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Funk aus Flensburg : Auf Sendung für die Gebirgsmarine

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutsch-schweizerisches Projekt in Fahrensodde: Das Flensburger Unternehmen Dantronik errichtet Kurzwellensender für die eidgenössisches Handelsflotte.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2013 | 07:57 Uhr

Meeresblick hatte dieses Land zum letzten Mal vor ungefähr 66 Millionen Jahren, in der Kreidezeit. Eigentlich schwer vorstellbar, wie sich so bei den viel, viel später siedelnden menschlichen Bewohnern der Schweiz ein Seemanns-Gen herausgebildet haben soll, aber es ist so. Der Flensburger Mathias Hartmann, Geschäftsführer der Flensburger Firma Dantronik, ist in einem gemeinsamen Projekt Partner der Eidgenossen bei der Kommunikation mit ihren weltweit operierenden Handelsschiffen.

In diesem Projekt kommt einiges zusammen. Ein Schockerlebnis im Jahr 1941; die im Satelliten-Zeitalter angejahrt erscheinende Kurzwellen-Kommunikation; Schweizer Unabhängigkeitsstreben; Übersee-Containerschiffe mit Heimathafen Basel; eine Küstenfunkstelle in Kiel und eine kleine Flensburger Firma in Fahrensodde.

Die Handelsflotte des Alpenlandes wurde mitten im Zweiten Weltkrieg unter dem Schock des deutschen U-Bootkrieges gegründet. Als Akt der nationalen Daseinsvorsorge gewissermaßen. „Die Deutschen U-Bootkommandanten fragten beim Schiffeversenken nicht nach, ob womöglich Ware für die Schweiz an Bord war“, sagt Hartmann. Weil die Welt seither nur unwesentlich friedlicher geworden ist, halten die Eidgenossen bis heute an dieser Besonderheit fest. Aktuell sind rund 130 Seeschiffe weltweit für Schweizer Reedereien in Fahrt, 40 von ihnen unterstehen in Krisenzeiten dem Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung, in Friedenszeiten fahren sie für ihre Reedereien, die ihren Sitz zwingend in der Schweiz haben müssen.

Hier kommen Hartmann und die Kurzwelle (KW) ins Spiel. Beide sollen mit dafür sorgen, dass die Schweizer „Gebirgsmarine“ in Krisenzeiten ihren Auftrag erfüllen kann. Und dafür muss sie erreichbar sein. „Es ist relativ einfach, Satelliten-Kommunikation dauerhaft lahm zu legen. Bei KW-Verbindungen ist das schon schwieriger. Noch wichtiger: Eine Kurzwelle kann um die ganze Welt laufen.“

Zum Laufen bringt sie die Swisscom Broadcast, eine Tochter der ehemals staatlichen Telefongesellschaft Swisscom, deren Projektpartner Dantronik ist. Swisscom stellt die weltweite Kommunikation über ein Küstenfunkstellennetz mit Sende-/Empfangsanlagen auf allen Kontinenten sicher. Die Aufgabe von Dantronik ist das Feintuning der Datenübertragung etwa für Fax und Email. „Das Übertragungsverfahren ist deutlich langsamer als das, was wir heute kennen“, so Hartmann. „Unser Ziel ist es, die Daten stärker zu komprimieren, schneller zu übertragen und den Abgleich von Sender und Empfänger bei Übertragungsschwankungen zu optimieren. Eine Email an Bord ist dann etwa so schnell wie ein analoges Fax. Im Moment liegt die Geschwindigkeit noch bei einem Drittel davon.“

In diesem Jahr noch wird Dantronik in Fahrensodde eine Sende/Empfangsstation in Betrieb nehmen, und eine Kurzwellen-Teststrecke zwischen Flensburg und Kiel Radio einrichten. Die deutsche Küstenfunkstelle ist ebenfalls Partner von Swisscom Broadcast und verantwortlich für die Hard- und Software im globalen Netzwerk. Hartmann hofft, auch außerhalb von Krisenzeiten auf der Kurzwelle erfolgreich zu surfen. Denn die robuste KW-Technik ist deutlich günstiger als Satelliten-basierte Kommunikation und bietet sich besonders für die Crews aus aller Herren Länder, die von Bord aus weltweit Kontakt nach Hause halten möchten.

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