Aus der Tiefe

Der Wasserverband Nord aus Oeversee liefert das Trinkwasser für fast 90 000 Menschen

shz.de von
06. November 2018, 15:56 Uhr

Es beginnt mit der morgendlichen Dusche, dem Aufkochen von Tee oder Kaffee oder dem Wässern der Blumen – ohne Wasser geht es nicht. Die Quelle, aus denen weite Teile im Kreisgebiet und auch darüber hinaus versorgt werden, steht in Oeversee. Dort hat der Wasserverband Nord (WVN) seinen Sitz, der heute fast 90 000 Menschen aus der Region mit frischem Wasser versorgt – und zugleich auch ganz praktisch für etwas steht, was Oeversee ausmacht: das Wasser, die Natur.

Im Land zwischen den Meeren scheint Wasser oft selbstverständlich. Doch das ist es keineswegs. „Es gibt viel Wasser auf der Erde, aber relativ wenig Süßwasser“, sagt WVN-Geschäftsführer Ernst Kern beim Begehen der Anlage. Seit Anfang der 60er Jahre wird hier gefördert – mit inzwischen 13 Tiefbrunnen, die sich im Umkreis von einem Kilometer um das Wasserwerk herum befinden. Auf dem Betriebsgelände selbst ist unter anderem der Brunnen Nr. 11 – mit 332 Metern ist er einer der tiefsten in ganz Schleswig-Holstein. Der Verband seinerseits einer der größten im Land. Die 68 Mitgliedsgemeinden erstrecken sich von Hallig Hooge, über Breklum, bis nach Tarp, Harrislee und Handewitt. Um 1600 Kilometer Leitung kümmert sich der WVN. Das entspricht in etwa der Strecke von Flensburg nach Florenz.

Im Wasserwerk deutet Kern auf einen großen blauen Quader. Er hat die Längenmaße dreimal einem Meter. So würde ein Kubikmeter-Trinkwasser aussehen, wenn man es abfüllte – aufbereitet und nach Hause geliefert werde es für brutto 91 Cent wie Kern betont. 45 solcher Würfel werden im Schnitt jedes Jahr pro Person ausgeliefert.

Der Wasserverband Nord – ehrenamtlich organisiert – entstand 1954. Zunächst hatte er noch in Nordfriesland seinen Sitz, später ging es nach Oeversee, weil die Region geologisch besonders günstig sei, wie Kern erzählt. Das Wasser, das in Oeversee gefördert und dann in der gesamten Region in die Leitungen eingespeist wird, ist alt – sehr alt sogar; möglicherweise ein paar tausend Jahre. Doch dieser Wert ist umstritten. Regenwasser, das auf einer Fläche von 50 Quadratkilometern niedergeht, liefert den Nachschub. Ganz gemächlich. Denn bis das Wasser in die Tiefen vorgedrungen ist, aus denen in Oeversee gefördert wird, vergehen Jahrzehnte. Und genau das ist eine der Unbekannten, mit denen es die Wasserversorger beim Blick in die Zukunft zu tun haben. „Wir sehen eventuell morgen schon, was wir vor 50 Jahren gemacht haben“, so Geschäftsführer Kern. Noch finde man kein Nitrat, sagt er. Doch irgendwann werde der Zeitpunkt da sein. Mit der Landwirtschaft arbeitet der Verband eng zusammen. „Es gibt da schon Sensibilitäten“, sagt der stellvertretende Verbandsvorsteher und Bürgermeister von Langstedt, Jacob Bundtzen.

Der WVN kümmert sich jedoch nicht nur um die Wasserförderung, sondern immer öfter auch um die Abwasserentsorgung. Ein großes Problem dort: „Die Entsorgung von Medikamenten.“ Spurenstoffe der Präparate aus dem Wasser zu filtern, sei „nicht ganz einfach“. Kern appelliert daher: Die Medikamente gehörten nicht in die Toilette. Nur so lässt sich das reine Wasser auf Dauer erhalten.

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