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Flensburg: Gestohlener Schmuck St. Nikolai : Aufgetaucht: Das Reliquiar ist wieder da

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Polizeitaucher befördern den wertvollen Behälter nebst diversen Schlüsseln und Portemonnaie an die Oberfläche

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 06:18 Uhr

Die Erleichterung stand Marcus Friedrich ins Gesicht geschrieben. Der Pastor von St. Nikolai war gestern in Begleitung seiner Frau und Kinder an den Ballastkai gekommen, um die Fortsetzung der Suche nach dem Schmuck zu beobachten, der vor drei Wochen aus seiner Kirche entwendet worden war. „Viel Hoffnung hatte ich nicht“, gestand Friedrich. Doch er wurde positiv überrascht.

Um kurz vor 11 Uhr begann die Aktion der aus Eutin gerufenen Polizeitaucher. Ein 120 Quadratmeter großes Areal in Höhe der Raiffeisensilos wurde in etwa zwei Metern Tiefe akribisch abgesucht. „Wir tauchen gern in Flensburg“, sagte Dennis Humbke, Einsatzleiter der aus sieben Mann bestehenden Spezialtruppe, die im Hafen schon kriminaltechnisch relevante Dinge wie Tresor oder Pistole entdeckt hatte. Die Sicht war gut, der Hafengrund nicht schlammig, sondern fest wegen des Muschelbesatzes.

Profis brauchen nicht lange, um fündig zu werden: Nach zehn Minuten gab es plötzlich Bewegung an der Kaikante. Ein Taucher stieg auf und hielt die ersten beiden Fundstücke in die Höhe. „Das Reliquiar ist wieder da!“, entfuhr es Friedrich, als er den wertvollen in Silber eingefassten Behälter aus Bergkristall begutachtete. Das gute Stück aus dem 15. Jahrhundert hat sichtbar gelitten. Es wird nach der Freigabe durch die Kripo von Fachleuten inspiziert und unter Umständen restauriert werden müssen. „Der Wert geht in die Zehntausende, der ideelle Wert ist weitaus höher“, erläuterte der Pastor.

Wenig später beförderten die Taucher noch diverse zur Kirche gehörende Schlüssel, zwei Kugelschreiber und ein Portemonnaie an die Oberfläche, in dem nur noch ein Zwei-Cent-Stück steckte. Damit ist das komplette Diebesgut des Einbruchs in der Nacht zum 1. Oktober wieder da. Zuvor waren bereits drei Geldkassetten, der historische Schlüssel zum Kirchenportal, ein Siegel, eine Taschenuhr und eine EC-Karte sichergestellt worden.

„Der Verlust war für uns alle ein großer Schock“ , sagte Marcus Friedrich – und fragt sich, wer für den respektlosen Einbruchsdiebstahl verantwortlich sein könnte. Seine rhetorische Frage: „Wie niederträchtig muss ein Mensch sein, um Sakrales aus einer Kirche zu stehlen“ – oder: „Wie groß die Not, um so zu handeln?“ Für ihn sei die Angelegenheit doppelt unangenehm gewesen, da das mittelalterliche Reliquiar ein Leihgabe des Flensburger Museums ist – als Rückführung eines sakralen Gegenstandes im Rahmen der Ausstellung „Glaube – Ort – Kunst“. Friedrich will mit jetzt dem 16-Jährigen in Kontakt treten, der die entscheidenden Hinweise gab und laut Polizeisprecher Christian Kartheus explizit nicht als Täter infrage kommt. „Ihm sind wir“, so Friedrich, „zu Dank verpflichtet.“ Zudem stehen noch 1000 Euro Belohnung im Raum...

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