Inklusion : Auf neuen Wegen ins Berufsleben

Stehen gern vor und hinter der Kamera: Timo Schnoor (l.) und John Percy Lumbek.
Stehen gern vor und hinter der Kamera: Timo Schnoor (l.) und John Percy Lumbek.

Ein Kooperations-Projekt von Arbeitsagentur, Jobcenter und der Firma Bequa unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, eine geeignete Stelle zu finden. 20 Plätze werden vergeben.

shz.de von
24. Februar 2015, 12:00 Uhr

Flensburg | Für Menschen mit Behinderung ist es heutzutage nicht leicht, einen Job zu finden. Oftmals haben Arbeitgeber Vorbehalte ihnen gegenüber und scheuen sich davor, sie einzustellen. Dabei sind es genau diese Menschen, die einen positiven Einfluss auf die Arbeit und die anderen Mitarbeiter haben können. Um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern, hat die Firma Bequa in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Flensburg sowie dem Jobcenter des Kreises das Projekt „Neue Wege“ auf die Beine gestellt.

Das Projekt gibt es bereits seit einem Jahr. Die Zielgruppe sind arbeitslose Menschen mit Behinderungen verschiedenen Ursprungs – beispielsweise Autisten, Blinde oder Gehörlose –, die Arbeitslosengeld oder vergleichbare Leistungen beziehen. Über ihre individuellen Qualifikationen und Patenschaften mit Betrieben sollen diese wieder ins Berufsleben integriert werden. Die Teilnehmer von „Neue Wege“ können innovative Arbeitsfelder ausprobieren, sie entwickeln zum Beispiel regionale Informationsforen für Bürger. Dazu gehören die Konzeption, die redaktionelle Ausgestaltung und die technische Umsetzung einer regionalen Fernsehsendung, die an jedem dritten Freitag ab 19 Uhr bei „Flensburg aktuell“ ausgestrahlt wird. Dabei arbeiten sie mit dem Offenen Kanal in Flensburg zusammen. Außerdem entwickeln sie bestehende Mobilportale weiter, darunter einen Veranstaltungskalender. „Wir vergeben 20 Plätze“, sagt Projektleiter Lukas Goebel. 37 Leute seien schon dabei, acht davon haben bereits eine Stelle gefunden.

Zurzeit schnuppern Sabine Jacobsen, Timo Schnoor und John Percy Lumbek in die Medienberufe hinein. Alle drei sind begeistert von der Erfahrung, die sie sammeln. Der 31-jährige Schnoor hat selbst nach einer Maßnahme gesucht und ist dabei auf das Projekt gestoßen. „Dort habe ich mich von Anfang an sicher gefühlt“, erzählt er. Schoor hat Depressionen und Angststörungen. Bei der Arbeit hat er aber keine Zeit, um über seine Krankheit und Symptome nachzudenken. „Die Arbeit hat mich stabilisiert“, schlussfolgert er.

Auch Sabine Jacobsen ist vollends zufrieden. Sie ist seit dem 11. Januar dabei und leidet unter ADHS und Angststörungen. Dass sie so frei vor den Pressevertretern und den Mitarbeitern des Offenen Kanals, der Arbeitsagentur und den Jobcentern spricht, verdankt sie den „Neuen Wegen“. „Ich bin viel selbstbewusster geworden, vor sechs Wochen hätte ich nicht gedacht, dass ich vor so vielen Menschen reden kann“, erzählt sie.

Gabriele Spark vom Jobcenter Flensburg hebt die Begabungen von Menschen mit Behinderungen hervor. „Sie sind sehr engagiert, loyal und leistungsbereit“, zählt sie auf. Außerdem hätten sie eine positive Wirkung auf andere und identifizieren sich mit ihren Aufgaben. Für Betriebe würden sich durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen wiederum neue Sichtweisen eröffnen.

Dass man diese Menschen auf ihrem beruflichen Weg unterstützten muss, zeigen verschiedene Zahlen auf dem Arbeitsmarkt. Elisabeth Wickert, Beraterin für Rehabilitanden und Schwerbehinderte in der Arbeitsagentur, betont, dass die Zahl der Schwerbehinderten steigt. Der Grund dafür sei der demographische Wandel, denn Unfälle und andere Umstände würden das Leben der Bürger verändern. Bei der Jobsuche hätten hochqualifizierte Arbeitslose gute Chancen auf eine längerfristige Beschäftigung. „Qualifizierte Menschen bleiben länger im Beruf, dafür kommen sie im Falle einer Arbeitslosigkeit nicht so einfach an eine neue Stelle“, erklärt Wickert.

Wer sich für die Teilnahme am Projekt „Neue Wege“ interessiert, kann sich bei Lukas Goebel unter Telefon 0461/1503-158 informieren.

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