Stadtplanung in Flensburg : Aus für das Taruper Reiterparadies

Besitzer Hubert Ambrosius sieht für seinen Reiterhof in Tarup keine gesicherte Zukunft und hat den Reiterfreunden zum Sonnabend gekündigt.
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Besitzer Hubert Ambrosius sieht für seinen Reiterhof in Tarup keine gesicherte Zukunft und hat den Reiterfreunden zum Sonnabend gekündigt.

Aus Sorge vor Auflagen der Stadt: Hofbesitzer will Reiterfreunden kündigen.

shz.de von
31. März 2017, 09:01 Uhr

Die Nachricht schlug bei den Reitsport-begeisterten Kindern und ihren Eltern wie ein Blitz ein: Ihr Reiterparadies steht vor dem Ende. Der Reiterhof von Hubert Ambrosius in Tarup steht den „Reiterfreunden Tarup“ nicht mehr zur Verfügung. Schon Morgen soll Schluss sein. Die Stadt sieht dagegen keinen Anlass für eine Kündigung und sichert dem Reiterhof und seinem Besitzer wohlwollenden Umgang zu.

Es kam alles blitzschnell. Am Montag ging die Alarmmeldung um. Heute Nachmittag soll die Jahreshauptversammlung beraten. Hubert Ambrosius hat die Sorge, dass für das Gebiet seines Hofes ein Bebauungsplan erstellt wird, der seinem Betrieb die Existenzgrundlage entzieht und eventuell Auflagen enthält , die den Besitzer in den finanziellen Ruin treiben könnten. Und so zieht er die Notbremse: Kündigung des Vereins, Schluss mit der Unsicherheit. Nur – die Reiterfreuden der Kinder wären damit auch passé. „Das hat uns getroffen wie ein Schlag in die Magengrube“, schildert die Vorsitzende, Sawitsch, die im Verein herrschende Betroffenheit.

Per Mail mit dem Schlagwort „Notstand“ alarmierte der Vorstand der Reiterfreunde seine Mitglieder: Eingeladen wird zur außerordentlichen Mitgliederversammlung heute ab 16.30 Uhr auf dem Reiterhof. Die Begründung: „Hubert Ambrosius musste unserem Verein notgedrungen kündigen, d.h. der Verein muss den Hof zum 1.4.17 verlassen haben und es kann voraussichtlich ab dem 1.4.17 kein Reitunterricht mehr stattfinden.“

Die Verfasser haben eine Schuldzuweisung parat: „Hubert musste dem Verein kündigen, weil die Stadtverwaltung den Reitunterricht an diesem Ort nicht mehr duldet. Es droht die Schließung des gesamten Hofes.“

Der Reiterhofbesitzer sieht bei der Stadt die Absicht, einen Bebauungsplan für das Gebiet am Rüllschauer Weg aufzustellen. Dabei ist ihm nicht klar, ob dieser Plan eine gesetzliche Grundlage für den Reiterhof schafft oder sie verhindert. Einzelheiten lassen Ambrosius düster in die Zukunft schauen: So sei der Reiterhof mit rund 200 aktiven Pferdesportlern Auslöser für den Verkehr zum Hof. Den Umbau des alten Feldweges zu einer Straße, wenn er denn gefordert werden sollte, sieht Hubert Ambrosius für sich als finanziell unmöglich. Auch habe die Forstverwaltung festgestellt, eines seiner Gebäude halte nicht den Mindestabstand zum Waldrand ein. Konsequenz: unklar.

Hubert Ambrosius hat sich für ein Ende mit Schrecken entschieden, um dem von ihm befürchteten Schrecken ohne Ende zu entgehen: Kündigung der Reiterfreunde. Aus, Schluss: kein Konflikt. Aus dem Reiterhof wird ein landwirtschaftlicher Betrieb. Nur – wo bleiben gut 200 pferdebegeisterte Kinder und Jugendliche?

Im Rathaus wird der Konflikt dagegen tiefer gehängt. Es gebe keinerlei Ankündigungen, den Betrieb einzuschränken oder sogar einzustellen, erläutert Stadt-Pressesprecher Clemens Teschendorf auf Anfrage unserer Zeitung. Im Gegenteil: Die Stadt sehe das Angebot des Reiterhofes für Kinder und Jugendliche mit Wohlwollen. Und es sei für das Gebiet des Reiterhofes kein Bebauungsplan in Arbeit, sondern für diese Lage am Rand der Stadt eine sogenannte Außenbereichs-Satzung. Im Planungsausschuss würden die Nutzungen benannt, die in dem Bereich möglich seien. Durchaus denkbar, sagt Teschendorf, dass der Reiterhof gut in das Gebiet der Satzung passt. Allerdings: Für den künftigen Betrieb des Reiterhofes werden die Einhaltung von Sicherheitsauflagen wie Brandschutz oder Verkehrssicherheit geprüft. Dies werde aber mit dem Betreiber des Reiterhofes gemeinsam geschehen, schrittweise. Aus der Sicht der Stadt gebe es keinerlei Grund, dem Verein zu kündigen und den Betreib jetzt einzustellen.

Ziemlich deutlich wird der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Helmut Trost, in einer Mitteilung: „Die Sofortkündigung der Reiterfreunde Tarup durch den Betreiber des Reiterhofs erscheint mir als eine völlige Überreaktion. Sie bringt nur Verunsicherung.“ Miteinander sprechen, Lösungen erarbeiten anstelle unnötiger Eskalation – das wäre angemessen gewesen.“

Es gebe in Politik und Verwaltung die ausdrücklich erklärte Bereitschaft, den Betrieb eines Reiterhofes auf eine rechtlich sichere Grundlage zu stellen. Ein positiver Abschluss eines Planverfahrens schaffe Sicherheit und helfe allen.

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