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Sparmassnahmen : Aus für die deutsch-dänische Gesundheitskooperation?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Süddänemark will sparen: Der Rettungshubschrauber in Niebüll soll nicht mehr für Dänemark im Einsatz sein. Außerdem werden weniger dänische Patienten in Flensburger Krankenhäusern behandelt.

Flensburg/Niebüll | Die Region Süddänemark will sich zu einem großen Teil aus der Gesundheits-Kooperation mit Schleswig-Holstein zurückziehen. Das geht aus einem Sparkatalog hervor, den die in Vejle ansässige Regionsverwaltung erarbeitet hat. Das Papier umfasst sowohl den Ausstieg aus der Nutzung des Rettungshubschraubers in Niebüll als auch eine massive Reduzierung der Strahlentherapie dänischer Patienten im Flensburger St.-Franziskus-Hospital. Einen Kooperationsvertrag mit der Kieler Universitätsklinik möchten die Dänen ebenfalls kündigen. Die endgültige Fassung der Streichliste soll am 29. September vom süddänischen Regionalrat beschlossen werden. Aufgestellt wurde das Papier, nachdem die dänische Regierung allen Regionen des Landes massive Einsparungen aufgezwungen hat.

Statt bisher 25 Bestrahlungen soll jeder dänische Patient am Franziskus-Hospital den Plänen zufolge nur noch 15 erhalten. Süddänemark beruft sich auf neue Richtlinien, nach denen das Kopenhagener Gesundheitsministerium dies für medizinisch ausreichend hält. Der Verzicht auf den Hubschrauber in Niebüll wird mit einer Neustrukturierung der Luftrettung in ganz Dänemark begründet. Dadurch wird in Billund in Mitteljütland ab 1. Oktober ein Rettungshelikopter stationiert. „Das verringert den Bedarf am Niebüll-Hubschrauber“, heißt es in der Sparliste.

Die Landesregierung zeigt sich alarmiert über die dänischen Ausstiegspläne aus der von Politikern beider Seiten in der Vergangenheit so hochgelobten Zusammenarbeit. Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW) hat gestern in einem Schreiben an Süddänemarks Regionsvorsitzenden Carl Holst dazu aufgerufen, die Sparvorschläge „noch einmal zu überdenken“. Gerade der Hubschrauber und die Krankenhausbehandlung seien „Bereiche der deutsch dänischen Partnerschaft, die unbürokratisch funktionieren und den Bürgern direkt zugute kommen“. Spoorendonk äußert die Sorge, ein Abschied der Dänen „könnte Konsequenzen für den Standort des Hubschraubers in Niebüll haben“. Ausdrücklich bietet die Ministerin an, sich grundsätzlich zu Verhandlungen zusammenzusetzen, wie die Gesundheitskooperation über die Grenze hinweg weiterentwickelt werden kann – auch in umgekehrter Richtung von Deutschland nach Dänemark.

Im letzten Jahr haben 200 dänische Brustkrebs-Patientinnen im Franziskus-Hospital eine Strahlentherapie erhalten. Würde jede von ihnen nur noch 15- statt 25-mal bestrahlt, „wäre das auf jeden Fall ein finanzielles Problem“, sagte der Kaufmännische Direktor der Klinik, Helmut Andresen. Eine genauere Einschätzung konnte er ad hoc nicht vornehmen, erinnerte aber daran, dass einer von drei Linearbeschleunigern im Franziskus eigens mit Blick auf Patienten aus dem Nachbarland und auch mit einem dänischen Zuschuss angeschafft worden ist. Insgesamt zählte das Flensburger Krankenhaus 2013 in seiner Strahlentherapie 1400 Patienten. Aufgrund des Kooperationsvertrags mit der Kieler Uni wurden demgegenüber im letzten Jahr lediglich sechs Dänen behandelt.

Von den 1194 Einsätzen des Niebüller Hubschraubers führten im vergangenen Jahr 69 nach Dänemark. „Wir haben damit exzellente Erfahrungen gemacht und freuen uns, wenn wir die grenzüberschreitende Tätigkeit weiter ausüben können“, sagt Petra Hentschel, Sprecherin der Stiftung DRF Luftrettung, die den Hubschrauber wie 27 weitere in Deutschland betreibt. In keiner anderen Grenzregion gebe es eine vergleichbare Partnerschaft, in die – wie in Niebüll – Personal aus dem Nachbarland fest in die Schichten integriert ist. Allerdings sieht Hentschel den Niebüller Helikopter wirtschaftlich auch ohne Dänen nicht gefährdet. Die Flüge über die Grenze machten nur sechs Prozent der Einsätze aus. Dänemark zahlt nach Flugminuten, ist nicht fest in eine Sockelfinanzierung eingebunden.

Die Kommunalpolitiker bangen trotzdem ob der Ankündigungen aus dem Nachbarland. „Ich will mir den Abzug gar nicht vorstellen, der Rettungshubschrauber gehört hier zum System“, sagt Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt. Südtonderns Amtsvorsteher Peter Ewaldsen erklärte zu dem Sparkatalog: „Das ist neu – mich besorgt diese Sache sehr.“ Für Ewaldsen wächst mit einem drohenden Abzug des Rettungshubschraubers der Druck auf das Klinikum Niebüll. „Die finanzielle Situation des Hauses ist gelinde gesagt fragil.“ Auch verstimmt Ewaldsen die Plötzlichkeit der Entwicklung: „Ich bin etwas traurig, dass es von der dänischen Seite uns gegenüber keine Ankündigung gab.“

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erstellt am 11.Sep.2014 | 07:15 Uhr

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