mehr mithalten." Den zwölf Mitarbeitern wurde zum 31. Oktober dieses Jahres gekündigt, zwei von ihnen haben bereits anderweitig einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

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