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Videotheken-Sterben : Aus für letzte Videothek in Flensburg: Das Ende einer Ära

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 31. August schließt in der Neustadt Flensburgs letzte vollwertige Videothek. Die Zahl der Nutzer ist bundesweit in den letzten Jahren rapide gesunken.

shz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 06:44 Uhr

Flensburg | Das Videotheken-Sterben erwischt jetzt auch Flensburg. Das Video-Paradies mit der Postanschrift Neustadt 65 schließt zum 31. August. Wer dort reinkommt, landet in der Erwachsenenabteilung – der „harmlose“ Eingang mit großzügigem Parkplatz liegt an der Harrisleer Straße. „Die Videothek wird zur Volljährigkeit geschlossen“, sagt Fabian Hansen mit Blick auf die Eröffnung am 1. September 1999. Der 27-jährige Flensburger arbeitet seit drei Jahren mit Unterbrechungen neben seinem Studium der Medieninformatik im Videoparadies und hat stellvertretend bis zur Geschäftsschließung administrative Aufgaben übernommen. Der langjährige Geschäftsführer habe sich bereits im Mai zurückgezogen, der Besitzer, der in Hamburg wohnt, sei ins Tagesgeschäft nur indirekt involviert.

Der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland e.V. hat für 2016 in Schleswig-Holstein 42 herkömmliche Videotheken gezählt, bundesweit 914 (im Jahr 2015: 1186). Seit 2014 sank demnach die Zahl der Kunden von 5,3 auf 3,9 Millionen (2016). Der Anteil jener, die legale Streaming- oder Video-on-Demand-Angebote nutzen, schwankt stark zwischen acht Prozent und einem Drittel, hat der Berufsverband ermittelt und verschiedene Quellen ausgewertet.

Fabian Hansen führt die Gemütlichkeit und die nicht nachwachsende Generation von klassischen Videothekennutzern ins Feld, um den Rückgang der Nachfrage zu deuten. Er selbst lässt sich in keine Schublade stecken: „Ich gehe super gern ins 51 Stufen“, schwärmt er, und nutzt zugleich Video-on-Demand. Den Wandel in der Branche hat der Student nur zum Teil miterlebt, zum Teil von Kollegen und Kunden erfahren. Früher, sagt er, hätten noch drei Mitarbeiter in einer Schicht gearbeitet. Heute würden nur ausnahmsweise und in Stoßzeiten und dann auch nur zwei Kollegen zugleich eingesetzt. Derzeit seien noch sechs Mitarbeiter im Videoparadies tätig. Sie beraten und verleihen DVDs, Blue Rays und Spiele, aktuellste ebenso wie wertvolle Nischenfilme, verkaufen Getränke, Süßigkeiten, Knabberkram. „Gekühlte Getränke laufen ganz gut“, sagt Hansen, doch aufgefüllt werden Regale und Kühlschränke nicht mehr.

Bedauernd sei der Tenor unter den Kunden, beobachtet Fabian Hansen. Und wie auf Zuruf legt Patrick Wyluda seinen Stapel DVDs auf den Tresen. Der 44-jährige Dozent und Gutachter ist bekennender Filmfreund und wie seine Partnerin auch „traurig“, dass die Videothek stirbt, weil es dann keine mehr in Flensburg gebe. Er lobt sie als „gut sortiert“, genießt die „nette, persönliche Atmosphäre“, kommt extra regelmäßig aus Engelsby in die Neustadt. Das Internet ist für ihn keine Alternative: „Ich bin da Purist und lasse ungern meine Sehgewohnheiten ausspionieren.“

Seit die Schließung bevorsteht, könne man alles kaufen: Filme, Poster und sogar die riesige Batman-Figur, sagt Fabian Hansen. Nur Esel nicht, die Figur aus „Shrek“. Über Jahre wollten Kunden das grinsende Plüsch-Maskottchen kaufen, erinnert sich Hansen, jetzt habe man sich durchgerungen, Esel immerhin zu verlosen. Lose gibt es für einen Euro, die Auslosung ist am 27. August. Der glückliche Gewinner kann sich mit Esel etwas Nostalgie ins Haus holen.

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