Zum 16. Mal : Auf großer und kleiner Apfelfahrt

Neu auf dem Bohlwerk:  Die gegrillte Auster mit Apfel aus Dänemark. Foto: mst
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Neu auf dem Bohlwerk: Die gegrillte Auster mit Apfel aus Dänemark. Foto: mst

Das wohl gemütlichste Hafenfest Flensburgs machte seinem Ruf am Wochenende alle Ehre

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22. Oktober 2012, 06:56 Uhr

Flensburg | Die Temperaturen auf dem Bohlwerk meldeten Altweibersommer, und wenigstens am Sonnabend spielte auch das Wetter mit - schließlich mussten die von Glücksburg und Kollund herbei geschipperten alten Apfelsorten aus Angeln und Gravenstein auch unters Volk gebracht werden. Und darin, wie sie in zwei Tagen rund eine Tonne Frucht unter die Leute bringt, hat sich die Apfelfahrt des Museumshafens als kleine Schwester der Rum-Regatta in ihrer 32. Auflage eine echte Meisterschaft erworben: Äpfel in fester und flüssiger Form, in Waffeln versteckte geriebene Früchtchen oder Apfelkuchen sind nur ein paar Varianten davon.

Wenige Meter nach dem Entern des Bohlwerks drängen blutjunge Piratinnen zum Ausprobieren der Schokoweitwurfmaschine - für die Mehrheit der weniger geschickten Fänger eine ziemlich haftende bis klebrige Angelegenheit. Auf dem Weg zur letzten Bratwurst vor dem Eis gibt es die Originalpulle Apfelfahrt-Apfelsaft, Lose für die Apfeltombola oder Fischbrötchen bei Ben, wo die Menschenschlange meist am längsten ist. Wem es zu kalt wird, der kann bei Martin Schulz vom Museumshafen heiße Maronen erwerben, die im eigenen Schiffsöfchen zubereitet werden - oder eben die besagte Bratwurst ordern bei dem berühmten Dagmar-Aaen-Expeditionsmaler Rainer Ullrich aus der Arved-Fuchs-Crew.

Und während die Großen sich auch mit hochprozentig verflüssigten Äpfeln aufwärmen können, ist die Kinderschlange am nördlichen Ende des Bohlwerks am längsten - vor allem dort, wo Johannes Luckhardt im Südwester seit Jahren den Nachwuchs in den Disziplinen Apfelschreddern und Saftpressen anleitet.

"Trotz des Grieselwetters ist die Bilanz auch vom Sonntag ganz hervorragend. Die Stimmung war bestens", sagt Gerd Büker vom Museumshafen. "Flensburg hat ein hervorragendes Publikum." Schon Sonntagnachmittag seien alle Äpfel ausverkauft gewesen: "Die Leute waren wie im Kaufrausch." Aber auch der Segeltörn zum Äpfelholen nach Glücksburg sei für See- und Sehleute ganz toll gewesen.

Im Windschatten der großen hat sich im Lüttfischhafen in den vergangenen Jahren die kleine Apfelfahrt für die Kleinen etabliert. Wer sich als Seepferdchenbesitzer mit Schwimmweste in eine der Nussschalen der Lüttfischer wagt, darf ausprobieren, wie schwer es ist, mit dem Apfelkäscher, einen Apfel vom Galgen zu fädeln.

Wer ganz viel Glück hatte, den lud Gustav Winkler, pensionierter FH-Professor und passionierter Dampf- und Segelbootskipper, noch zur kleinen Hafenrundfahrt auf die "Schwarze Sara" ein, die jüngste Neuerwerbung und das erste Boot der Lüttfischer mit Motor. Und während Winkler darauf bestand, dass jeder Gast sicherheitshalber eine Schwimmweste umschnallte, erklärte er, warum er selbst garantiert keine benötige: "Mir kann nichts passieren. Ich bin Beamter."

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