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Preis für Flensburger Künstler Prüß : „Auf Platt klingt alles menschlicher“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 3. November erhält der Flensburger Künstler Rainer Prüß den 27. Niederdeutschen Literaturpreis der Stadt Kappeln

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2017 | 15:50 Uhr

Grafiker, Musiker, Segler, Schriftsteller – der 27. Preisträger des Niederdeutschen Literaturpreises ist ein Multitalent: Rainer Prüß textet zwar schon lange, hat aber erst 2012 sein erstes plattdeutsches Buch geschrieben, für sich selbst und weil er Freunden mal etwas mitbringen wollte. Seine erste Auszeichnung kam 2013 für ihn überraschend, wie auch jetzt der Preis der Stadt Kappeln und des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, den er am Freitag, 3. November, um 19.30 Uhr in der „Alten Maschinenhalle“ entgegennehmen wird. Mit Rainer Prüß sprach unser Redaktionsmitglied Doris Smit.

Herr Prüß, Sie sind in Dithmarschen aufgewachsen. Wie sah Ihre erste Berührung mit „Plattdütsch“ aus?

Das volle Programm von klein auf an (lacht). Meine Mutter schnackte hochdeutsch oder platt: je nachdem, wie es gerade am besten passte. Auch die Nachbarn sprachen platt. Ich bin zweisprachig aufgewachsen.

Die Jury bezeichnet Sie als Multitalent und als jemanden, „für den das Plattdeutsche eine Rolle spielt“. Welche Rolle spielt es für Sie?

Für mich ist es eine stark emotionale Sprache. Wenn ich arbeite zum Beispiel, wenn ich als Grafiker über Konzepte oder Strategien spreche, dann mache ich das auf hochdeutsch. Aber wenn ich gezwungen bin, mich einfach auszudrücken – und damit meine ich nicht simpel, sondern präzise auf den Punkt – dann hilft mir das Plattdeutsche. Es ist eine andere Denke. Auch wenn ich Plakate oder Grafiken plane, denke ich plattdeutsch. Es ist minimalistisch und drückt das Wesentliche aus. Da wird nicht drum herum geredet. Geht ja auch gar nicht – bei den wenigen Wörtern, die es gibt. Außerdem klingt auf plattdeutsch alles menschlicher. Die Sprache ist sehr direkt, aber trotzdem selten verletzend.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?

Ich habe in den 60er-Jahren angefangen, Musik zu machen und habe auch viele Texte und plattdeutsche Verse geschrieben. Die hab ich gesammelt und illustriert, damit kenne ich mich beruflich ja aus. Also wollte ich ein Büchlein machen – für mich und damit ich auch mal etwas habe, was ich Freunden geben konnte. Einige verschenken Marmelade, ich meine ausgequetschten Gedanken (lacht). Mir war gar nicht bewusst, dass es so eine große plattdeutsche Szene gibt. Aber irgendwie ist eins dieser Bücher zum Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen gelangt, und ich bekam einen Anruf: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen. Das Buch „Beten wat in swatt un witt vun Neihmaschien un Fensterkitt“ wurde 2013 „Plattdeutsches Buch des Jahres“.

Für Ihre Musik und Ihre Texte haben Sie bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Welchen Stellenwert hat jetzt der Niederdeutsche Literaturpreis für Sie?

Er gilt als einer der bedeutendsten Preise für Plattdeutsches. Ich war überrascht, weil ich noch gar nicht so viele Bücher geschrieben habe. Aber er ist wohl auch für meine Musik.

Ihre Texte sind voller Ironie und subtiler Anspielungen. Was – oder vielleicht auch wen – möchten Sie damit erreichen?

Zunächst schreibe ich ja für mich selbst. Und für die Menschen, die es lesen wollen. Wenn ich also jemanden damit nicht erreiche, dann eben nicht. Eine Zielgruppe habe ich nicht. Viele Menschen verbinden mit dem Plattdeutschen immer etwas Positives. Ich habe einen guten Sinn für Humor, aber bei mir gibt es nichts über Landwirtschaft oder das Dorfleben. Ich schreibe über Burkas und Handyverbot, über Maschinen oder Technologien.

Zehn Jahre lang hatten Sie einen Lehrauftrag an der Uni Flensburg. War bilingualer Unterricht mal eine Option? Design auf Plattdeutsch?

(Lacht). Nein, das nicht, aber Sie werden lachen, ich bin zurzeit als Gast an der Deutschen Schule in Sonderburg und unterrichte da eine neunte Klasse in Lyrik und Illustration – auf Plattdeutsch!

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